Autoimmunerkrankung

Polymyositis des Hundes und der Katze

Bei der Polymyositis handelt es sich um eine immunvermittelte Entzündung der Muskulatur, die bei Hunden und Katzen auftritt. Sie kann bestimmte Muskelgruppen betreffen — etwa die periokulare Muskulatur rund um das Auge oder die Kehlkopfmuskulatur — oder generalisiert auftreten, also am ganzen Körper.

Welche Tiere betroffen sind

Die generalisierte Autoimmunmyositis tritt vor allem bei alten Hunden großer Rassen auf:

  • Deutscher Schäferhund
  • Windhunde
  • Boxer
  • Retriever

Ungarische Vizslas leiden zudem an einer rassespezifischen entzündlichen Myopathie, also einer erblich mitbedingten Muskelerkrankung dieser Rasse.

Symptome

Betroffene Tiere entwickeln entweder eine fortschreitende symmetrische Muskelschwäche mit zunehmender Bewegungsintoleranz — der Hund ermüdet auf immer kürzeren Strecken — oder eine akute, plötzlich auftretende Schwäche.

Weitere Zeichen:

  • Fieber, zurückzuführen auf die übermäßige Bildung von Zytokinen und den allgemeinen Entzündungszustand
  • Stimmveränderungen, Atemnot und Schluckprobleme durch Beteiligung der Kehlkopfmuskulatur
  • wechselnde Lahmheit mit extremer Steifheit
  • Schmerzhaftigkeit beim Abtasten der Muskeln — besonders ausgeprägt, wenn große Muskelmassen und die Muskulatur oberhalb der Wirbelsäule betroffen sind

Der letzte Punkt ist für die Untersuchung wichtig: Ein Hund, der beim Abtasten der Rückenmuskulatur schmerzhaft reagiert, hat nicht zwingend ein Wirbelsäulenproblem. Der Schmerz kann im Muskel selbst sitzen.

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Der Megaösophagus als Komplikation

Als Megaösophagus bezeichnet man eine krankhafte Erweiterung der Speiseröhre. Ist die Muskulatur der Speiseröhre mitbetroffen, verliert sie ihre Transportfunktion und das Futter bleibt liegen statt in den Magen befördert zu werden.

Die Folgen:

  • Schwierigkeiten beim Abschlucken des Futters
  • Hochwürgen unverdauten Futters, das oft mit Erbrechen verwechselt wird
  • in schweren Fällen eine Aspirationspneumonie, also eine Lungenentzündung durch in die Luftwege gelangte Futterteile

Diese Komplikation entscheidet über die Prognose — zugleich ist sie der Punkt, an dem Halter am meisten beitragen können. Wichtig sind:

  • Fütterung aus erhöhter Position, sodass die Schwerkraft den Transport des Nahrungsbreis in den Magen unterstützt
  • Aufrechthalten des Hundes in der Sitzposition für 10 bis 20 Minuten nach jeder Mahlzeit
  • angepasste Futterkonsistenz — je nach Tier eignen sich breiige oder geformte Portionen besser als trockenes Futter
  • mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer

Der Weg zur Diagnose

Durch die ausgedehnte Schädigung der Skelettmuskulatur ist die Kreatinkinase im Serum stark erhöht — häufig um das Zehnfache. Dieses Enzym wird auch als Kreatinphosphokinase bezeichnet; gemeint ist derselbe Wert. Ebenfalls erhöht sind die Alanin-Aminotransferase und die Laktatdehydrogenase. In der Regel bestehen zusätzlich eine Leukozytose und eine Eosinophilie, also vermehrte weiße Blutkörperchen und eosinophile Granulozyten.

Gesichert wird die Diagnose durch die Muskelbiopsie aus den am stärksten betroffenen Muskeln. Zu finden sind:

  • ein mononukleäres Zellinfiltrat aus CD8-positiven Lymphozyten und Plasmazellen, teils mit eosinophilen Zellen
  • Muskelfaserdegeneration und Nekrose
  • Vakuolisierung, also Flüssigkeitseinlagerungen in den Muskelfasern

Etwa die Hälfte der betroffenen Hunde weist antinukleäre Antikörper, Antikörper gegen die Muskelzellmembran oder beides auf.

Was sonst dahinterstecken kann

  • die Kaumuskelentzündung des Hundes, die auf die Kaumuskeln beschränkt bleibt
  • das Polyarthritis-Polymyositis-Syndrom, bei dem zusätzlich mehrere Gelenke entzündet sind
  • die Myasthenia gravis, bei der nicht der Muskel selbst, sondern die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel gestört ist — auch sie geht häufig mit einem Megaösophagus einher
  • infektiöse Myositiden, insbesondere durch Toxoplasmen und Neospora
  • erbliche Muskelerkrankungen und Muskelschwund im Rahmen anderer Grunderkrankungen

Behandlung

Behandlung der Wahl sind immunsuppressive Dosen von Glukokortikoiden. Ergänzend ist es wichtig, zumindest zu Behandlungsbeginn eine gute Schmerzmittelversorgung sicherzustellen — die Erkrankung ist schmerzhaft und ein Hund, der sich vor Schmerz nicht bewegt, baut zusätzlich Muskulatur ab.

Ebenso wichtig sind:

  • kontrollierte, gleichmäßige Bewegung in der Erholungsphase, um die Muskulatur wieder aufzubauen
  • konsequentes Management eines Megaösophagus, sofern vorhanden
  • regelmäßige Kontrollen der Kreatinkinase als Verlaufsparameter

Ergänzend sollte eine Behandlung mit dendritischen Zellen erwogen werden. Dabei werden aus einer Blutprobe des Tieres körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.

Zur entsprechenden Erkrankung beim Pferd finden Sie eine eigene Darstellung unter immun-mediierte Polymyositis des Pferdes.

Prognose

Die Prognose ist in der Regel gut: Die meisten Tiere sprechen auf die immunsuppressive Behandlung an, die Muskelkraft kehrt zurück und die Kreatinkinase normalisiert sich.

Eingeschränkt wird diese günstige Aussicht durch die Entwicklung eines Megaösophagus. Er bildet sich nicht immer zurück und die Gefahr einer Lungenentzündung durch verschlucktes Futter bleibt bestehen.

Für Sie als Halter heißt das: Schauen Sie beim Fressen genau hin. Hochwürgen kurz nach der Mahlzeit, Husten beim Fressen oder feuchte Atemgeräusche sind Zeichen, die sofort abgeklärt werden sollten — sie entscheiden bei dieser Erkrankung mehr über den Verlauf als die Muskelkraft selbst.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Canine Polymyositis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 148–149

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Häufige Fragen

Was ist eine Polymyositis bei Hund und Katze?

Die Polymyositis ist eine immunvermittelte Entzündung der Muskulatur, die bei Hunden und Katzen auftritt. Sie kann entweder bestimmte Muskelgruppen betreffen, etwa die periokulare Muskulatur (um das Auge) oder die Kehlkopfmuskulatur, oder generalisiert, also am ganzen Körper, auftreten.

Welche Hunde erkranken besonders häufig an Polymyositis?

Die generalisierte Autoimmunmyositis tritt vor allem bei alten, großrassigen Hunden wie Deutschen Schäferhunden, Windhunden, Boxern und Retrievern auf. Ungarische Vizslas leiden zudem an einer rassespezifischen entzündlichen Myopathie, also einer erblich mitbedingten Muskelerkrankung dieser Rasse.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Polymyositis?

Betroffene Tiere entwickeln entweder eine fortschreitende symmetrische Muskelschwäche mit zunehmender Bewegungsintoleranz oder eine akute, plötzlich auftretende Schwäche; auch Fieber und eine wechselnde Lahmheit mit extremer Steifheit kommen vor. Veränderungen der Kehlkopfmuskulatur können zu Stimmveränderungen, Atemnot und Schluckproblemen führen. Die Erkrankung ist schmerzhaft — beim Abtasten der Muskeln zeigen die Hunde Schmerzen, besonders wenn größere Muskelmassen betroffen sind.

Was bedeutet ein Megaösophagus bei Polymyositis?

Als Megaösophagus bezeichnet man eine krankhafte Vergrößerung der Speiseröhre, die Schwierigkeiten beim Abschlucken des Futters verursachen kann. In schweren Fällen kann es zu chronischem Erbrechen und einer Aspirationspneumonie kommen, also einer Lungenentzündung durch Aufnahme von Futterteilen in die Lunge. Die Entwicklung eines Megaösophagus schränkt die ansonsten gute Prognose leider ein.

Wie wird eine Polymyositis beim Hund diagnostiziert?

Durch die ausgedehnte Schädigung der Skelettmuskulatur ist die Kreatinkinase (CK, ein Muskelenzym) im Blutserum stark erhöht — oft um das 10-fache; auch ALT, LDH und CPK sind erhöht. Muskelbiopsien zeigen ein Zellinfiltrat aus CD8+-Lymphozyten und Plasmazellen sowie Muskelfaserdegeneration, Nekrose und Flüssigkeitseinlagerungen (Vakuolisierung). Etwa die Hälfte der betroffenen Hunde weist antinukleäre Antikörper oder Antikörper gegen die Muskelzellmembran auf.

Wie wird die Polymyositis behandelt und wie ist die Prognose?

Behandlung der Wahl sind immunsuppressive, also das Immunsystem dämpfende Dosen von Glukokortikosteroiden; zumindest zu Behandlungsbeginn ist zudem eine gute Schmerzmittelversorgung wichtig. Die Prognose ist für die Patienten normalerweise gut, wird jedoch durch die Entwicklung eines Megaösophagus eingeschränkt. Ergänzend sollte eine immunologische Behandlung erwogen werden.

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