Tumorerkrankung
Schmerzen bei Tumoren bei Hund, Katze und Pferd
Bei Tumorschmerz handelt es sich um Schmerz, der bei einer Krebserkrankung entweder unmittelbar vom Tumor selbst ausgeht oder mittelbar durch Entzündung, Druck auf Nachbargewebe, Metastasen (Tochtergeschwülste) und die Tumoroperation entsteht. Viele Besitzer — aber auch Tierärzte — haben Schwierigkeiten, genau festzustellen, ob ein Tier an Schmerzen durch seine Tumorerkrankung leidet. Deshalb wird hier auf die einzelnen Tumortypen eingegangen, um eine Beurteilung zu ermöglichen. Im Zweifel sollte immer ein Schmerzmittel verabreicht werden; oftmals muss die Wirkung am veränderten, verbesserten Verhalten des Tieres schlicht getestet werden.
Schmerzen durch den Tumor selbst
Schmerzen können beim Hund, der Katze und dem Pferd direkt durch die Tumorentwicklung und -ausbreitung ausgelöst werden. Dabei entstehen Schmerzen, wenn
- sich der Tumor in umliegendes Gewebe ausbreitet und dieses zerstört und verdrängt,
- Blutgefäße abgedrückt werden,
- der Tumor Nerven zerstört oder auf sie drückt.
Diese Schmerzen sitzen dort, wo der Tumor liegt, oder strahlen in die umliegenden Körperteile aus. Bei Hauttumoren zeigen sie sich häufig durch Kratzen oder Lecken an der schmerzhaften Stelle sowie durch Lahmheit, wenn der Tumor auf Nerven drückt.
Schmerzen, die indirekt durch den Tumor entstehen
Neben den direkten Schmerzen verursachen Tumoren auch indirekt Beschwerden:
- Um Tumoren herum entstehen häufig Entzündungen, etwa durch die Zerstörung von Gewebe und eine gestörte Wundheilung. Diese Entzündungen sind für Hund und Katze schmerzhaft.
- Durch die Ausbreitung des Tumors baut sich Druck auf benachbartes Gewebe wie Muskeln und Nerven auf.
- Daraus folgt der Ausfall von Körperbereichen, der sich zum Beispiel in starken Lahmheiten äußert.
Schmerzen durch Metastasen im Körper
Zusätzlich zu den Schmerzen, die der Tumor selbst verursacht, können in einem weiter fortgeschrittenen Stadium Schmerzen durch Metastasen in anderen Körperteilen hinzukommen. Metastasen in der Lunge etwa erschweren die Atmung und führen zu Schmerzen. Hier ist häufig keine ursächliche Behandlung mehr möglich — umso wichtiger ist es, durch das Unterdrücken von Symptomen und Schmerzen die Lebensqualität des Patienten zu erhalten. Für Sie als Halter ist das oft die schwerste Phase; eine gut eingestellte Schmerzbehandlung schenkt Ihrem Tier in dieser Zeit spürbar mehr gute Tage.
Schmerzen durch die Tumoroperation
Je nachdem, wie der Tumor liegt und wie radikal bei der Operation vorgegangen werden muss, können durch die Entfernung des Tumors zum Teil erhebliche Schmerzen entstehen. Quellen sind das Durchtrennen von Nerven, eine spätere Narbenbildung oder eine Amputation. Der Wundschmerz nach einem chirurgischen Eingriff sollte auf jeden Fall behandelt werden; auch ein Phantomschmerz nach einer Amputation, also ein Schmerz im nicht mehr vorhandenen Körperteil, wird beim Tier beobachtet.
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Welche Tumoren besonders schmerzhaft sind
Nicht jeder Tumor tut gleich weh. Die folgende Übersicht ordnet die häufigsten Tumortypen nach ihrer Schmerzhaftigkeit ein und nennt, woran sich der Schmerz jeweils zeigt.
| Tumor mit Knochenbeteiligung | Primäre Knochentumoren (sowohl an der Gliedmaße als auch am übrigen Körper) sind ebenso schmerzhaft wie Knochenmetastasen anderer Tumoren. Gelegentlich sind Knochenmetastasen weniger schmerzhaft |
| Tumoren des Rückenmarks | Tumoren von außerhalb des Rückenmarks, die sich auf das Nervengewebe ausdehnen, sind oft schmerzhaft. Dagegen zeigen Tumoren, die aus dem Nervengewebe selbst stammen, häufig erst bei zunehmendem Wachstum Schmerzen |
| Gehirntumoren | 90 % der Menschen mit Gehirntumoren (primär oder als Metastasen) leiden an Kopfschmerzen; es ist zu vermuten, dass es Tieren ähnlich geht |
| Tumoren des Magen- und Darmtraktes | Schmerzen im Bauchraum sind häufig schwer zu lokalisieren und zeigen sich eventuell nur in Verhaltensänderungen. Tumoren des Dick- und Enddarmes äußern sich oft in Beschwerden im Bereich des Dammes |
| Entzündete Gesäugetumoren | Diese sind normalerweise sehr schmerzhaft; erkennbar an Bewegungsunlust und Aktivitätsminderung beim betroffenen Tier |
| Tumoren des Urogenitaltraktes | Das Anschwellen der Nierenkapsel führt zu erheblichen Schmerzen. Blasentumoren zeigen eine Schmerzneigung. Tumoren des hinteren Urogenitalbereichs verursachen Beschwerden im Damm- oder Lendenbereich |
| Prostatatumoren | Können durch Rücken- oder Bauchschmerzen gekennzeichnet sein |
| Tumoren der Maulhöhle und des Rachens | Weichteiltumoren in diesem Bereich sind relativ schmerzlos — deshalb werden sie häufig spät entdeckt. Anders ist es, wenn der Tumor Knochenbeteiligung hat oder in den Bereich von Ober- oder Unterkiefer eindringt. Auch Tumoren der hinteren Maulhöhle und des Rachens sind deutlich schmerzhaft |
| Nasentumoren | Schmerz zeigt sich durch verminderte Bereitschaft zu normalem Sozialverhalten |
| Invasive Weichteiltumoren | Der Schmerz ist hier, zum Beispiel bei Fibrosarkomen, nicht von der Tumorgröße abhängig. Besonders der Nervenscheidentumor gilt als besonders schmerzhaftes Geschehen |
| Invasive Hauttumoren | Besonders bei Ulzerierung (Geschwürbildung) schmerzhaft |
| Leber- und Gallengangstumoren | Besonders Tumoren, die die Leberkapsel dehnen |
| Ausgedehnte Tumoren der Bauch- und Brusthöhle | Die Schmerzanzeichen sind hier relativ vage, dennoch sollte die Gabe von Schmerzmitteln ausprobiert werden |
| Lungentumoren | Schmerzanzeichen beim Tier geringer als beim Menschen, die Schmerzmittelwirkung sollte überprüft werden |
| Wundschmerz nach chirurgischem Eingriff | Sollte auf jeden Fall behandelt werden; ein Phantomschmerz nach Amputation wird auch beim Tier beobachtet |
Zu einzelnen Tumorarten gibt es eigene Seiten mit ausführlichen Behandlungswegen: Schmerzen durch Knochenkrebs beim Hund und Schmerzen beim Mammatumor des Hundes.
Schmerzen erkennen und beurteilen
Hunde, Katzen und Pferde verbergen Schmerzen — ein Erbe ihrer Vorfahren, denen sichtbare Schwäche gefährlich wurde. Chronischer Tumorschmerz zeigt sich deshalb fast immer nur als Abweichung vom gewohnten Verhalten: Bewegungsunlust, Aktivitätsminderung, verändertes Liege- und Ruheverhalten, Rückzug, verminderte Bereitschaft zu normalem Sozialverhalten, gereiztes Reagieren auf Berührung oder verminderter Appetit. Aussagekräftig ist nicht das einzelne Zeichen, sondern die Veränderung gegenüber dem, was für Ihr Tier normal ist.
Inzwischen gibt es verschiedene Skalen zur Beurteilung akuter und chronischer Schmerzen bei den einzelnen Tierarten:
- Glasgow Composite Measure Pain Scale — https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8515184/
- Canine Brief Pain Inventory der University of Pennsylvania — https://www.vet.upenn.edu/docs/default-source/VCIC/canine-bpi-user’s-guide-2017-07
- Leitlinien der American Animal Hospital Association (AAHA) — https://www.aaha.org/aaha-guidelines/2022-aaha-pain-management-guidelines-for-dogs-and-cats/home/
Wie sich Schmerzen speziell bei der Katze beurteilen lassen, ist unter Schmerzen bei der Katze erkennen beschrieben.
Schmerztherapie
Neben dem Einsatz von Schmerzmedikamenten unterschiedlichster Wirkung und Stärke kann es sinnvoll sein, bei Hunden, Katzen und Pferden an physiotherapeutische Maßnahmen oder Massagen zu denken. Beim Menschen wird zusätzlich gezielt die Psychologie als Betreuungsansatz genutzt; beim Tier kann eine verstärkte Hinwendung und Anteilnahme dem vierbeinigen Patienten in ähnlicher Weise guttun.
Bekannt ist die neben der Schmerzwirkung auch antitumoröse Wirkung besonders der NSAIDs (nicht cortisonhaltige Schmerzmittel). Untersuchungen gibt es dabei für Meloxicam (Metacam®) — besonders bei Plattenepithelkarzinomen — und Cimicoxib (Cimalgex®) bei nasalen Chondrosarkomen. Bei Katzen mit eingeschränkter Nierenfunktion ist beim Einsatz von Meloxicam besondere Vorsicht geboten; was Studien dazu zeigen, fasst die Seite Untersuchungen von Meloxicam bei Katzen mit eingeschränkter Nierenfunktion zusammen. Welche Wirkstoffe sich kombinieren lassen und wie eine multimodale Schmerztherapie, also die Kombination mehrerer Wirkprinzipien in jeweils niedrigerer Dosierung, aufgebaut wird, ist ausführlich unter Schmerzbehandlung beim Krebspatienten dargestellt.
Im Zweifel sollte für die Schmerzbehandlung immer ein Tierarzt mit spezieller Ausbildung hinzugezogen werden, zum Beispiel ein Fachtierarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Er kann den Patienten exakt auf die notwendige Medikamentierung einstellen und erleichtert damit das Zusammenleben für Zwei- und Vierbeiner deutlich.
Durch die immunmodulierenden Eigenschaften der dendritischen Zellen — etwa das Zurückdrängen von Entzündungszeichen — ist die immunologische Behandlung ein interessanter Weg, die Schmerzsymptomatik erheblich zu verringern. Sie ersetzt jedoch keine Schmerzmedikation, sondern ergänzt sie.
Quellen
- Nolan MW et al. (2020): Management of chronic Cancer Pain, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, St. Louis, MO, 284–300
- Monteiro BP et al. (2023): 2022 WSAVA guidelines for the recognition, assessment and treatment of pain, J Small Anim Pract, doi:10.1111/jsap.13566
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Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass mein Tier Schmerzen durch seinen Tumor hat?
Das ist oft schwer festzustellen — nicht nur für Besitzer, sondern auch für Tierärzte. Häufig zeigen sich Schmerzen nur in Verhaltensänderungen: Bewegungsunlust, Aktivitätsminderung, verändertes Liegeverhalten, Rückzug oder eine verminderte Bereitschaft zu normalem Sozialverhalten. Bei Hauttumoren fallen zusätzlich Kratzen oder Lecken an der schmerzhaften Stelle auf. Im Zweifel sollte ein Schmerzmittel verabreicht und beobachtet werden, ob sich das Verhalten darunter bessert.
Welche Tumoren sind besonders schmerzhaft?
Zu den häufig schmerzhaften Tumoren zählen Tumoren mit Knochenbeteiligung — primäre Knochentumoren ebenso wie Knochenmetastasen —, entzündete Gesäugetumoren sowie invasive Hauttumoren, besonders bei Ulzerierung (Geschwürbildung). Bei invasiven Weichteiltumoren wie Fibrosarkomen ist der Schmerz nicht von der Tumorgröße abhängig; der Nervenscheidentumor gilt als besonders schmerzhaftes Geschehen. Auch Tumoren, die eine Organkapsel dehnen, etwa an Niere oder Leber, verursachen erhebliche Schmerzen.
Wie entstehen Schmerzen durch einen Tumor?
Direkte Schmerzen entstehen, wenn der Tumor sich in umliegendes Gewebe ausbreitet und dieses zerstört oder verdrängt, Blutgefäße abdrückt oder Nerven zerstört beziehungsweise auf sie drückt. Indirekt kommen Entzündungen um den Tumor herum hinzu — etwa durch Gewebezerstörung und gestörte Wundheilung — sowie Druck auf benachbarte Muskeln und Nerven, der sich zum Beispiel in starken Lahmheiten äußert.
Sind Tumoren in der Maulhöhle beim Tier schmerzhaft?
Weichteiltumoren in diesem Bereich sind relativ schmerzlos, weshalb sie häufig erst spät entdeckt werden. Anders ist es, wenn der Tumor Knochenbeteiligung hat oder in den Bereich von Ober- oder Unterkiefer eindringt; auch Tumoren der hinteren Maulhöhle und des Rachens sind deutlich schmerzhaft.
Verursachen Metastasen zusätzliche Schmerzen?
Ja, in einem weiter fortgeschrittenen Stadium können Metastasen (Tochtergeschwülste) in anderen Körperteilen zusätzliche Schmerzen verursachen. Metastasen in der Lunge etwa erschweren die Atmung und führen zu Schmerzen. Eine ursächliche Behandlung ist dann häufig nicht mehr möglich; wichtig ist, durch das Unterdrücken von Symptomen und Schmerzen die Lebensqualität des Tieres zu erhalten.
Hat mein Tier nach einer Tumoroperation Schmerzen?
Je nach Lage des Tumors und je nachdem, wie radikal operiert werden muss, können durch die Tumorentfernung erhebliche Schmerzen entstehen — durch das Durchtrennen von Nerven, eine spätere Narbenbildung oder eine Amputation. Der Wundschmerz sollte auf jeden Fall behandelt werden; auch ein Phantomschmerz nach einer Amputation wird beim Tier beobachtet.
Wie werden Tumorschmerzen bei Hund, Katze und Pferd behandelt?
Neben Schmerzmedikamenten unterschiedlicher Wirkung und Stärke kann es sinnvoll sein, an physiotherapeutische Maßnahmen oder Massagen zu denken. Für NSAIDs (nicht cortisonhaltige Schmerzmittel) ist neben der Schmerzwirkung auch eine antitumoröse Wirkung bekannt; Untersuchungen gibt es etwa für Meloxicam bei Plattenepithelkarzinomen und Cimicoxib bei nasalen Chondrosarkomen. Im Zweifel sollte ein Fachtierarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie hinzugezogen werden, der den Patienten genau einstellen kann.
Kann die dendritische Zelltherapie die Schmerzen lindern?
Durch ihre immunmodulierenden Eigenschaften — etwa das Zurückdrängen von Entzündungszeichen — ist die dendritische Zelltherapie ein interessanter Weg, die Schmerzsymptomatik erheblich zu verringern. Sie ersetzt eine Schmerzmedikation jedoch nicht, sondern ergänzt sie.