Albumin beim Hund
Das Albumin beim Hund ist das mengenmäßig wichtigste Eiweiß des Blutes: Es wird ausschließlich in der Leber gebildet und macht in der Regel etwa die Hälfte des Gesamteiweißes aus. Auf dem Befund steht es als „Albumin”, „ALB” oder „Alb”, angegeben in g/l oder g/dl, meist zusammen mit dem Gesamteiweiß und den daraus errechneten Globulinen. Ein niedriges Albumin (Hypoalbuminämie) ist der weitaus häufigere und bedeutsamere Befund als ein hohes. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Albumin erfüllt drei Aufgaben. Erstens hält es Wasser in den Blutgefäßen: Als kleines, in großer Zahl vorhandenes Eiweißmolekül erzeugt es den größten Teil des kolloidosmotischen (onkotischen) Drucks, der dem Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe entgegenwirkt. Zweitens ist es das wichtigste Transporteiweiß des Blutes — es bindet Fettsäuren, Bilirubin, Hormone, Calcium und viele Medikamente. Drittens wirkt es als Puffer. Gebildet wird es allein von den Leberzellen. Bei Entzündungen drosselt die Leber die Albuminbildung zugunsten der Akutphasenproteine (Entzündungseiweiße wie das C-reaktive Protein); Albumin ist daher ein „negatives Akutphasenprotein”, das bei Entzündung sinkt (Eckersall und Bell 2010).
Der Blutwert spiegelt das Gleichgewicht aus Bildung, Verteilung und Verlust. Er sinkt, wenn die Leber zu wenig bildet, wenn Albumin über Niere, Darm, Haut oder eine Blutung verloren geht, wenn es in Ergüsse abwandert oder wenn das Blut durch Infusionen verdünnt wird. Er steigt praktisch nur bei Wasserverlust. Junge Hunde haben etwas niedrigere Werte; Fütterung und Tageszeit spielen kaum eine Rolle.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Ein erhöhtes Albumin (Hyperalbuminämie) ist beim Hund praktisch immer eine Folge der Austrocknung (Dehydratation): Bei Erbrechen, Durchfall, Fieber, Hitze oder zu geringer Wasseraufnahme geht Wasser verloren, das Albumin wird eingedickt, und Hämatokrit sowie Globuline steigen gleichsinnig an. Eine echte Überproduktion gibt es nicht — die Leber bildet nie zu viel Albumin. Nach Ausgleich des Flüssigkeitsmangels normalisiert sich der Wert; ein einzelner leicht erhöhter Wert ohne weitere Auffälligkeiten ist harmlos.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Ein niedriges Albumin gehört abgeklärt, sobald es deutlich ausfällt oder sich in der Kontrolle bestätigt. Die Ursachen, von häufig zu selten:
- Entzündung, Infektion, Sepsis — die häufigste Ursache einer leichten Erniedrigung: Die Leber bildet weniger Albumin, zugleich wandert Albumin durch entzündlich undichte Gefäßwände in das Gewebe. Der Wert erholt sich, wenn die Entzündung abklingt.
- Verlust über die Niere — bei Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomerulopathien: Glomerulonephritis, Amyloidose, erblich bedingte Formen) tritt Albumin in den Urin über; die Globuline bleiben meist normal. Zeckenübertragene Infektionen wie Ehrlichiose, Anaplasmose und Leishmaniose gehören zu den Auslösern; mehr dazu auf der Seite zu den genetisch bedingten Glomerulopathien.
- Verlust über den Darm (Protein-losing Enteropathy) — bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (IBD), Lymphangiektasie (Erweiterung der Lymphgefäße der Darmwand) oder Darmlymphom: Hier sinken Albumin und Globuline gemeinsam; chronischer Durchfall und Gewichtsverlust begleiten den Befund.
- Verminderte Bildung — bei fortgeschrittener Lebererkrankung wie chronischer Hepatitis oder Leberzirrhose und bei einem Lebershunt (Gefäßfehlbildung, die das Blut an der Leber vorbeileitet). Das Albumin fällt hier erst, wenn ein großer Teil der Leberfunktion verloren ist.
- Blutverlust — akut oder schleichend, etwa aus dem Magen-Darm-Trakt oder aus einem blutenden Tumor; der Hämatokrit sinkt mit.
- Ergüsse, Verbrennungen, nässende Hauterkrankungen, Mangelernährung, Fehlverdauung sowie die Verdünnung nach Infusionen.
Folgen zeigen sich meist erst bei deutlich erniedrigten Werten: Das Wasser bleibt nicht mehr in den Gefäßen, es entstehen Ödeme (Wassereinlagerungen) an Gliedmaßen und Unterbauch, Bauchwasser (Aszites) und Ergüsse in der Brusthöhle. Bei Eiweißverlust über Niere und Darm geht zusätzlich das gerinnungshemmende Eiweiß Antithrombin verloren, weshalb die Neigung zu Gefäßverschlüssen (Thromboembolien) zunimmt. Und weil etwa die Hälfte des Calciums im Blut an Albumin gebunden ist, erscheint bei niedrigem Albumin auch das Gesamtcalcium erniedrigt, ohne dass ein echter Calciummangel vorliegt — siehe Calcium beim Hund.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
- Kontrolle und Einordnung mit Gesamteiweiß, Globulinen und Hämatokrit: Sinken Albumin und Globuline gemeinsam, deutet das auf Darm oder Blutung; sinkt nur das Albumin, auf Leber, Niere oder Entzündung.
- Entzündungswerte — Blutbild und C-reaktives Protein.
- Urin — Urinstatus und Urin-Protein-Kreatinin-Quotient (UPC), der den Eiweißverlust über die Niere bemisst; bei Nachweis Blutdruckmessung und Ultraschall der Nieren.
- Leberfunktion — Gallensäuren, Bilirubin, Harnstoff, Cholesterin, Glukose und die Leberenzyme; bei Verdacht Ultraschall der Leber und gegebenenfalls eine Gewebeprobe (Biopsie).
- Darm — Kotuntersuchung auf Parasiten, Ultraschall der Darmwand, Cobalamin (Vitamin B12) und Folsäure, bei Bedarf Endoskopie mit Gewebeproben.
- Bildgebung — Ultraschall des Bauches und Röntgen des Brustkorbs, um Ergüsse, Blutungsquellen und Tumoren zu erfassen.
- Ionisiertes Calcium, wenn das Gesamtcalcium erniedrigt ist.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Ein niedriges Albumin ist für sich genommen kein Hinweis auf Krebs — die meisten Erniedrigungen haben entzündliche, renale oder intestinale Ursachen. Bei Tumorpatienten tritt es dennoch häufig auf, und zwar über drei Wege: über die chronische Entzündung, die viele Tumoren im Körper unterhalten und die die Albuminbildung drosselt; über die Auszehrung (Tumorkachexie) bei fortgeschrittener Erkrankung; und über Blutverlust aus blutenden Tumoren, etwa dem Hämangiosarkom der Milz oder Tumoren des Magen-Darm-Trakts. Ein Lymphom des Darms verursacht darüber hinaus einen echten Eiweißverlust. In mehreren onkologischen Untersuchungen gilt ein erniedrigtes Albumin zu Beginn der Behandlung als eher ungünstiges Zeichen — als Hinweis auf die Gesamtbelastung des Körpers, nicht auf eine bestimmte Tumorart.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Ein einzelner Albuminwert ist keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Ein leicht erniedrigtes Albumin bei einem Hund, der gerade eine Infektion durchmacht, erholt sich meist von selbst; ein deutlich erniedrigter oder weiter fallender Wert braucht eine Ursache — und die lässt sich in den allermeisten Fällen finden und behandeln. Der Verlauf zählt mehr als der Einzelwert, und das Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt ordnet den Wert im Zusammenhang mit Globulinen, Urin, Leber und Darm ein.
Quellen
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Eckersall PD, Bell R (2010): Acute phase proteins: biomarkers of infection and inflammation in veterinary medicine, Vet J 185(1):23–27
- Lawrence YA, Steiner JM (2017): Laboratory evaluation of the liver, Vet Clin North Am Small Anim Pract 47(3):539–553
Häufige Fragen
Ist ein niedriges Albumin bei meinem Hund gefährlich?
Eine leichte Erniedrigung, etwa während einer Infektion, ist meist harmlos und erholt sich von selbst. Ein deutlich erniedrigter oder weiter fallender Wert braucht dagegen eine Abklärung, weil er auf Eiweißverlust über Niere oder Darm, eine Lebererkrankung oder eine Blutung hinweisen kann und bei starker Erniedrigung Ödeme und Bauchwasser drohen.
Warum ist das Albumin bei meinem Hund erhöht?
Praktisch immer wegen Austrocknung: Bei Erbrechen, Durchfall, Fieber oder zu geringer Wasseraufnahme wird das Blut eingedickt, und Albumin, Globuline und Hämatokrit steigen gemeinsam an. Eine Überproduktion von Albumin gibt es nicht; nach Flüssigkeitsausgleich normalisiert sich der Wert.
Woran merke ich, dass das Albumin zu niedrig ist?
Meist gar nicht, solange die Erniedrigung leicht ist. Erst bei deutlich niedrigen Werten hält das Blut die Flüssigkeit nicht mehr in den Gefäßen, und es entstehen Wassereinlagerungen (Ödeme) an Beinen und Unterbauch, Bauchwasser (Aszites) oder Ergüsse in der Brusthöhle.
Was hat das Albumin mit dem Calciumwert zu tun?
Etwa die Hälfte des Calciums im Blut ist an Albumin gebunden. Ist das Albumin niedrig, erscheint auch das Gesamtcalcium erniedrigt, obwohl das frei verfügbare (ionisierte) Calcium normal ist; der Tierarzt bestimmt in diesem Fall das ionisierte Calcium.
Welche Untersuchungen folgen auf ein niedriges Albumin?
Zunächst wird geprüft, ob die Globuline mit gesunken sind, was für Darm oder Blutung spricht, oder ob nur das Albumin fehlt, was auf Leber, Niere oder Entzündung deutet. Danach folgen je nach Bild der Eiweißgehalt des Urins (UPC), Gallensäuren und Leberwerte, Kotuntersuchung und Ultraschall von Darm und Bauch.
Bedeutet ein niedriges Albumin, dass mein Hund Krebs hat?
Nein, die meisten Erniedrigungen haben entzündliche, Nieren- oder Darmursachen. Bei Tumorpatienten ist ein niedriges Albumin allerdings häufig — durch die chronische Entzündung, die Auszehrung oder Blutverlust aus dem Tumor — und gilt dann als Zeichen der Gesamtbelastung des Körpers.