Calcium beim Hund

Bei Calcium beim Hund handelt es sich um den Blutwert für den Mineralstoff, der Knochen und Zähne aufbaut und zugleich Nerven, Muskeln, Herz und Blutgerinnung steuert. Auf dem Laborbefund steht meist das Gesamtcalcium (Ca, Calcium gesamt), angegeben in mmol/l oder mg/dl; daneben gibt es das ionisierte Calcium (iCa), das nur den biologisch aktiven Anteil misst. Ein erhöhtes Calcium (Hyperkalzämie) ist der Blutwert, hinter dem sich beim Hund am ehesten ein Tumor verbergen kann — meist steckt aber etwas anderes dahinter. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.

Was misst der Wert?

Ein großer Teil des Calciums im Blut ist an Eiweiß gebunden, vor allem an Albumin; ein kleiner Teil ist an Stoffe wie Citrat gekoppelt, und etwa die Hälfte liegt frei als ionisiertes Calcium vor — nur dieser Anteil wirkt biologisch. Das Gesamtcalcium erfasst alle drei Anteile. Daraus folgt der wichtigste Störfaktor: Sinkt das Albumin, sinkt das Gesamtcalcium mit, ohne dass dem Hund Calcium fehlt; umgekehrt kann ein hohes Eiweiß es anheben. Korrekturformeln, die das Gesamtcalcium rechnerisch an das Albumin anpassen, gelten beim Hund als unzuverlässig. Bei jeder Auffälligkeit wird deshalb das ionisierte Calcium bestimmt, in der Regel aus einer ohne Luftkontakt entnommenen Probe.

Reguliert wird der Spiegel durch das Parathormon (PTH) der Nebenschilddrüse: Es setzt Calcium aus dem Knochen frei, drosselt die Ausscheidung über die Niere und steigert über Vitamin D die Aufnahme im Darm. Calcium und Phosphat bewegen sich dabei meist gegenläufig. Junge Hunde im Wachstum haben von Natur aus höhere Werte; eine fetttrübe oder hämolytische Probe kann die Messung verfälschen.

Erhöhte Werte: typische Ursachen

Ein erhöhtes Gesamtcalcium ist weitaus häufiger harmlos als bösartig. Die Seite Hyperkalzämie bei Hunden und Katzen referiert eine Auswertung der Universität Cornell: Bei 70,6 % der Hunde war die Erhöhung vorübergehend und ohne Krankheitswert, bei 12,9 % lag ein maligner Tumor zugrunde, bei 4,6 % ein primärer Hyperparathyreoidismus, bei 1,7 % ein Morbus Addison und bei 1,2 % eine Niereninsuffizienz. Anders sieht es aus, wenn das ionisierte Calcium bestätigt erhöht ist: In einer Auswertung von 109 Hunden mit ionisierter Hyperkalzämie (Messinger et al. 2009) waren Tumoren die häufigste Ursache, gefolgt vom primären Hyperparathyreoidismus.

  • Vorübergehend und ohne Krankheitswert: Junghunde im Wachstum, Flüssigkeitsmangel (Eindickung des Blutes), hohes Eiweiß, Probenfehler.
  • Tumorbedingte Hyperkalzämie: Tumorzellen bilden ein PTH-ähnliches Eiweiß (PTHrP), das Calcium aus dem Knochen löst und die Niere Calcium zurückhalten lässt. Häufigste Ursache ist das Lymphom, gefolgt vom Analbeutelkarzinom; seltener das multiple Myelom und Knochenmetastasen.
  • Primärer Hyperparathyreoidismus: ein meist gutartiger Tumor der Nebenschilddrüse (Adenom), der unkontrolliert PTH bildet; das Phosphat ist dabei niedrig. Der Keeshond ist erblich prädisponiert.
  • Vitamin-D-Vergiftung: durch bestimmte Rattengifte (Cholecalciferol) oder Salben gegen Schuppenflechte (Calcipotriol); Calcium und Phosphat steigen gemeinsam.
  • Morbus Addison: Bei einem Teil der Hunde mit Nebennierenunterfunktion findet sich eine leichte Hyperkalzämie, meist mit niedrigem Natrium und hohem Kalium.
  • Nierenerkrankung: meist eine leichte Erhöhung des Gesamtcalciums bei normalem ionisiertem Calcium.

Eine anhaltende Hyperkalzämie macht sich durch vermehrtes Trinken und Harnen, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Schwäche bemerkbar und schädigt auf Dauer die Nieren — sie gehört deshalb zügig abgeklärt.

Erniedrigte Werte: typische Ursachen

  • Hypoalbuminämie: die häufigste Ursache eines niedrigen Gesamtcalciums. Fehlt Albumin — bei Eiweißverlust über Darm oder Niere oder bei Lebererkrankungen —, sinkt der gebundene Anteil, während das ionisierte Calcium normal bleibt.
  • Eklampsie: der echte Calciummangel der säugenden Hündin, vor allem kleiner Rassen mit großen Würfen, in den ersten Wochen nach der Geburt — mit Zittern und Krämpfen ein Notfall.
  • Hypoparathyreoidismus: die seltene Unterfunktion der Nebenschilddrüse; das Phosphat ist dabei erhöht.
  • Akute Pankreatitis: Calcium wird im entzündeten Fettgewebe um die Bauchspeicheldrüse gebunden.
  • Ethylenglykolvergiftung: Frostschutzmittel wird zu Oxalat abgebaut, das Calcium bindet und die Nieren akut schädigt.
  • Nierenerkrankung: Phosphat staut sich, Vitamin D wird weniger aktiviert.

Ein leicht erniedrigtes Gesamtcalcium bei niedrigem Albumin ist ohne eigene Bedeutung. Ein erniedrigtes ionisiertes Calcium äußert sich dagegen in Unruhe, Hecheln, Muskelzittern und Krämpfen.

Was der Tierarzt daraufhin meist prüft

  • Bestätigung: Wiederholung nüchtern mit Bestimmung des ionisierten Calciums.
  • Die Partnerwerte: Albumin, Phosphat, Kreatinin, Natrium und Kalium.
  • Hormonprofil bei bestätigter Hyperkalzämie: PTH, PTHrP und Vitamin-D-Stoffwechselprodukte aus derselben Probe. Ein niedriges PTH bei hohem Calcium spricht für einen Tumor oder eine Vitamin-D-Vergiftung, ein normales oder hohes PTH für die Nebenschilddrüse.
  • Tumorsuche: Abtasten aller Lymphknoten, rektale Untersuchung der Analbeutel, Röntgen des Brustkorbs, Ultraschall des Bauches und der Nebenschilddrüsen, bei Verdacht eine Feinnadelpunktion oder Knochenmarkuntersuchung.
  • Bei Addison-Verdacht: ein ACTH-Stimulationstest; bei niedrigem Calcium zusätzlich Magnesium und Lipase.

Bezug zu Tumorerkrankungen

Hier ist der Zusammenhang real: In der Cornell-Auswertung hatte etwa jeder achte Hund mit erhöhtem Gesamtcalcium einen bösartigen Tumor, und bei bestätigter ionisierter Hyperkalzämie sind Tumoren die häufigste Ursache. Der Mechanismus ist meist humoral — der Tumor gibt PTHrP ins Blut ab, das wie PTH wirkt; seltener lösen Knochenmetastasen oder das Myelom Calcium direkt aus dem Knochen. Das Lymphom ist die häufigste tumorbedingte Ursache; betroffen ist ein Teil der Hunde, vor allem mit T-Zell-Lymphomen. Beim Analbeutelkarzinom — einem oft kleinen, rektal tastbaren Tumor — findet sich die Hyperkalzämie nach Literaturangaben bei einem erheblichen Teil der Hunde, mitunter als erster Befund. Das multiple Myelom und Knochenmetastasen sind seltener. Für die Prognose zählt die Hyperkalzämie, weil sie die Nieren schädigt; spricht der Tumor auf die Behandlung an, fällt das Calcium in der Regel wieder ab und dient dann als Verlaufsmarker.

Was bedeutet das für Ihren Hund?

Ein einzelner Calciumwert ist keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund — und beim Gesamtcalcium immer der Blick auf das Albumin. Ein leicht erhöhter Wert bei einem jungen oder leicht dehydrierten Hund ist meist bei der Kontrolle wieder verschwunden. Bestätigt sich die Erhöhung im ionisierten Calcium, wird der Befund zügig abgeklärt — und auch dann findet sich bei vielen Hunden eine gut behandelbare Ursache. Ihr Tierarzt ordnet den Wert im Gespräch ein und legt mit Ihnen die nächsten Schritte fest.

Quellen

  • Messinger JS, Windham WR, Ward CR (2009): Ionized hypercalcemia in dogs: a retrospective study of 109 cases (1998–2003), J Vet Intern Med 23(3):514–519
  • Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
  • Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO
  • Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (2020): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th ed., Elsevier, St. Louis, MO
  • Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart

Häufige Fragen

Ist ein erhöhtes Calcium bei meinem Hund ein Zeichen für Krebs?

Meist nicht. In einer Auswertung der Universität Cornell war das Gesamtcalcium bei rund 70 % der Hunde nur vorübergehend und ohne Krankheitswert erhöht, bei knapp 13 % lag ein bösartiger Tumor zugrunde. Ist das ionisierte Calcium bestätigt erhöht, wird der Anteil an Tumoren allerdings größer, weshalb dann gezielt gesucht wird.

Warum bestimmt der Tierarzt das ionisierte Calcium?

Das Gesamtcalcium hängt vom Albumin ab und kann bei Eiweißmangel zu niedrig oder bei Flüssigkeitsmangel zu hoch erscheinen. Das ionisierte Calcium misst nur den biologisch aktiven Anteil und zeigt, ob wirklich ein Überschuss oder Mangel besteht.

Welche Tumoren verursachen beim Hund eine Hyperkalzämie?

Am häufigsten das Lymphom, gefolgt vom Analbeutelkarzinom; seltener das multiple Myelom und Knochenmetastasen. Die Tumorzellen bilden meist ein PTH-ähnliches Eiweiß (PTHrP), das Calcium aus dem Knochen löst und die Niere Calcium zurückhalten lässt.

Was passiert, wenn bei meinem Hund ein Lymphom die Ursache ist?

Spricht das Lymphom auf die Behandlung an, fällt das Calcium in der Regel wieder ab und dient danach als Verlaufsmarker. Neben der Chemotherapie kann die dendritische Zelltherapie als immunologische Behandlung eingesetzt werden, die das Immunsystem gegen den Tumor aktiviert und die Lebensqualität des Hundes unterstützt.

Mein Hund hat ein niedriges Calcium, aber es geht ihm gut. Muss ich mir Sorgen machen?

Ein leicht erniedrigtes Gesamtcalcium beruht am häufigsten auf einem niedrigen Albumin und bedeutet keinen Calciummangel. Ein echter Mangel zeigt sich am ionisierten Calcium und macht sich durch Unruhe, Hecheln, Muskelzittern oder Krämpfe bemerkbar — dann ist rasches Handeln nötig.

Welche Untersuchungen folgen auf ein bestätigt erhöhtes Calcium?

Der Tierarzt bestimmt PTH, PTHrP und Vitamin-D-Stoffwechselprodukte aus derselben Probe, tastet Lymphknoten und Analbeutel ab, röntgt den Brustkorb und untersucht Bauch und Nebenschilddrüsen im Ultraschall. Bei Verdacht auf Morbus Addison folgt ein ACTH-Stimulationstest.

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