Globuline beim Hund
Bei den Globulinen beim Hund handelt es sich um eine große Gruppe von Bluteiweißen, die auf dem Befund als „Globulin”, „GLOB” oder „Glob.” erscheint und neben dem Albumin den zweiten Anteil des Gesamteiweißes bildet. Zu ihnen gehören Transport- und Entzündungseiweiße ebenso wie die Antikörper (Immunglobuline); die meisten Labore messen die Globuline nicht direkt, sondern errechnen sie als Differenz aus Gesamteiweiß und Albumin. Erhöhte Globuline zeigen eine anhaltende Auseinandersetzung des Immunsystems an — mit einem Erreger, mit dem eigenen Körper oder, seltener, mit einem Tumor. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
In der Serumeiweiß-Elektrophorese — einer Auftrennung der Eiweiße im elektrischen Feld nach Größe und Ladung — zerfallen die Globuline in drei Fraktionen:
- Alpha-Globuline — Akutphasenproteine wie Haptoglobin, deren Bildung bei akuter Entzündung innerhalb von Tagen ansteigt — ähnlich dem C-reaktiven Protein (Eckersall und Bell 2010).
- Beta-Globuline — Transporteiweiße wie Transferrin (Eisentransport), Bestandteile des Komplementsystems (einer Abwehrkaskade des Immunsystems) und ein Teil der Antikörper.
- Gamma-Globuline — die Immunglobuline, also die Antikörper der Klassen IgG, IgA und IgM, gebildet von Plasmazellen, den ausgereiften B-Lymphozyten.
Der Wert auf dem Befund fasst alle drei Fraktionen zusammen; die Elektrophorese zeigt, welche davon abweicht. Alpha-Globuline steigen bei akuter, Gamma-Globuline bei lang anhaltender Immunaktivierung. Beim Welpen sind die Globuline zunächst niedrig, weil er Antikörper nur über die Erstmilch (Kolostrum) erhält und die eigene Bildung über Monate heranreift. Bei Austrocknung steigen die Globuline wie alle Eiweiße mit an.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Eine Vermehrung der Globuline (Hyperglobulinämie) hat zwei Grundmuster, die die Elektrophorese unterscheidet. Bei der polyklonalen Gammopathie bilden viele verschiedene Plasmazellklone viele verschiedene Antikörper — in der Kurve entsteht ein breiter, flacher Hügel. Bei der monoklonalen Gammopathie stammt das vermehrte Eiweiß aus einem einzigen Zellklon — die Kurve zeigt einen schmalen, hohen Gipfel. Das erste Muster ist häufig und spricht für eine Reaktion, das zweite ist selten und spricht meist für einen Tumor.
Polyklonale Vermehrung, von häufig zu selten:
- Austrocknung — relative Erhöhung aller Eiweiße; Albumin und Hämatokrit steigen mit.
- Chronische Infektionen — vor allem die durch Zecken und Sandmücken übertragenen Erkrankungen Ehrlichiose, Anaplasmose und Leishmaniose, ferner Herzwurmbefall, bakterielle Herzklappenentzündung und chronische Haut- und Zahninfektionen.
- Chronische Entzündungen — chronisch-entzündliche Darmerkrankung (IBD), chronische Hepatitis, Zahnfleischentzündung.
- Immunerkrankungen — systemischer Lupus erythematodes (SLE), immunvermittelte Polyarthritis.
- Lebererkrankungen — bei eingeschränkter Leberfunktion regen Bestandteile von Darmbakterien das Immunsystem vermehrt an.
Monoklonale Vermehrung:
- Multiples Myelom — die häufigste Ursache eines monoklonalen Gipfels.
- B-Zell-Lymphom, chronische lymphatische Leukämie und einzelne Plasmazelltumoren außerhalb des Knochenmarks.
- Ehrlichiose, seltener Leishmaniose — nicht-tumoröse Ausnahmen, die vor einer Tumordiagnose ausgeschlossen werden müssen.
Steigt das Eiweiß im Blut stark an, wird das Blut zähflüssig (Hyperviskositätssyndrom): Nasenbluten, Netzhautblutungen mit Sehverlust, Taumeln, Krampfanfälle und eine Belastung des Herzens können die Folge sein — besonders bei den großen IgM-Molekülen.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Erniedrigte Globuline (Hypoglobulinämie) sind selten und meist gut erklärbar: bei Welpen, die noch kein Kolostrum aufgenommen haben oder deren eigene Antikörperbildung noch nicht ausgereift ist; bei Eiweißverlust über den Darm (Protein-losing Enteropathy) oder bei Blutverlust, wo die Globuline gemeinsam mit dem Albumin absinken; und in seltenen Fällen bei angeborenen Immundefekten mit fehlender Antikörperbildung und wiederkehrenden Infektionen. Ein leicht niedriger Globulinwert bei einem gesunden, erwachsenen Hund mit normalem Albumin ist in der Regel ohne Bedeutung.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
- Aufteilung und Kontrolle — Gesamteiweiß, Albumin, A/G-Quotient und Hämatokrit; Wiederholung nach Flüssigkeitsgabe oder nach einigen Wochen.
- Serumeiweiß-Elektrophorese — polyklonal oder monoklonal; der Schlüsselbefund für die weitere Abklärung.
- Infektionsdiagnostik — Antikörper- oder PCR-Nachweis von Ehrlichien, Anaplasmen und Leishmanien, besonders bei Hunden mit Auslandsaufenthalt oder Zeckenkontakt (siehe Zeckenbefall und Nierenprobleme).
- Entzündungs- und Immunmarker — C-reaktives Protein, Blutbild, bei Verdacht auf SLE der antinukleäre Antikörpertest (ANA).
- Urin — Urin-Protein-Kreatinin-Quotient, weil abgelagerte Immunkomplexe die Nierenkörperchen schädigen können, und bei monoklonalem Gipfel die Suche nach Bence-Jones-Proteinen (Antikörper-Bruchstücke, die die Niere passieren).
- Bei monoklonalem Gipfel zusätzlich — Röntgen des Skeletts nach Knochenherden, Calcium, das beim Myelom häufig ansteigt, Knochenmarkpunktion und Lymphknotenuntersuchung.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Der engste Zusammenhang besteht zum multiplen Myelom: Dabei vermehrt sich ein einziger Plasmazellklon im Knochenmark und schüttet ein gleichförmiges Antikörpereiweiß (Paraprotein) aus, das den monoklonalen Gipfel und häufig ein Hyperviskositätssyndrom verursacht. Die Diagnose stützt sich in der Regel auf mehrere Kriterien: monoklonale Gammopathie, Plasmazellvermehrung im Knochenmark, Knochenherde im Röntgenbild und Bence-Jones-Proteine im Urin (Vail et al. 2020). Ein monoklonaler Gipfel findet sich seltener auch beim Lymphom der B-Zellen und bei der chronischen lymphatischen Leukämie. Umgekehrt beweist ein polyklonaler Anstieg keinen Tumor — Infektionen und Immunerkrankungen sind hier weitaus häufiger. Unter einer Behandlung dienen die Globuline als Verlaufswert: Sinkt das Paraprotein, spricht der Tumor an. Neben der Chemotherapie kann bei Myelom und Lymphom auch die dendritische Zelltherapie eingesetzt werden, die das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen aktiviert.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Ein einzelner Globulinwert ist keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Erhöhte Globuline bedeuten zunächst nur, dass das Immunsystem Ihres Hundes seit längerem gefordert ist — und dafür gibt es weit mehr harmlose und behandelbare Gründe als bösartige. Die Elektrophorese und, wo nötig, die Infektionsdiagnostik zeigen die Richtung; der Verlauf über mehrere Wochen zählt mehr als der Einzelwert. Das Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt ordnet den Befund im Zusammenhang mit Vorgeschichte, Reisen und Zeckenkontakt ein.
Quellen
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Eckersall PD, Bell R (2010): Acute phase proteins: biomarkers of infection and inflammation in veterinary medicine, Vet J 185(1):23–27
- Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (2020): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th ed., Elsevier, St. Louis, MO
Häufige Fragen
Mein Hund hat erhöhte Globuline — was heißt das?
Erhöhte Globuline zeigen, dass das Immunsystem seit längerem gefordert ist. Am häufigsten stecken Austrocknung, chronische Infektionen wie Ehrlichiose oder Leishmaniose, chronische Entzündungen oder Immunerkrankungen dahinter; die Eiweiß-Elektrophorese zeigt, ob es sich um eine breite Reaktion oder um den seltenen schmalen Gipfel eines Tumors handelt.
Was ist der Unterschied zwischen polyklonal und monoklonal?
Polyklonal bedeutet, dass viele verschiedene Plasmazellen viele verschiedene Antikörper bilden — die Elektrophorese zeigt einen breiten Hügel, typisch für Infektion oder Entzündung. Monoklonal bedeutet, dass ein einziger Zellklon ein einziges Eiweiß in großer Menge bildet — ein schmaler, hoher Gipfel, der meist auf ein Myelom oder Lymphom hinweist.
Können Zecken erhöhte Globuline verursachen?
Ja. Die durch Zecken übertragene Ehrlichiose und Anaplasmose sowie die von Sandmücken übertragene Leishmaniose gehören zu den häufigsten Ursachen einer chronischen Globulinvermehrung; die Ehrlichiose kann sogar einen monoklonalen Gipfel erzeugen, der einem Tumor ähnelt. Deshalb werden diese Infektionen vor einer Tumordiagnose ausgeschlossen.
Was ist ein Hyperviskositätssyndrom?
Steigt das Eiweiß im Blut stark an, wird das Blut zähflüssig. Folgen können Nasenbluten, Netzhautblutungen mit Sehverlust, Taumeln, Krampfanfälle und eine Belastung des Herzens sein — vor allem beim Myelom und bei großen Antikörpermolekülen wie IgM.
Wenn es ein Myelom ist — wie geht es dann weiter?
Das multiple Myelom wird in der Regel mit Chemotherapie behandelt; ergänzend kann die dendritische Zelltherapie eingesetzt werden, die das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen aktiviert. Der Globulinwert dient dabei als Verlaufswert: Sinkt das Paraprotein, spricht der Tumor auf die Behandlung an.
Was bedeuten niedrige Globuline bei meinem Welpen?
Bei Welpen sind niedrige Globuline meist normal: Sie erhalten Antikörper zunächst nur über die Erstmilch (Kolostrum), und die eigene Antikörperbildung reift erst über Monate heran. Abklärungsbedürftig wird der Befund bei wiederkehrenden Infektionen oder wenn zugleich das Albumin erniedrigt ist, was auf einen Eiweißverlust über den Darm hindeutet.