CK (Kreatinkinase) beim Hund
Bei der CK (Kreatinkinase, auf älteren Befunden auch CPK für Kreatinphosphokinase) handelt es sich um ein Enzym, das vor allem in den Zellen der Skelett- und Herzmuskulatur vorkommt; ein erhöhter CK-Wert beim Hund zeigt an, dass Muskelzellen geschädigt wurden und ihr Inhalt ins Blut übergetreten ist. Auf Laborbefunden steht er als „CK”, „CK gesamt” oder „Kreatinkinase”, angegeben in U/l. Der Wert ist der empfindlichste Routineparameter für einen Muskelschaden — sagt aber nichts darüber, ob dieser harmlos oder krankhaft ist. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Die Kreatinkinase versorgt die Muskelzelle mit rasch verfügbarer Energie: Sie überträgt Phosphat von Kreatinphosphat auf ADP und stellt so ATP bereit, den Energieträger für jede Kontraktion. Das Enzym kommt in verschiedenen Formen (Isoenzymen) im Skelettmuskel, im Herzmuskel und im Gehirn vor; im Routinebefund wird die Gesamt-CK gemessen, die beim Hund praktisch vollständig aus der Skelettmuskulatur stammt. Wird die Membran einer Muskelzelle beschädigt, tritt CK aus und der Blutwert steigt innerhalb weniger Stunden an. Weil das Enzym im Blut nur eine kurze Halbwertszeit hat, fällt der Wert nach dem Ende der Schädigung ebenso rasch wieder ab — in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen. Die CK spiegelt deshalb einen aktuellen, nicht einen zurückliegenden Muskelschaden.
Einflussfaktoren gibt es viele: Eine intramuskuläre Injektion, starke Anstrengung, ein langer Transport, langes Liegen, ein Krampfanfall oder eine schwierige Blutentnahme mit mehrfachem Anstechen heben den Wert an, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Junge, wachsende Hunde haben tendenziell höhere Werte, und eine hämolytische Probe (zerfallene Blutzellen) kann die Messung stören.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Eine geringgradige CK-Erhöhung ist ein sehr häufiger Zufallsbefund und meist ohne Krankheitswert. Entscheidend sind die Höhe, die Dauer und die Frage, ob Ihr Hund Muskelschmerz, Schwäche oder Muskelschwund zeigt. Geordnet von häufig zu selten:
- Harmlose, vorübergehende Ursachen: Injektion in den Muskel, Anstrengung (Sport, Jagd), Transport, langes Liegen, Krampfanfall, schwierige Blutentnahme. Der Wert normalisiert sich nach ein bis zwei Tagen Ruhe.
- Trauma und Operation: Unfall, Quetschung, chirurgischer Eingriff, Hitzschlag; anhaltende Krampfanfälle (Status epilepticus) führen über die Dauerkontraktion zu deutlichen Erhöhungen.
- Immunvermittelte Muskelentzündung (Myositis): Bei der Polymyositis richtet sich das Immunsystem gegen die gesamte Skelettmuskulatur — Schwäche, steifer Gang, Muskelschmerz und Muskelschwund sind typisch, oft mit deutlich erhöhter CK; siehe Polyarthritis-Polymyositis-Syndrom des Hundes. Bei der Kaumuskelmyositis sind allein die Kaumuskeln betroffen; der Hund kann das Maul nicht mehr öffnen, die CK ist hier häufig nur mäßig erhöht.
- Infektiöse Myositis: Parasiten wie Neospora oder Toxoplasma sowie eine Leptospirose können die Muskulatur befallen.
- Muskeldystrophie: eine erbliche Erkrankung — beim Golden Retriever am besten beschrieben —, bei der ein Strukturprotein der Muskelzelle fehlt; die CK ist schon beim Welpen massiv erhöht.
- Durchblutungsstörung: Ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Thromboembolie) lässt die betroffene Muskulatur absterben.
- Schwere Schilddrüsenunterfunktion: kann eine milde Myopathie (Muskelschwäche) mit leicht erhöhter CK verursachen — siehe Schilddrüsenunterfunktion beim Hund.
Eine Herzmuskelschädigung erhöht die Gesamt-CK beim Hund nur wenig; hierfür wird das Herzmuskeleiweiß Troponin I gemessen.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Erniedrigte CK-Werte haben keine Bedeutung. Sie kommen bei Hunden mit geringer Muskulatur vor oder liegen schlicht am unteren Rand des Bereichs; eine Abklärung ist nicht erforderlich.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Der erste Schritt bei einer unerklärten Erhöhung ist die Wiederholung nach einigen Tagen Ruhe, ohne vorherige Injektion und mit schonender Blutentnahme. Bleibt der Wert erhöht, wird er mit dem Leberwert AST (GOT) zusammen betrachtet, denn dieses Enzym kommt in Leber und Muskel vor: Sind AST und CK erhöht, liegt die Ursache im Muskel; ist nur die AST erhöht bei normaler CK, spricht das eher für die Leber — dann helfen ALT und die übrigen Leberwerte weiter. Da die AST langsamer abfällt als die CK, kann sie einen wenige Tage zurückliegenden Muskelschaden noch anzeigen, wenn die CK schon wieder normal ist.
Bei Verdacht auf eine Muskelerkrankung folgen die Schilddrüsenwerte, eine Untersuchung des Urins auf Muskelfarbstoff (Myoglobin, das den Urin dunkel färbt), Antikörpertests — gegen Neospora und Toxoplasma sowie gegen die Kaumuskelfasern bei Kaumuskelmyositis — und bei anhaltender Schwäche eine Elektromyografie (Messung der elektrischen Muskelaktivität) sowie eine Muskelbiopsie, die eine Myositis oder Dystrophie sichert.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Für die Tumordiagnostik spielt die CK praktisch keine Rolle. Tumoren der Muskulatur sind beim Hund selten und lassen die CK nicht verlässlich ansteigen. Auch der Muskelabbau bei einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung (Tumorkachexie) verläuft langsam und ohne Zerstörung der Zellmembranen, sodass die CK dabei in der Regel normal bleibt. Eine Myositis als Begleiterscheinung eines Tumors (paraneoplastische Myositis) ist beim Hund nur in Einzelfällen beschrieben.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Eine leicht erhöhte CK bei einem Hund, der kurz zuvor eine Spritze bekommen hat, getobt hat oder eine lange Autofahrt hinter sich hat, ist kein Grund zur Sorge — der Wert erzählt in diesem Fall nur, was der Muskel in den letzten Stunden erlebt hat. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn der Wert wiederholt und ohne Erklärung erhöht ist oder Ihr Hund zugleich schwach, steif oder schmerzhaft wirkt. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Ihr behandelnder Tierarzt ordnet den Wert zusammen mit AST, Vorbericht und klinischem Bild ein.
Quellen
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart
- Kohn B, Schwarz G (Hrsg.) (2017): Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Enke, Stuttgart
Häufige Fragen
Mein Hund hat einen erhöhten CK-Wert. Ist das schlimm?
Meist nicht. Eine Injektion in den Muskel, Toben, eine lange Autofahrt, ein Krampfanfall oder eine schwierige Blutentnahme heben die CK vorübergehend an; nach ein bis zwei Tagen Ruhe ist der Wert in der Regel wieder normal. Abklärung braucht ein wiederholt erhöhter Wert ohne Erklärung oder ein Hund, der zugleich schwach, steif oder schmerzhaft ist.
Wie schnell normalisiert sich die CK beim Hund wieder?
Die CK steigt innerhalb weniger Stunden nach einer Muskelschädigung an und fällt wegen ihrer kurzen Halbwertszeit ebenso rasch wieder ab, in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen. Ein anhaltend hoher Wert bedeutet deshalb, dass die Schädigung weiter andauert.
Warum betrachtet der Tierarzt die CK zusammen mit der AST?
Die AST kommt in Leber und Muskel vor, die CK fast nur im Muskel. Sind beide erhöht, liegt die Ursache im Muskel; ist nur die AST erhöht bei normaler CK, spricht das eher für die Leber. Weil die AST langsamer abfällt, kann sie einen wenige Tage zurückliegenden Muskelschaden noch anzeigen.
Welche Muskelkrankheiten lassen die CK beim Hund stark ansteigen?
Deutliche Erhöhungen finden sich bei Trauma, bei immunvermittelter Polymyositis, bei infektiöser Myositis durch Neospora oder Toxoplasma, bei der erblichen Muskeldystrophie des Golden Retrievers und bei Durchblutungsstörungen der Muskulatur. Bei der Kaumuskelmyositis ist die CK dagegen häufig nur mäßig erhöht.
Zeigt die CK einen Herzschaden bei meinem Hund an?
Nur unzuverlässig, denn eine Herzmuskelschädigung erhöht die Gesamt-CK beim Hund kaum. Bei Verdacht auf eine Herzmuskelerkrankung wird das Herzmuskeleiweiß Troponin I gemessen.
Kann ein hoher CK-Wert auf einen Tumor hinweisen?
Praktisch nicht. Muskeltumoren sind beim Hund selten und lassen die CK nicht verlässlich ansteigen, und auch der Muskelabbau bei einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung verläuft ohne CK-Erhöhung. Eine tumorbedingte Muskelentzündung ist nur in Einzelfällen beschrieben.