Erhöhte Leberwerte beim Hund
Erhöhte Leberwerte beim Hund gehören zu den häufigsten Auffälligkeiten auf einem Laborbefund — und sie sind weit öfter Folge von Medikamenten, Alter, Hormonen oder Erkrankungen anderer Organe als Zeichen einer schweren Lebererkrankung. Unter dem Sammelbegriff „Leberwerte” fasst man mehrere Blutwerte zusammen, die ganz unterschiedliche Dinge messen: geschädigte Leberzellen, gestaute Galle oder die Leistung der Leber. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Welche Werte gehören zu den Leberwerten?
Die Leberwerte lassen sich in drei Gruppen einteilen; die Gruppe sagt bereits, welche Art von Störung vorliegt:
| Gruppe | Werte | Was sie anzeigen |
|---|---|---|
| Zellschadens-Enzyme | ALT, AST | Leberzellen werden geschädigt oder sterben ab |
| Cholestase-Enzyme | AP, GGT | Galle staut sich; Kortison wirkt auf die Leber |
| Funktionswerte | Bilirubin, Gallensäuren, Albumin, Harnstoff, Glukose, Cholesterin, Gerinnung | Wie gut die Leber verarbeitet, herstellt und ausscheidet |
ALT (früher GPT) und AST (früher GOT) sitzen im Inneren der Leberzellen und treten aus, wenn die Zelle geschädigt wird; die ALT ist beim Hund weitgehend leberspezifisch, die AST kommt auch in Muskulatur und roten Blutkörperchen vor. Ihre Höhe spiegelt die Zahl der geschädigten Zellen wider — nicht die Leberfunktion. AP und GGT werden dagegen vermehrt gebildet, wenn sich Galle staut (Cholestase) oder Kortison einwirkt; die AP stammt zusätzlich aus dem Knochen und ist der am häufigsten erhöhte, zugleich unspezifischste Leberwert. Bilirubin (der Gallenfarbstoff) und die Gallensäuren zeigen, ob die Leber aufnimmt und ausscheidet; Albumin, Harnstoff, Glukose, Cholesterin und Gerinnungsfaktoren werden in der Leber hergestellt. Erst diese Funktionswerte sagen, wie es um die Leistung der Leber steht.
Woran erkenne ich eine Lebererkrankung?
Die Leber besitzt eine große Reserve; viele Hunde mit erhöhten Leberwerten bleiben deshalb lange ohne Krankheitszeichen. Treten Symptome auf, sind sie zunächst unspezifisch:
- Durchfall und Erbrechen, oft wechselnd
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Trägheit und geringere Belastbarkeit
- vermehrtes Trinken und vermehrter Harnabsatz
Erst im weiteren Verlauf kommen leberspezifische Zeichen hinzu: Gelbsucht (Ikterus) an Schleimhäuten, Augenweiß und Haut, dunkler Urin, Bauchwasser (Aszites), Blutungsneigung sowie neurologische Zeichen wie Benommenheit oder Krämpfe — vor allem nach dem Fressen, wenn Giftstoffe aus dem Darm nicht mehr entgiftet werden (hepatische Enzephalopathie).
Erhöhte Leberwerte: häufige Ursachen
Von häufig zu selten kommen in Betracht:
- Medikamente: Kortison in jeder Form, Phenobarbital gegen Epilepsie, nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID), einige Chemotherapeutika.
- Altersveränderungen: knotige Umbauvorgänge (noduläre Hyperplasie) beim älteren Hund — meist ohne Krankheitswert.
- Hormonelle Erkrankungen: Cushing-Syndrom, Diabetes mellitus.
- Mitreaktion der Leber (reaktive Hepatopathie): bei Bauchspeicheldrüsenentzündung, Darmentzündung, Blutvergiftung, Herzschwäche.
- Erkrankungen der Gallenwege: Gallenblasenmukozele (Verschleimung der Gallenblase), Gallengangsverschluss.
- Chronische Hepatitis: eine anhaltende Leberentzündung, häufig immunvermittelt oder durch erbliche Kupferspeicherung bedingt.
- Infektionen und Gifte: Leptospirose; Xylit, Knollenblätterpilze, Paracetamol.
- Tumoren: Lebertumoren, Lebermetastasen, Infiltration durch ein Lymphom.
Welche Ursache wahrscheinlich ist, verrät oft schon das Muster: Steigen vor allem ALT und AST, liegt ein Zellschaden vor; steigen AP, GGT und Bilirubin gemeinsam, ein Gallestau; sind die Funktionswerte verändert, ist die Leistung der Leber betroffen.
Erniedrigte Werte: wenn die Leber nicht mehr genug herstellt
Bei den Leberwerten sind nicht die hohen, sondern die niedrigen Zahlen die ernsteren: Albumin, Harnstoff, Glukose, Cholesterin und die Gerinnungsfaktoren entstehen in der Leber und fallen erst ab, wenn ein großer Teil des funktionierenden Gewebes — nach Lehrbuchangaben etwa drei Viertel — ausgefallen ist. Zusammen mit erhöhten Gallensäuren sprechen sie für eine Leberinsuffizienz oder einen portosystemischen Shunt, eine Gefäßfehlbildung, bei der Blut aus dem Darm die Leber umgeht. Niedrige Enzymwerte haben dagegen keine Bedeutung.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Am Anfang stehen Vorgeschichte und Untersuchung: Medikamente, Gifte, Impfstatus, Rasse und Alter, dann Schleimhautfarbe und Bauch. Geringgradig erhöhte Enzyme bei einem Hund ohne Krankheitszeichen werden meist nach zwei bis vier Wochen nüchtern kontrolliert; erst wenn sie bleiben oder steigen, wird weiter gesucht — mit Funktionswerten, Blutbild und Urin, dem Gallensäuren-Stimulationstest (nüchtern und zwei Stunden nach einer Mahlzeit) und je nach Verdacht Tests auf Leptospirose oder Cushing. Die Ultraschalluntersuchung zeigt Leber, Gallenblase, Gallengänge und Bauchspeicheldrüse; die endgültige Diagnose sichert eine Leberbiopsie, deren Gewebe auch auf Kupfer geprüft wird.
Behandlung und Ernährung
Behandelt wird nicht der Wert, sondern die Ursache: Ein Medikament wird ersetzt, eine Infektion behandelt, ein Cushing eingestellt, ein Gallengangsverschluss operiert. Eine immunvermittelte Hepatitis erfordert das Immunsystem dämpfende Medikamente, eine Kupferspeicherung kupferbindende Wirkstoffe und kupferarme Ernährung; ergänzend werden häufig leberschützende Substanzen eingesetzt. Die Ernährung ist Teil der Behandlung: gut verdauliches, hochwertiges Eiweiß in angepasster Menge — nicht pauschal eiweißarm, denn die Leber braucht Bausteine für die Regeneration; reduziert wird Eiweiß nur bei hepatischer Enzephalopathie. Mehrere kleine Mahlzeiten entlasten die Leber; immer geht der Appetit vor einer strikten Diät. Verlauf und Behandlung im Einzelnen beschreibt die Seite Lebererkrankung beim Hund.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Erhöhte Leberwerte beweisen keinen Tumor, und Tumoren stehen in der Liste der Ursachen weit hinten. Ein Lebertumor zeigt sich im Blut oft nur durch mäßig erhöhte ALT und AP — die Funktionswerte bleiben lange normal, weil das Restgewebe die Arbeit übernimmt; Genaueres erklärt die Seite Blutwerte bei einem Lebertumor. Unter einer Chemotherapie dienen die Leberwerte zudem als Kontrollwerte.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Erhöhte Leberwerte sind ein Hinweis, keine Diagnose — und die Leber ist das Organ mit dem größten Regenerationsvermögen: Solange ihr Gerüst erhalten ist, kann sie verlorenes Gewebe nachbilden, weshalb viele Lebererkrankungen gut behandelbar sind und sich die Werte nach Beseitigung der Ursache oft erholen. Erst der narbige Umbau einer Zirrhose ist nicht mehr umkehrbar; deshalb lohnt sich die Abklärung anhaltend erhöhter Werte, auch wenn es Ihrem Hund gut geht. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor, maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund, der Verlauf zählt mehr als der Einzelwert, und das Gespräch mit Ihrem behandelnden Tierarzt ordnet die Werte ein.
Quellen
- Center SA (2007): Interpretation of liver enzymes, Vet Clin North Am Small Anim Pract 37(2):297–333
- Lawrence YA, Steiner JM (2017): Laboratory evaluation of the liver, Vet Clin North Am Small Anim Pract 47(3):539–553
- Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO
- Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart
- Kessler M (Hrsg.) (2022): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Thieme, Stuttgart
Häufige Fragen
Was bedeuten erhöhte Leberwerte bei meinem Hund?
Erhöhte Leberwerte zeigen, dass Leberzellen geschädigt werden (ALT, AST), dass sich Galle staut oder Kortison wirkt (AP, GGT) oder dass die Leber ihre Funktion nicht mehr erfüllt (Bilirubin, Gallensäuren). Sie sind ein Hinweis, keine Diagnose — und weit häufiger durch Medikamente, Alter, Hormone oder eine Mitreaktion bei anderen Erkrankungen bedingt als durch eine schwere Lebererkrankung.
Woran erkenne ich, dass mein Hund eine Lebererkrankung hat?
Die ersten Zeichen sind unspezifisch: wechselnder Durchfall und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Trägheit, Gewichtsverlust sowie vermehrtes Trinken und Harnen. Später kommen Gelbsucht an Schleimhäuten und Augenweiß, dunkler Urin, Bauchwasser und neurologische Zeichen wie Benommenheit oder Krämpfe nach dem Fressen hinzu; viele Hunde mit erhöhten Werten zeigen jedoch lange gar keine Symptome.
Welche Leberwerte untersucht der Tierarzt?
In der Regel die Enzyme ALT, AST, AP und GGT, das Bilirubin sowie die Funktionswerte Gallensäuren, Albumin, Harnstoff, Glukose, Cholesterin und die Gerinnung, ergänzt durch Blutbild und Urin. Der Gallensäuren-Stimulationstest mit einer Probe nüchtern und einer zwei Stunden nach der Mahlzeit prüft die Leberfunktion am empfindlichsten.
Wie werden erhöhte Leberwerte beim Hund behandelt?
Behandelt wird die Ursache: Ein belastendes Medikament wird ersetzt, eine Infektion behandelt, ein Cushing eingestellt, ein Gallengangsverschluss operiert, eine immunvermittelte Hepatitis mit entzündungshemmenden Medikamenten und eine Kupferspeicherung mit kupferbindenden Wirkstoffen und kupferarmer Ernährung. Ergänzend kommen leberschützende Substanzen und eine gut verdauliche Ernährung mit hochwertigem Eiweiß in mehreren kleinen Mahlzeiten zum Einsatz.
Können sich die Leberwerte meines Hundes wieder erholen?
Ja, in vielen Fällen. Die Leber besitzt ein hohes Regenerationsvermögen und kann verlorenes Gewebe nachbilden, solange ihr Gerüst erhalten ist; nach Beseitigung der Ursache normalisieren sich die Werte oft vollständig. Nur der narbige Umbau einer Zirrhose ist nicht mehr umkehrbar, weshalb anhaltend erhöhte Werte abgeklärt werden sollten.
Bedeuten erhöhte Leberwerte, dass mein Hund einen Tumor hat?
In den allermeisten Fällen nicht — Tumoren stehen in der Liste der Ursachen weit hinten. Ein Lebertumor zeigt sich im Blut oft nur durch mäßig erhöhte ALT und AP bei lange normalen Funktionswerten; die Abklärung erfolgt über Ultraschall und gegebenenfalls eine Gewebeprobe.