AST (GOT) beim Hund
Bei der AST (Aspartat-Aminotransferase, auf älteren Befunden GOT) handelt es sich um einen Blutwert, der beim Hund eine Schädigung von Leberzellen, Muskelzellen oder roten Blutkörperchen anzeigt. Anders als die ALT ist die AST also nicht leberspezifisch: Sie steigt ebenso, wenn Muskulatur verletzt wird oder rote Blutkörperchen zerfallen. Auf dem Laborbefund steht sie meist direkt unter der ALT, und genau in diesem Vergleich liegt ihr Nutzen — die AST hilft zu unterscheiden, ob ein erhöhtes Enzym aus der Leber oder aus dem Muskel stammt. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Die AST ist wie die ALT ein Enzym des Aminosäurestoffwechsels, kommt aber in vielen Geweben vor: in der Leber, in der Skelett- und Herzmuskulatur und in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). In der Leberzelle sitzt sie nicht nur im Zellplasma, sondern zu einem großen Teil in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Auch die AST ist ein sogenanntes Leckage-Enzym — sie tritt aus, wenn Zellen beschädigt werden oder absterben. Weil der mitochondriale Anteil erst bei schwererer Zellschädigung frei wird, gilt eine AST, die ähnlich hoch oder höher ist als die ALT, in der Literatur als Hinweis auf einen ausgeprägteren Zellschaden; dieser Schluss ist allerdings nur zulässig, wenn ein Muskelschaden ausgeschlossen wurde.
Die Halbwertszeit der AST im Blut des Hundes ist nach Literaturangaben deutlich kürzer als die der ALT — sie liegt im Bereich von Stunden, nicht von Tagen. Deshalb fällt die AST nach einem einmaligen Schaden rascher wieder ab, und eine anhaltend erhöhte AST spricht für eine fortdauernde Schädigung. Wichtige Einflussfaktoren sind starke körperliche Anstrengung, Injektionen in den Muskel, ein Krampfanfall oder längeres Liegen vor der Blutentnahme, weil dabei Muskelzellen leicht geschädigt werden. Der bedeutendste Störfaktor ist jedoch die Hämolyse: Zerfallen rote Blutkörperchen in der Probe — etwa bei schwieriger Blutentnahme oder langem Transport —, wird ihre AST freigesetzt, und der Wert steigt, ohne dass der Hund krank ist.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Bei der Deutung einer erhöhten AST lautet die Frage stets: Leber, Muskel oder Probe? Von häufig zu selten kommen in Betracht:
- Leberzellschaden: alle Ursachen, die auch die ALT erhöhen — Medikamente wie Phenobarbital und NSAID, Gifte, Sauerstoffmangel bei Herzschwäche oder Anämie, eine reaktive Hepatopathie (Mitreaktion der Leber bei Erkrankungen anderer Organe), chronische Hepatitis, Leptospirose, Lebertumoren. Typischerweise ist die ALT dann mindestens ebenso stark erhöht wie die AST.
- Muskelschaden: Trauma, Operation, Injektionen in den Muskel, ungewohnte starke Belastung, Krampfanfälle, eine Muskelentzündung (Myositis) — etwa im Rahmen des Polymyositis-Syndroms —, erbliche Muskelerkrankungen sowie Erkrankungen des Herzmuskels.
- Hämolyse: entweder als Artefakt in der Probe oder als Erkrankung, wenn rote Blutkörperchen im Körper zerstört werden, zum Beispiel bei der immunvermittelten hämolytischen Anämie.
- Medikamente: Kortison und Phenobarbital heben die AST meist nur geringgradig an.
Das entscheidende Werkzeug ist der Vergleich mit anderen Werten. Eine erhöhte AST bei normaler ALT spricht für den Muskel als Quelle; bestätigt wird das durch die Kreatinkinase (CK), ein Enzym, das fast ausschließlich im Muskel vorkommt. Da die CK nach Literaturangaben noch schneller aus dem Blut verschwindet als die AST, kann sie bei einem einige Tage zurückliegenden Muskelschaden bereits wieder normal sein, während die AST noch erhöht ist. Ist dagegen die ALT stärker erhöht als die AST und die CK unauffällig, liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Leber.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Eine AST unterhalb des Referenzbereichs hat beim Hund keine klinische Bedeutung. Sie beschreibt lediglich die untere Streubreite gesunder Tiere und bedarf keiner weiteren Abklärung.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Zuerst wird die Probe selbst beurteilt: Ein rötlich verfärbtes Serum verrät die Hämolyse, und die meisten Labore vermerken sie auf dem Befund. In diesem Fall wird die AST aus einer sorgfältig gewonnenen, rasch verarbeiteten Probe wiederholt. Dann werden ALT, CK, alkalische Phosphatase, GGT und Bilirubin gemeinsam betrachtet, um die Quelle einzugrenzen. Deutet alles auf den Muskel, folgen die Befragung zu Belastung und Injektionen, eine orthopädische und neurologische Untersuchung sowie eine Kontrolle nach einigen Tagen Ruhe; bleibt die CK hoch, kommen Untersuchungen auf eine Muskelentzündung bis hin zur Muskelbiopsie in Betracht. Weist das Muster auf die Leber, gilt dasselbe Vorgehen wie bei erhöhter ALT: Funktionswerte wie Gallensäuren und Albumin, ein Blutbild, die Ultraschalluntersuchung des Bauches und bei anhaltender Erhöhung eine Leberbiopsie. Die Seite Erhöhte Leberwerte beim Hund beschreibt dieses Vorgehen im Zusammenhang.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Für die Tumordiagnostik spielt die AST allein keine Rolle; sie ist weder ein Tumormarker noch für eine bestimmte Tumorerkrankung typisch. Bei Lebertumoren und Lebermetastasen steigt sie meist parallel zur ALT und in der Regel nur mäßig — Genaueres dazu erklärt die Seite Blutwerte bei einem Lebertumor. Tumoren der Muskulatur sind beim Hund selten und fallen eher durch eine Umfangsvermehrung auf als durch einen Laborwert.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Eine erhöhte AST allein ist keine Diagnose; sie erhält ihre Bedeutung erst im Vergleich mit ALT, CK und der Beschaffenheit der Probe. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor — maßgeblich ist der Bereich, der auf dem Befund Ihres Hundes gedruckt ist. Häufig erklärt sich eine mäßig erhöhte AST durch einen Muskelreiz oder eine hämolytische Probe und ist bei der Kontrolle verschwunden. Bleibt sie erhöht, zählt der Verlauf mehr als der Einzelwert, und das Gespräch mit Ihrem behandelnden Tierarzt ordnet den Befund im Zusammenhang mit der Untersuchung Ihres Hundes ein.
Quellen
- Center SA (2007): Interpretation of liver enzymes, Vet Clin North Am Small Anim Pract 37(2):297–333
- Lawrence YA, Steiner JM (2017): Laboratory evaluation of the liver, Vet Clin North Am Small Anim Pract 47(3):539–553
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
Häufige Fragen
Was bedeutet eine erhöhte AST bei meinem Hund?
Die AST steigt, wenn Leberzellen, Muskelzellen oder rote Blutkörperchen geschädigt werden — sie ist nicht leberspezifisch. Welche Quelle dahintersteckt, zeigt erst der Vergleich mit der ALT, der Kreatinkinase (CK) und der Beschaffenheit der Blutprobe.
Warum ist bei meinem Hund die AST erhöht, aber die ALT normal?
Dieses Muster spricht in der Regel für den Muskel als Quelle, etwa nach starker Belastung, einer Injektion, einem Krampfanfall oder bei einer Muskelentzündung. Bestätigt wird das durch die Kreatinkinase (CK), ein Enzym, das fast ausschließlich im Muskel vorkommt.
Kann die Blutprobe selbst den AST-Wert meines Hundes verfälschen?
Ja. Zerfallen rote Blutkörperchen in der Probe (Hämolyse), etwa bei schwieriger Blutentnahme oder langem Transport, wird ihre AST freigesetzt und der Wert steigt, ohne dass der Hund krank ist. Das Labor vermerkt eine Hämolyse meist auf dem Befund; der Wert wird dann aus einer neuen Probe wiederholt.
Ist eine erhöhte AST ein Zeichen für Krebs bei meinem Hund?
Nein, die AST ist kein Tumormarker und für keine Tumorerkrankung typisch. Bei Lebertumoren steigt sie meist nur mäßig und parallel zur ALT; die weitaus häufigeren Ursachen sind Muskelreize, Medikamente und eine hämolytische Probe.
Was untersucht der Tierarzt, wenn die AST meines Hundes erhöht ist?
Er prüft zunächst, ob die Probe hämolytisch war, und betrachtet ALT, CK, alkalische Phosphatase, GGT und Bilirubin gemeinsam. Weist das Muster auf den Muskel, folgen Befragung, Untersuchung und eine Kontrolle nach einigen Tagen Ruhe; weist es auf die Leber, werden Funktionswerte, Ultraschall und gegebenenfalls eine Leberbiopsie angeschlossen.