Monozyten beim Hund
Bei den Monozyten beim Hund handelt es sich um die größten weißen Blutkörperchen — die Vorstufen der Makrophagen, also der Fresszellen, die im Gewebe Erreger, Zelltrümmer und abgestorbenes Material beseitigen. Auf dem Laborbefund stehen sie als „Monozyten”, „Mono” oder „MONO”, als absolute Zahl je Liter Blut und als Prozentanteil der Leukozyten; auch hier zählt die absolute Zahl. Der Wert wird selten allein bewertet, sondern als Teil des Differenzialblutbilds gelesen. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Monozyten entstehen im Knochenmark und kreisen nur kurz im Blut, bevor sie ins Gewebe auswandern. Dort reifen sie zu Makrophagen heran — in der Leber als Kupffer-Zellen, in Lunge, Milz und Lymphknoten unter eigenen Namen — und bleiben Wochen bis Monate. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie nehmen Bakterien, Pilze und Zellreste in sich auf (Phagozytose), räumen abgestorbenes Gewebe ab, bauen alte rote Blutkörperchen ab und präsentieren den Lymphozyten Bruchstücke von Erregern, damit die spezifische Abwehr anlaufen kann. Wo Gewebe über längere Zeit gereizt, infiziert oder zerstört wird, werden Makrophagen gebraucht — und das Knochenmark liefert mehr Monozyten nach.
Die Zahl im Blut steigt deshalb vor allem bei anhaltenden Prozessen, nicht bei kurzen. Eine Besonderheit des Hundes: Das Stresshormon Kortisol — körpereigen oder als Kortison gegeben — erhöht die Monozyten, während es die Lymphozyten und Eosinophilen senkt; die Monozytose gehört beim Hund zum Stress-Leukogramm. Aufregung und Adrenalin haben dagegen wenig Einfluss auf den Wert.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Eine Vermehrung heißt Monozytose. Sie ist fast immer ein Begleitbefund. Ursachen, von häufig zu selten:
- Chronische Entzündung. Langwierige Infektionen der Haut, der Ohren, des Zahnfleischs oder innerer Organe, Pilzinfektionen und granulomatöse Entzündungen (bei denen der Körper einen Erreger oder Fremdkörper mit Makrophagen einmauert) sind die klassischen Auslöser.
- Stress und Kortison. Bei Krankheit, Schmerz, nach Operationen oder unter Kortison-Behandlung — zusammen mit erhöhten Neutrophilen, verminderten Lymphozyten und Eosinophilen. Beim Cushing-Syndrom, einer dauerhaften Überproduktion von Kortisol, ist das Muster anhaltend.
- Gewebeuntergang. Absterbendes Gewebe (Nekrose) nach Verletzungen, bei Durchblutungsstörungen oder im Inneren größerer Tumoren muss abgeräumt werden; dafür sind Makrophagen zuständig.
- Immunvermittelte Erkrankungen. Bei der immunvermittelten hämolytischen Anämie werden die zerstörten roten Blutkörperchen von Makrophagen abgebaut; eine Monozytose ist dort häufig, ebenso bei immunvermittelten Gelenkentzündungen.
- Ehrlichiose. Der durch Zecken übertragene Erreger Ehrlichia canis lebt in Monozyten; die Erkrankung gehört zu den Ursachen einer chronischen Entzündung, an die vor allem bei Hunden aus dem Mittelmeerraum gedacht wird — mehr dazu unter Zeckenbefall und Nierenprobleme.
- Monozytäre Leukämie. Sehr selten; dann finden sich sehr hohe Zahlen und unreife Vorstufen im Ausstrich.
Weil die Monozytose fast nie allein auftritt, sagt das Muster mehr als der Wert: Monozyten und Neutrophile erhöht, Lymphozyten vermindert — das spricht für Stress oder Kortison. Monozyten und Neutrophile erhöht bei erhöhtem CRP — das spricht für eine Entzündung, die meist schon länger besteht.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Eine Verminderung der Monozyten (Monozytopenie) hat beim Hund keine klinische Bedeutung. Weil die Zellen ohnehin nur in kleiner Zahl im Blut vorkommen, liegt der Wert bei gesunden Hunden häufig nahe null, und das Laborgerät zählt dann schlicht wenige Zellen. Ein niedriger Monozytenwert ist deshalb kein Anlass für weitere Untersuchungen — auch dann nicht, wenn er unter Chemotherapie mit den anderen Zellreihen absinkt.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Ein erhöhter Monozytenwert löst für sich genommen selten eine Untersuchung aus; er wird im Zusammenhang mit den Leukozyten, dem übrigen Differenzialblutbild und dem CRP gelesen. Passt das Muster zu Stress oder Kortison, genügt meist eine Kontrolle nach einigen Wochen oder nach dem Ende der Kortison-Gabe. Spricht es für eine chronische Entzündung, beginnt die Suche nach dem Herd: gründliche Untersuchung von Haut, Ohren, Zähnen und Gelenken, Ultraschall des Bauchraums, Röntgen des Brustkorbs, gegebenenfalls Urinuntersuchung und Erregertests auf Zeckeninfektionen. Bei sehr hohen Werten oder unreifen Zellen im Ausstrich folgt eine Knochenmarkuntersuchung.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Für die Tumordiagnostik spielt der Monozytenwert nur am Rande eine Rolle. Größere Tumoren mit abgestorbenen Anteilen können eine Monozytose auslösen, und viele Tumorpatienten zeigen wegen Krankheitsstress oder Kortison-Gabe ohnehin ein Stress-Leukogramm mit erhöhten Monozyten. Eine eigenständige Tumorerkrankung der Monozyten, die monozytäre Leukämie, ist beim Hund sehr selten und wird über Ausstrich und Knochenmark erkannt; die Seite Leukämie beim Hund beschreibt die verschiedenen Formen. Ein erhöhter Monozytenwert allein ist kein Grund, an einen Tumor zu denken.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Ein markierter Monozytenwert ist bei Ihrem Hund fast immer ein Nebenbefund. Meist sagt er, dass irgendwo eine Entzündung schon länger besteht oder dass der Körper unter Stress steht — beides lässt sich einordnen und angehen. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Der Verlauf und das Zusammenspiel mit den anderen Zellarten zählen mehr als der Einzelwert, und das Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt ordnet den Befund ein.
Quellen
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Childress MO (2012): Hematologic abnormalities in the small animal cancer patient, Vet Clin North Am Small Anim Pract 42(1):123–155
Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn die Monozyten bei meinem Hund erhöht sind?
Meist steckt eine Entzündung dahinter, die schon länger besteht, oder der Körper steht unter Stress — durch Krankheit, Schmerz oder eine Kortison-Behandlung. Seltener sind Gewebeuntergang, immunvermittelte Erkrankungen oder eine Zeckeninfektion wie die Ehrlichiose die Ursache.
Kann Kortison die Monozyten erhöhen?
Ja, das ist eine Besonderheit des Hundes: Kortisol beziehungsweise Kortison erhöht die Monozyten und Neutrophilen und senkt gleichzeitig Lymphozyten und Eosinophile. Dieses Muster heißt Stress-Leukogramm und bildet sich nach Ende der Kortison-Gabe zurück.
Mein Hund hat zu wenige Monozyten – ist das schlimm?
Nein. Monozyten kommen ohnehin nur in kleiner Zahl im Blut vor, und ein Wert nahe null ist bei gesunden Hunden häufig. Eine Verminderung hat keine klinische Bedeutung und ist kein Anlass für weitere Untersuchungen.
Sind erhöhte Monozyten ein Zeichen für Krebs?
In aller Regel nicht. Größere Tumoren mit abgestorbenem Gewebe können zwar eine Monozytose auslösen, und die sehr seltene monozytäre Leukämie zeigt sehr hohe Werte mit unreifen Zellen im Ausstrich — ein erhöhter Monozytenwert allein ist aber kein Grund, an einen Tumor zu denken.
Was untersucht der Tierarzt bei erhöhten Monozyten?
Er liest den Wert zusammen mit Leukozyten, Differenzialblutbild und CRP. Passt das Muster zu Stress, genügt meist eine Kontrolle; spricht es für eine chronische Entzündung, sucht er den Herd an Haut, Ohren, Zähnen und Gelenken sowie mit Ultraschall, Röntgen und gegebenenfalls Erregertests.