SDMA beim Hund

Bei SDMA beim Hund handelt es sich um das symmetrische Dimethylarginin, ein kleines Molekül aus dem Eiweißabbau, das fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird — und damit um einen Nierenwert, der einen Funktionsverlust früher anzeigt als das Kreatinin. Auf dem Laborbefund steht der Wert als SDMA, angegeben in µg/dl. Er wird seit einigen Jahren von vielen Labors routinemäßig mitbestimmt und hat die Einordnung der chronischen Nierenerkrankung beim Hund verändert. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.

Was misst der Wert?

SDMA entsteht, wenn Eiweiße abgebaut werden, in denen die Aminosäure Arginin zuvor methyliert — also mit zwei kleinen Methylgruppen versehen — wurde. Es wird in praktisch allen Körperzellen freigesetzt, in den Nierenkörperchen (Glomeruli) frei filtriert und kaum wieder aufgenommen oder abgebaut. Die Konzentration im Blut spiegelt deshalb, ähnlich wie das Kreatinin, die glomeruläre Filtrationsrate wider, also die Blutmenge, die die Nieren pro Minute reinigen.

Der entscheidende Unterschied zum Kreatinin: SDMA hängt nicht von der Muskelmasse ab. Ein alter, abgemagerter oder kachektischer Hund (mit krankheitsbedingtem Muskelschwund) hat ein niedriges Kreatinin, das eine Nierenschwäche verdecken kann; sein SDMA bleibt davon unberührt. Darüber hinaus reagiert SDMA früher. Während das Kreatinin nach Angaben der Literatur erst ansteigt, wenn etwa drei Viertel der Nierenfunktion verloren sind, zeigt SDMA einen Funktionsverlust bereits bei geringerer Einbuße an. Nabity et al. (2015) validierten den Test beim Hund und beschrieben bei Hunden mit einer erblichen Nierenerkrankung, dass SDMA eng mit der gemessenen Filtrationsrate zusammenhing und den Referenzbereich vor dem Kreatinin verließ. Hall et al. (2016) fanden bei Hunden mit natürlich entstandener chronischer Nierenerkrankung, dass SDMA im Mittel etliche Monate vor dem Kreatinin anstieg — mit großer Streuung von Hund zu Hund. Die Frühwarnfunktion gilt damit als gut belegt.

Wie das Kreatinin steigt SDMA auch bei Flüssigkeitsmangel, weil die Nieren dann vorübergehend weniger filtern. Fütterung und Tageszeit scheinen nach bisherigem Wissen eine geringe Rolle zu spielen; gemessen wird dennoch nüchtern, damit SDMA und Kreatinin aus derselben Probe vergleichbar bleiben. Ob andere Erkrankungen den Wert unabhängig von der Niere leicht anheben können, wird noch untersucht.

Erhöhte Werte: typische Ursachen

  • Chronische Nierenerkrankung: die häufigste Ursache eines anhaltend erhöhten Werts beim älteren Hund. Typisch ist die Konstellation, dass SDMA bereits erhöht ist, das Kreatinin aber noch im Referenzbereich liegt — ein frühes Stadium.
  • Flüssigkeitsmangel: nach Erbrechen, Durchfall, Fieber oder zu geringem Trinken; der Wert normalisiert sich nach Ausgleich in der Regel wieder.
  • Akute Nierenschädigung: durch Gifte (Weintrauben und Rosinen, Frostschutzmittel), Medikamente wie Schmerzmittel der Gruppe NSAID oder Infektionen wie die Leptospirose und durch Zecken übertragene Erreger.
  • Harnabflussstörung: Steine oder Umfangsvermehrungen in Harnröhre oder Blase, Blasenruptur.
  • Erbliche Nierenerkrankungen junger Hunde bestimmter Rassen, bei denen SDMA besonders früh auffällt; mehr dazu auf der Seite genetisch bedingte Glomerulopathien.

Die International Renal Interest Society (IRIS) gibt für die Bewertung eine klare Orientierung: Ein wiederholt über 14 µg/dl liegender SDMA-Wert spricht für eine eingeschränkte Nierenfunktion — auch dann, wenn das Kreatinin noch unauffällig ist. Für die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung nutzt IRIS SDMA-Schwellen parallel zum Kreatinin (Fassung von 2023):

IRIS-StadiumSDMA
Stadium 1< 18 µg/dl
Stadium 218–35 µg/dl
Stadium 336–54 µg/dl
Stadium 4> 54 µg/dl

Diese Einteilung gilt nur für einen stabilen, gut hydrierten Hund mit mindestens zweimal bestätigtem Wert. Ein einmalig leicht erhöhtes SDMA ist keine Diagnose, sondern ein Anlass, nach einigen Wochen erneut zu messen. Bei Hunden mit geringer Muskelmasse gilt das SDMA als der verlässlichere der beiden Nierenwerte.

Erniedrigte Werte: typische Ursachen

Ein niedriges SDMA hat keine klinische Bedeutung. Es besagt schlicht, dass die Nieren gut filtern; anders als das Kreatinin wird es nicht durch Muskelschwund oder Abmagerung nach unten gedrückt. Eine Deutung nach unten gibt es nicht.

Was der Tierarzt daraufhin meist prüft

  • Kontrolle: Wiederholung der Messung nach einigen Wochen, nüchtern und nach Ausgleich eines Flüssigkeitsmangels — erst ein bestätigter Wert zählt.
  • Die übrigen Nierenwerte: Kreatinin und Harnstoff zur Einordnung, Phosphat als Prognosefaktor, Kalium und der Hämatokrit, weil eine kranke Niere weniger blutbildendes Hormon bildet.
  • Urinuntersuchung: das spezifische Gewicht — kann die Niere den Urin noch konzentrieren? — und der Protein/Kreatinin-Quotient im Urin (UPC), der den Eiweißverlust über die Niere misst; beides gehört nach IRIS zur Unterteilung des Stadiums.
  • Blutdruck: Bluthochdruck begleitet Nierenerkrankungen häufig und beschleunigt ihr Fortschreiten.
  • Ultraschall der Nieren: Größe, Struktur, Steine, Umfangsvermehrungen; bei jungen Hunden der Blick auf erbliche Nierenerkrankungen, bei Infektionsverdacht ein Leptospirose-Test.

Bezug zu Tumorerkrankungen

Für die Tumordiagnostik spielt SDMA keine Rolle; es ist kein Tumormarker. Sein Nutzen für tumorkranke Hunde liegt an anderer Stelle: Viele Hunde mit fortgeschrittenem Tumorleiden verlieren Muskelmasse (Tumorkachexie), das Kreatinin sinkt und täuscht gesunde Nieren vor. SDMA bleibt davon unberührt und ist deshalb bei abgemagerten Tumorpatienten der verlässlichere Nierenwert — etwa vor einer Chemotherapie mit nierenbelastenden Wirkstoffen, deren Verträglichkeit auf der Seite Nebenwirkungen der Chemotherapie beschrieben ist, oder bei einer tumorbedingten Hyperkalzämie, die die Nieren schädigen kann.

Was bedeutet das für Ihren Hund?

Ein einzelner SDMA-Wert ist keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist. Ein leicht erhöhter Wert bei einem Hund, der gerade krank war oder wenig getrunken hat, normalisiert sich in vielen Fällen wieder. Bestätigt sich die Erhöhung, hat Ihr Hund einen Vorteil, den es früher nicht gab: Die Nierenschwäche wird in einem Stadium erkannt, in dem sich mit angepasster Fütterung und regelmäßigen Kontrollen ihr Fortschreiten in vielen Fällen verlangsamen lässt. Ihr Tierarzt ordnet den Wert im Zusammenhang mit Kreatinin, Urin und Blutdruck ein und bespricht mit Ihnen, wie eng Ihr Hund begleitet werden sollte.

Quellen

  • International Renal Interest Society (IRIS): IRIS Staging of CKD (modified 2023), www.iris-kidney.com
  • Nabity MB et al. (2015): Symmetric dimethylarginine assay validation, stability, and evaluation as a marker for the early detection of chronic kidney disease in dogs, J Vet Intern Med 29(4):1036–1044
  • Hall JA et al. (2016): Serum concentrations of symmetric dimethylarginine and creatinine in dogs with naturally occurring chronic kidney disease, J Vet Intern Med 30(3):794–802
  • Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO

Häufige Fragen

Was ist SDMA und warum wird es bei meinem Hund gemessen?

SDMA ist ein Abbauprodukt aus dem Eiweißstoffwechsel, das fast nur über die Nieren ausgeschieden wird; es zeigt einen Verlust an Nierenfunktion früher an als das Kreatinin und wird nicht durch die Muskelmasse verfälscht. Viele Labors bestimmen es deshalb routinemäßig mit, besonders bei älteren Hunden.

Mein Hund hat ein erhöhtes SDMA, aber das Kreatinin ist normal. Ist er nierenkrank?

Diese Konstellation ist typisch für ein frühes Stadium einer Nierenerkrankung, kann aber auch durch Flüssigkeitsmangel entstehen. Erst ein nach einigen Wochen bestätigter Wert zusammen mit Urinuntersuchung, Blutdruck und Ultraschall erlaubt die Einordnung.

Ab welchem SDMA-Wert gilt die Nierenfunktion als eingeschränkt?

Nach den Vorgaben der International Renal Interest Society spricht ein wiederholt über 14 µg/dl liegender Wert für eine eingeschränkte Nierenfunktion. Für die Stadieneinteilung gelten Schwellen von 18, 36 und 54 µg/dl, die nur für einen stabilen, gut hydrierten Hund mit bestätigtem Wert angewendet werden.

Kann ein erhöhtes SDMA wieder zurückgehen?

Ja. War die Ursache ein Flüssigkeitsmangel nach Erbrechen, Durchfall oder Fieber, normalisiert sich der Wert nach Ausgleich in der Regel wieder. Deshalb wird ein erhöhter Wert vor einer Diagnose immer nach einigen Wochen kontrolliert.

Ist ein niedriges SDMA bei meinem Hund schlimm?

Nein. Ein niedriger Wert bedeutet lediglich, dass die Nieren gut filtern; eine krankhafte Deutung nach unten gibt es nicht.

Warum ist SDMA bei tumorkranken Hunden besonders nützlich?

Hunde mit fortgeschrittenem Tumorleiden verlieren oft Muskelmasse, wodurch das Kreatinin sinkt und gesunde Nieren vortäuschen kann. SDMA ist davon unabhängig und zeigt die Nierenfunktion bei abgemagerten Hunden verlässlicher an — etwa vor einer Chemotherapie mit nierenbelastenden Wirkstoffen.

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