Tumorerkrankung
Wie schnell wächst ein Mastzelltumor beim Hund?
Wie schnell ein Mastzelltumor beim Hund wächst, lässt sich nicht allgemein beantworten: Die Wachstumsgeschwindigkeit ist von Tier zu Tier sehr unterschiedlich — und sie erlaubt für sich genommen keinen Rückschluss auf die Bösartigkeit. Beim Mastzelltumor beim Hund handelt es sich um den häufigsten bösartigen Hauttumor dieser Tierart; er geht aus entarteten Mastzellen hervor — Zellen, die im gesunden Gewebe an Abwehr-, Allergie- und Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Charakteristisch ist weniger ein gleichmäßiges Wachstum als vielmehr ein wechselhafter Verlauf: Der Knoten schwillt an und wieder ab.
Wie schnell wächst ein Mastzelltumor beim Hund?
Mastzelltumoren zeigen eine sehr unterschiedliche Wachstumsfrequenz: Manche Knoten bleiben über Monate nahezu unverändert, andere nehmen innerhalb weniger Wochen deutlich an Größe zu. Häufig verändert sich die Größe sogar in beide Richtungen — mal kleiner, mal größer, sodass der Eindruck eines besonders schnellen Wachstums entsteht.
Entscheidend ist dabei: Weder Tempo noch Aussehen noch Konsistenz lassen erkennen, wie bösartig ein Knoten ist. Grundsätzlich kann jede Hautveränderung beim Hund ein Mastzelltumor sein — das Erscheinungsbild reicht von kleinen Knötchen über teigige oder knorpelige Knoten bis hin zu nässenden, schlecht heilenden Wunden, behaart oder haarlos. Erschwerend verdeckt das Fell die Hautoberfläche, sodass Veränderungen oft spät auffallen; eine sichere Aussage erlaubt allein die zytologische oder histologische Untersuchung.
Warum schwillt der Knoten an und wieder ab?
Der wechselhafte Verlauf hat eine biologische Erklärung: Mastzellen speichern Granula (Speicherkörnchen), die Botenstoffe wie Histamin, Heparin und gewebeabbauende Enzyme enthalten. Werden diese Botenstoffe freigesetzt — man spricht von Degranulation, also der Entleerung dieser Speicherkörnchen —, kommt es im umgebenden Gewebe zu Rötung, Quaddelbildung und Schwellung. Diese Reaktion wird als Darier-Zeichen bezeichnet.
Ausgelöst werden kann sie bereits durch mechanischen Reiz. Daraus ergibt sich der wichtigste praktische Rat: Ein verdächtiger Knoten sollte nicht wiederholt betastet, gedrückt oder massiert werden. Das vermeintlich harmlose Kontrollieren kann die Schwellung verstärken und in seltenen Fällen systemische Beschwerden wie Erbrechen begünstigen — statt zu beobachten, sollte der Knoten zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.
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Welche Rolle spielt der Tumorgrad für das Wachstum?
Der wichtigste Einzelfaktor für das Wachstumsverhalten ist der Tumorgrad, also die feingewebliche Einstufung der Bösartigkeit. Gebräuchlich sind das dreistufige System nach Patnaik (Grad 1 bis 3) und das zweistufige System nach Kiupel (niedriggradig gegenüber hochgradig).
Mastzelltumoren des Grades 3 sind für ihr explosionsartiges Wachstum bekannt: Sie wachsen aggressiv und bilden rasch Metastasen, streuen also Tochtergeschwülste in andere Organe. Tumoren des Grades 1 und 2 können zwar ebenfalls kräftig wachsen, neigen aber deutlich weniger zur Metastasierung — angegeben werden für Grad 1 unter 10 %, für Grad 2 5 bis 22 %, für Grad 3 55 bis 95 %. Nach dem zweistufigen System liegt die mittlere Überlebenszeit bei niedriggradigen Tumoren über zwei Jahre, bei hochgradigen unter vier Monaten.
Der Grad wird allerdings am entfernten Gewebe bestimmt und nicht am Wachstumstempo abgeschätzt: Ein langsam wachsender Knoten kann sich histologisch als hochgradig erweisen — und umgekehrt.
Streut ein Mastzelltumor früh oder spät?
Das lässt sich nur gradabhängig beantworten. Niedriggradige Tumoren — Patnaik-Grad 1 und 2 — streuen in der Regel spät oder gar nicht; bei ihnen steht das örtliche Geschehen im Vordergrund. Hochgradige Tumoren und solche vom Grad 3 bilden dagegen rasch Metastasen. Die verbreitete Faustregel, Mastzelltumoren streuten grundsätzlich spät, gilt daher nur für den niedriggradigen Anteil.
Die Streuung erfolgt über die Lymphbahnen zunächst in die regionalen Lymphknoten, anschließend in Haut, Milz und Leber; die Lunge ist selten betroffen. Fernmetastasen ohne vorherigen Lymphknotenbefall sind nicht zu erwarten — deshalb gehört die Beurteilung der zugehörigen Lymphknoten zur Abklärung. Unabhängig davon wächst der Mastzelltumor lokal invasiv: Er infiltriert das umgebende Gewebe mit feinen Ausläufern, die weit über den tastbaren Rand hinausreichen können. Mehr dazu auf der Seite zu Metastasen beim Mastzelltumor.
Muss auch ein kleiner Mastzelltumor entfernt werden?
Ja — unabhängig vom Grad. Mastzelltumoren können über lange Zeit klein und reizlos bleiben und dann plötzlich anfangen zu wachsen und zu metastasieren. Der Zeitpunkt der Diagnose ist deshalb häufig entscheidend; die Größe eines Knotens ist kein Maß für seine Bösartigkeit. Hinzu kommt, dass etwa 11,6 % der betroffenen Hunde im Verlauf mehr als einen Mastzelltumor entwickeln — neu auftretende Knoten sollten daher ebenfalls abgeklärt werden.
Wie schnell muss ein Mastzelltumor behandelt werden?
Am Anfang steht die Feinnadelaspiration, also die Entnahme einiger Zellen mit einer sehr dünnen Nadel; die Probe wird anschließend mikroskopisch beurteilt. Bestätigt sich der Verdacht, sollte der Tumor zeitnah vollständig operativ entfernt werden — angestrebt werden ein seitlicher Sicherheitsabstand von 2 cm sowie eine unversehrte Faszienschicht in der Tiefe. Das verbessert die Prognose und senkt das Risiko eines Rezidivs, also des Wiederauftretens am selben Ort: Nach vollständiger Entfernung liegt die Rezidivrate bei niedriggradigen Tumoren bei 0 bis 4 %, bei hochgradigen bei etwa 36 %.
Lässt die Lokalisation keine ausreichenden Ränder zu oder war die Entfernung unvollständig, kommen ergänzend Strahlentherapie und medikamentöse Behandlung infrage — zugelassen sind die Tyrosinkinasehemmer Masitinib (Masivet®) und Toceranib (Palladia®).
Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Ergänzend zu Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung empfiehlt sich die dendritische Zelltherapie. Dabei werden dendritische Zellen — Zellen des Immunsystems, die dem Körper Tumormerkmale präsentieren — eingesetzt, um die Abwehr auf verbliebene Tumorzellen auszurichten. Als immunologische Nachbehandlung bietet sie sich vor allem dann an, wenn der Tumor nicht mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden konnte. Pantke et al. haben einen solchen Verlauf bei einem Mastzelltumor im Nasen-Rachen-Raum eines Schäferhundes dokumentiert: Resektion, kombiniert mit adjuvanter, also ergänzender dendritischer Zelltherapie. Erste eigene Ergebnisse liegen vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.
Weitere Seiten zum Thema
Vertiefend: Lebenserwartung beim Mastzelltumor, Mastzelltumor Grad 3 und Mastzelltumor am Bein.
Quelle
Pantke P, Söhl KO, Schwittlick U, Grammel ZM (2021): Chirurgische Resektion und adjuvante dendritische Zelltherapie eines nasopharyngealen Mastzelltumors bei einem Schäferhund, Kleintierpraxis 66, Heft 08/2021, 456–464
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Häufige Fragen
Wie schnell wächst ein Mastzelltumor beim Hund?
Die Wachstumsgeschwindigkeit ist von Tier zu Tier sehr unterschiedlich: Manche Knoten bleiben über Monate nahezu unverändert, andere nehmen innerhalb weniger Wochen deutlich an Größe zu. Häufig verändert sich die Größe sogar in beide Richtungen — mal kleiner, mal größer —, sodass der Eindruck eines besonders schnellen Wachstums entsteht. Das Tempo erlaubt für sich genommen keinen Rückschluss auf die Bösartigkeit.
Warum wird der Knoten mal größer und mal kleiner?
Mastzellen speichern Granula (Speicherkörnchen) mit Botenstoffen wie Histamin und Heparin. Werden diese freigesetzt — man spricht von Degranulation —, kommt es im umgebenden Gewebe zu Rötung, Quaddelbildung und Schwellung; diese Reaktion wird als Darier-Zeichen bezeichnet. Auslöser kann bereits ein mechanischer Reiz sein, weshalb ein verdächtiger Knoten nicht wiederholt betastet oder gedrückt, sondern zeitnah tierärztlich abgeklärt werden sollte.
Kann ich am Wachstum erkennen, ob der Tumor bösartig ist?
Nein — weder Tempo noch Aussehen noch Konsistenz lassen erkennen, wie bösartig ein Knoten ist. Der Tumorgrad wird am entfernten Gewebe bestimmt: Ein langsam wachsender Knoten kann sich histologisch als hochgradig erweisen, und umgekehrt. Eine sichere Aussage erlaubt allein die zytologische oder histologische Untersuchung.
Wie schnell streut ein Mastzelltumor?
Das lässt sich nur gradabhängig beantworten: Niedriggradige Tumoren (Patnaik-Grad 1 und 2) streuen in der Regel spät oder gar nicht, während hochgradige und Grad-3-Tumoren rasch Metastasen bilden — die Metastasierungsraten werden mit unter 10 Prozent für Grad 1, 5 bis 22 Prozent für Grad 2 und 55 bis 95 Prozent für Grad 3 angegeben. Die Streuung erfolgt über die Lymphbahnen zuerst in die regionalen Lymphknoten, danach in Haut, Milz und Leber; die Lunge ist selten betroffen.
Muss auch ein kleiner Mastzelltumor entfernt werden?
Ja, unabhängig vom Grad: Mastzelltumoren können über lange Zeit klein und reizlos bleiben und dann plötzlich anfangen zu wachsen und zu metastasieren — die Größe eines Knotens ist kein Maß für seine Bösartigkeit. Hinzu kommt, dass etwa 11,6 Prozent der betroffenen Hunde im Verlauf mehr als einen Mastzelltumor entwickeln; neu auftretende Knoten sollten daher ebenfalls abgeklärt werden.
Wie schnell muss ein Mastzelltumor behandelt werden?
Bestätigt die Feinnadelaspiration (Zellentnahme mit einer sehr dünnen Nadel) den Verdacht, sollte der Tumor zeitnah vollständig operativ entfernt werden — angestrebt werden seitlich 2 cm Sicherheitsabstand und eine unversehrte Faszienschicht in der Tiefe; nach vollständiger Entfernung liegt die Rezidivrate bei niedriggradigen Tumoren bei 0 bis 4 Prozent. Waren die Ränder unzureichend, kommen ergänzend Strahlentherapie und medikamentöse Behandlung infrage; zusätzlich kann die dendritische Zelltherapie als immunologische Nachbehandlung erwogen werden, bei der Zellen des Immunsystems die Abwehr auf verbliebene Tumorzellen ausrichten sollen. Kontrollierte Vergleichsstudien dazu stehen noch aus.