Inflammatory Bowel Disease des Hundes
Bei der Inflammatory Bowel Disease (IBD) handelt es sich um eine anhaltende Entzündung der Darmschleimhaut, die beim Hund die häufigste Ursache für chronisch wiederkehrenden Durchfall ist. In der Regel wird sie als IBD bezeichnet, wenn der Durchfall länger als drei Wochen anhält und eine Schleimhautentzündung feingeweblich nachgewiesen werden kann.
Der Magen-Darm-Trakt spielt eine besondere Rolle im Zusammenspiel zwischen den Immunreaktionen des Körpers, dem kommensalen Mikrobiom und eindringenden Krankheitserregern. Er enthält etwa 75 % aller lymphatischen Gewebe des Körpers. Diese kommen ständig mit der enormen Vielfalt fremder Antigene in Kontakt, die sowohl aus dem Mikrobiom als auch aus der Nahrung stammen. Störungen in diesem fein abgestimmten System können zur Entwicklung der IBD führen.
Warum der Darm ein Sonderfall ist
Das Immunsystem des Darms steht vor einer widersprüchlichen Aufgabe: Es muss auf alles Fremde reagieren können, vor allem auf Krankheitserreger, darf aber gerade nicht auf das reagieren, was ständig und in großen Mengen ankommt: Nahrungsbestandteile und die eigene Darmflora.
Deshalb verfügt der Magen-Darm-Trakt über zahlreiche regulatorische und toleranzfördernde Mechanismen. Sie stellen sicher, dass immunvermittelte Reaktionen auf diese Antigene entweder vollständig unterdrückt werden, wie bei den Reaktionen auf Nahrungsmittel, oder zumindest sorgfältig reguliert werden, wie bei den Reaktionen auf das Mikrobiom.
Genetische Veranlagungen für chronische Magen-Darm-Störungen wurden bei Hunden gefunden, zum Beispiel bei Französischen Bulldoggen und Zwergdackeln.
Wie orale Toleranz entsteht
Das Darmepithel besteht aus einer einzigen Schicht von Epithelzellen, die durch enge Verbindungsstellen — die tight junctions — miteinander verbunden sind. Zwischen diesen Zellen befinden sich zahlreiche Lymphozyten, dendritische Zellen und sekretorische Zellen wie die schleimproduzierenden Becherzellen. Regulatorische T-Zellen (Treg) sind in der Darmschleimhaut reichlich vorhanden, wo sie die Reaktionen auf die Mikrobiota und auf Nahrungsmittelantigene regulieren. Infolgedessen sind gesunde Tiere sehr tolerant gegenüber aufgenommenen Proteinantigenen.
Der Weg über die dendritischen Zellen: Spezialisierte antigenaufnehmende Zellen im Darmepithel, die Mikrofaltenzellen oder M-Zellen, fangen Nahrungsproteine auf und liefern Proben davon an dendritische Zellen. Diese können ihre Fortsätze auch selbst zwischen den Epithelzellen hindurchschieben und Nahrungsproteine direkt aus dem Darminneren aufnehmen. Anschließend transportieren sie das Aufgenommene zu den mesenterialen Lymphknoten oder zu den Peyerschen Platten. Dort produzieren sie unterdrückende Moleküle, die bewirken, dass sich alle reagierenden T-Zellen in regulatorische T-Zellen umwandeln. Diese wiederum geben unterdrückende Botenstoffe ab — Immunreaktionen gegen Nahrungsmittelantigene werden dadurch wirksam blockiert.
Auch die intraepithelialen Lymphozyten, vor allem T-Zellen, sind tolerant gegenüber Nahrungsmittel- und Kommensalantigenen und spielen eine wichtige Rolle bei der Verhinderung allergischer und entzündlicher Reaktionen im gesunden Darm.
Der Weg über die Tolerosomen: Ein zweiter Mechanismus der oralen Toleranz ist die Produktion von Tolerosomen: Es handelt sich um Exosomen, also winzige Bläschen, die von Darmzellen ausgeschieden werden. Sie tragen MHC-Klasse-II-Moleküle auf ihrer Oberfläche und können damit Peptide binden, die aus dem Darminneren stammen. Gereinigte Tolerosomen lösen bei Versuchstieren, denen sie verfüttert werden, eine Toleranz aus. Es wird vermutet, dass die Präsentation von Nahrungsmittelantigenen durch Tolerosomen selektiv die Bildung regulatorischer T-Zellen anstößt.
Toleranz ist umschaltbar: Wie andere T-Zellen sind auch die regulatorischen T-Zellen in ihrem Erscheinungsbild formbar. Wird der Darm von Krankheitserregern befallen, können diese Zellen ihren Typ wechseln, zu Effektorzellen werden und ihre Rolle bei der Verteidigung des Körpers übernehmen. Das kann zur Entwicklung einer immunvermittelten Entzündungskrankheit führen. Solange die Eindringlinge rasch beseitigt werden, bleibt diese Entzündung kurz. Bleibt der Erkrankungsdruck jedoch bestehen, hält auch die entzündliche Gewebereaktion an.
Genau hier liegt der Kern der IBD: nicht in einem Zuviel an Erregern, sondern in einer Toleranz, die nicht mehr zurückschaltet.
Das Mikrobiom und die gestörte Barriere
Eine wahrscheinliche Ursache der chronischen IBD ist die Entwicklung von Entzündungsreaktionen auf Antigene und Stoffwechselprodukte der Darmflora. Dieser Regulationsverlust kann durch eine Störung der Darmschleimhautbarriere ausgelöst werden, die den Antigenen einen verstärkten Zugang zu den lymphatischen Geweben des Darms verschafft. Die Verletzung der Barriere ist wahrscheinlich das Ergebnis einer Dysbiose, einer örtlichen Infektion der Schleimhaut und eines Zusammenbruchs der tight junctions zwischen den Epithelzellen.
Beim Menschen geht beispielsweise die Entzündung bei Colitis ulcerosa mit stark erhöhten Werten von antikommensalem IgG im Blutserum einher. Ist die Dichtigkeit der Epithelbarriere beeinträchtigt, können normalerweise harmlose Mitglieder des Mikrobioms die Darmwand durchdringen. Dabei umgehen sie die örtlichen Toleranzmechanismen, setzen Entzündungsreize und lösen Immunreaktionen aus.
Die Dysbiose, die eine IBD auslöst, kann viele Formen annehmen — eine Abnahme der mikrobiellen Vielfalt ebenso wie eine Zunahme entzündungsfördernder Keime. In vielen Fällen ist nicht bekannt, ob diese Veränderungen Ursache der Erkrankung oder Folge der chronischen Entzündung sind. Es wurde vorgeschlagen, dass einige krankmachende Mitglieder der Mikrobiota — sogenannte Pathobionten — die Entwicklung chronischer Veränderungen unmittelbar vorantreiben, indem sie örtliche Entzündungen hervorrufen. Möglicherweise werden diese Pathobionten normalerweise durch IgA-Reaktionen in Schach gehalten; ein Versagen dieser Reaktionen könnte dann Eindringen, Entzündung und Krankheitsentwicklung ermöglichen.
Interessanterweise greift IgA offenbar gezielt eine Untergruppe der Mikrobiota an — und zwar die am stärksten entzündungsfördernden Organismen. Bei einer IBD verändert sich die Zusammensetzung dieser IgA-beschichteten Untergruppe.
Einen Überblick darüber, was zum Mikrobiom von Darm, Mundhöhle und Haut bei Hund und Katze insgesamt bekannt ist und wie belastbar die Studienlage dazu ist, finden Sie auf der Seite Das Mikrobiom bei Hund und Katze.
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Veränderungen der B-Zellen
Der wichtigste schützende Antikörper, den B-Zellen im gesunden Darm produzieren, ist das Immunglobulin A (IgA). Es verhindert, dass sich potenzielle mikrobielle Eindringlinge an die Epithelzellen des Darms binden und diese durchdringen. Dieser Vorgang heißt Immunausschluss: Die Erreger werden von der Schleimhautoberfläche ferngehalten, ohne dass eine Entzündung nötig wäre.
Bei der IBD des Menschen und wahrscheinlich auch bei Tieren ist die IgA-Produktion vermindert, während die IgG-Produktion zunimmt. Dieses Überwiegen von IgG — einem Immunglobulin, das das Komplementsystem aktiviert — kann eine Entzündung in der Schleimhaut hervorrufen, insbesondere wenn die IgG-Bindung Makrophagen aktiviert, neutrophile Granulozyten anlockt und Th17-Reaktionen auslöst.
Ein Sonderfall ist der IgA-Mangel beim Deutschen Schäferhund. Fehlt IgA, können mikrobielle Antigene in das Darmgewebe eindringen und dort entzündliche Abwehrreaktionen hervorrufen. Bei dieser Rasse liegt der IBD also ein örtlicher Immundefekt zugrunde.
Antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (pANCA) wurden sowohl bei Menschen als auch bei Hunden mit chronischer Darmentzündung nachgewiesen. Bei Hunden mit nahrungsmittelbedingter Enteropathie weisen etwa zwei Drittel der Tiere pANCA auf, bei Hunden mit IBD dagegen nur etwa 25 %. Interessanterweise nahm die Zahl der pANCA-positiven IBD-Hunde nach einer Behandlung zu. Die Titer stimmen nicht mit den klinischen Aktivitätswerten überein, und es gibt keine Hinweise darauf, dass pANCA beim Hund selbst krankmachend sind.
Veränderungen der T-Zellen und der dendritischen Zellen
- T-Zellen: Eine Möglichkeit, T-Zellfunktionen zu regulieren, ist die gezielt eingesetzte Apoptose — der programmierte Zelltod. Unerwünschte T-Zellen werden abgetötet, während benötigte Zellen geschützt werden. Diese Regulierung ist zum Teil für die normalerweise bestehende Toleranz verantwortlich. Die Untersuchung von IBD-Läsionen bei Hunden deutet darauf hin, dass der Apoptoseweg fehlerhaft reguliert sein könnte.
- Dendritische Zellen: An IBD erkrankte Hunde haben im Vergleich zu gesunden Kontrolltieren eine geringere Anzahl dendritischer Zellen und Makrophagen in der Schleimhaut von Dünn- und Dickdarm. Da einige Untergruppen der dendritischen Zellen immunregulatorische Aufgaben erfüllen, ist es möglich, dass auch dieser Befund zur Krankheitsentstehung beiträgt.
Dieser Punkt ist behandlungsrelevant: Wenn ausgerechnet die Zellen fehlen, die im Darm für Toleranz sorgen, liegt ein Behandlungsansatz nahe, der genau dort ansetzt.
Anzeichen und betroffene Hunde
Betroffene Tiere entwickeln:
- anhaltendes oder wiederkehrendes Erbrechen
- anhaltenden oder wiederkehrenden Durchfall
- Gewichtsverlust
- Bauchwassersucht, also eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum
- Anämie, also Blutarmut
Die IBD entwickelt sich im Allgemeinen bei Tieren mittleren Alters; Hunde unter einem Jahr sind nur selten betroffen.
Eine offensichtliche geschlechtsspezifische Häufung besteht nicht. Bestimmte Rassen sind jedoch eindeutig prädisponiert:
- Basenji — lymphoproliferative Enteropathie
- Soft-Coated Wheaten Terrier — Proteinverlust-Enteropathie und -Nephropathie
- Boxer — histiozytäre ulzerative Kolitis
- Deutscher Schäferhund — im Zusammenhang mit dem IgA-Mangel
Besonders zu beachten ist der Eiweißverlust: Ein Hund mit angelaufenen Gliedmaßen, dickem Bauch oder auffälliger Mattigkeit hat unter Umständen bereits so viel Eiweiß über den Darm verloren, dass Flüssigkeit ins Gewebe austritt. Das ist kein Fall zum Abwarten.
IBD ist ein Krankheitskomplex
Bei der IBD des Hundes handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um einen Krankheitskomplex als Folge übermäßiger entzündlicher Prozesse im Darm. Zwar lassen sich anhand der feingeweblichen Merkmale Unterschiede erkennen, die zur Einteilung herangezogen werden können — eine endgültige Bestimmung der Ursache ermöglichen sie jedoch nur selten.
Vier Syndrome bilden dabei die Grundlage der IBD beim Hund:
- lymphoplasmazytische Kolitis
- eosinophile Kolitis
- histiozytäre ulzerative Kolitis
- regionale granulomatöse Kolitis
Das zelluläre Infiltrat in der Darmwand ist in der Regel gemischt. Zwei der auffälligsten Formen sind die lymphoplasmazytische Enteritis und die eosinophile Enteritis oder Gastroenteritis. Das lymphoplasmazytische Infiltrat, das sowohl bei Hunden als auch bei Katzen relativ häufig vorkommt, spricht für einen immunvermittelten Prozess. Ob sich die Immunreaktion gegen die Mikrobiota, gegen bestimmte Nahrungsmittel oder sogar gegen bisher unbekannte Autoantigene richtet, ist allerdings unklar.
Diese Erkrankungen sind nicht immer auf den Dickdarm beschränkt, sondern können auch den Dünndarm oder in einigen Fällen sogar den Magen betreffen. Auch ein nahrungsmittelbedingter Durchfall kann zum Syndrom gehören.
Zur Einschätzung des Schweregrads ist es gängige Praxis, klinische Bewertungssysteme zu verwenden — den Clinical Inflammatory Bowel Disease Activity Index (CIBDAI) oder den Canine Chronic Enteropathy Clinical Activity Index (CCECAI). Sie bieten eine objektive Bewertung des Zustands, sind für die Vorhersage des Verlaufs jedoch nur begrenzt nützlich.
Diagnose
Die Diagnose beruht in erster Linie auf der feingeweblichen Untersuchung der Veränderungen. Zuvor müssen unbedingt alle anderen Ursachen einer Darmentzündung ausgeschlossen werden:
- Infektionserreger
- Gifte
- Nahrungsmittelallergien
- Parasiten wie Giardien
Auch die seltenere Gluten-induzierte Enteropathie des Hundes gehört zu den Differenzialdiagnosen und sollte vor allem bei entsprechend veranlagten Rassen wie dem Irish Setter bedacht werden. Ebenso abzugrenzen sind die exokrine Pankreasinsuffizienz und der Morbus Addison, die beide ein IBD-ähnliches Bild erzeugen können.
- Blutuntersuchungen: Sie sollten die Leukozyten- und Thrombozytenzahl, das C-reaktive Protein (es kann bei der IBD des Hundes um das Tausendfache erhöht sein), das Serumalbumin (eine beträchtliche Zahl betroffener Hunde verliert Eiweiß und entwickelt eine Hypoalbuminämie) sowie Cobalamin und Folsäure umfassen.
- Kotmarker: Von neutrophilen Granulozyten stammende Proteine wie Calprotectin, das S100-Protein A12 und Lactoferrin können nützliche Daten liefern. Alle drei kommen normalerweise in den Neutrophilen vor und messen damit den Austritt von Entzündungszellen in den Darminhalt.
- Bildgebung und Endoskopie: Röntgen, Ultraschall und Endoskopie liefern weitere Informationen, etwa zu Veränderungen der Darmwanddicke.
- Biopsie: Der wirklich bestätigende Beweis ist die per Gewebeprobe nachgewiesene entzündliche Infiltration der Dick- und Dünndarmschleimhaut.
- Serologische Marker: Beim Menschen werden sie häufig verwendet; zunehmend kommen sie auch beim Hund zum Einsatz. Bei Menschen mit Colitis ulcerosa sind hohe pANCA-Titer zu 90 % spezifisch, wenn auch nicht sehr empfindlich. Bei Hunden wurden Enzymimmunoassays zum Nachweis von Antikörpern gegen neutrophile Granulozyten (APMNA), von caninem Calprotectin, von Gliadinen und von Escherichia coli outer membrane porin C (ompC) eingesetzt. Der Nachweis von pANCA ist beim Hund ebenfalls ein nützlicher diagnostischer Test, sofern verfügbar.
Behandlung
Da die Ursache weitgehend unbekannt ist, konzentrieren sich die Behandlungsstrategien darauf, die Darmentzündung zu verringern. Die Protokolle richten sich nach dem Schweregrad und folgen in der Regel einer Stufenfolge:
Stufe 1 — Ernährung: In vielen Fällen ist eine Ernährungsumstellung erfolgreich, etwa mit erhöhtem Ballaststoffgehalt, mit einer Eiweißquelle, die der Hund noch nie bekommen hat, oder mit einem Futter, dessen Eiweiß so weit aufgespalten ist, dass es das Immunsystem nicht mehr erkennt. Ein Diätversuch braucht Konsequenz: keine Leckerlis, kein Kauartikel, kein Tischabfall — sonst ist er nicht auswertbar.
Stufe 2 — Darmflora: Prä- und Probiotika sowie, in geeigneten Fällen, eine Antibiotikabehandlung können den Verlauf günstig beeinflussen. Ein Teil der Hunde spricht ausschließlich hierauf an.
Stufe 3 — Immunsuppression: Spricht ein Diätversuch nicht an, kann sich eine immunsuppressive Steroidbehandlung anschließen. Dass einige Fälle darauf positiv reagieren, ist zugleich ein Argument für eine immunologische Krankheitsentstehung. Bei unzureichendem Ansprechen kommen weitere Immunsuppressiva hinzu.
Begleitend: Ein Cobalaminmangel muss ausgeglichen werden — ohne Vitamin B12 erholt sich die Darmschleimhaut nicht. Bei Eiweißverlust ist zusätzlich an die Thrombosegefahr zu denken.
Immunologische Behandlung: Die IBD gehört zu den Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd — den Erkrankungen, bei denen die Immunreaktion fehlgeleitet ist. Ergänzend zur immunsuppressiven Behandlung kommt deshalb die dendritische Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen in Betracht, die auf eine Normalisierung der Immunreaktion zielt und mit der bestehenden Medikation kombiniert werden kann. Sie ist bei dieser Erkrankung besonders naheliegend: Im Darm entscheiden gerade die dendritischen Zellen darüber, ob ein Antigen toleriert oder bekämpft wird — und ausgerechnet sie sind bei IBD-Hunden in der Schleimhaut vermindert.
Fütterung und Alltag
- eine Futterlinie konsequent durchziehen — Wechsel alle paar Tage machen jede Beurteilung unmöglich
- Diättagebuch führen — Futter, Kotbeschaffenheit, Erbrechen, Gewicht; es zeigt Zusammenhänge, die im Alltag untergehen
- Gewicht wöchentlich notieren
- kleine, häufige Mahlzeiten entlasten den Darm
- Medikamente nicht eigenmächtig absetzen wenn es besser wird — Rückfälle folgen meist auf abruptes Absetzen
- Kontrollen einhalten — Albumin, Cobalamin, Gewicht
- Stress reduzieren — er wirkt über die Darm-Hirn-Achse messbar auf die Beschwerden
Eine IBD ist für Halter zermürbend: Es dauert oft Monate bis zur Diagnose und der Weg über Diätversuche verlangt Disziplin — Rückschläge gehören dazu. Was tröstlich ist: Die meisten dieser Hunde lassen sich am Ende gut einstellen und führen ein normales Leben. Was Sie dafür beitragen — die konsequente Fütterung und das genaue Beobachten — ist genau der Teil, den keine Praxis übernehmen kann.
Quellen
- Tizard IR (2023): Canine Inflammatory Bowel Disease. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO, S. 243–247
- Jergens AD et al. (2003): A scoring index for disease activity in canine inflammatory bowel disease. Journal of Veterinary Internal Medicine. DOI: 10.1111/j.1939-1676.2003.tb02450.x
- Washabau RJ, Day MJ (Hrsg.) (2013): Canine and Feline Gastroenterology. Elsevier, St. Louis, MO
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Was ist eine Inflammatory Bowel Disease (IBD) beim Hund?
Die IBD ist die häufigste Ursache für chronisch wiederkehrenden Durchfall beim Hund. Von einer IBD spricht man in der Regel, wenn der Durchfall länger als drei Wochen anhält und eine Schleimhautentzündung histologisch (also feingeweblich) nachgewiesen werden kann. Sehr wahrscheinlich handelt es sich nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um einen Krankheitskomplex infolge übermäßiger entzündlicher Prozesse im Darm.
Woran erkenne ich eine IBD bei meinem Hund?
Betroffene Tiere zeigen anhaltendes oder wiederkehrendes Erbrechen und Durchfall. Als sekundäre Folgen können Gewichtsverlust, Bauchwassersucht (Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum) und eine Anämie (Blutarmut) hinzukommen. Die IBD entwickelt sich im Allgemeinen bei Tieren mittleren Alters; Hunde unter einem Jahr sind nur selten betroffen.
Welche Ursachen hat die IBD des Hundes?
Die genaue Ursache ist noch weitgehend unbekannt. Als wahrscheinlich gilt eine fehlgeleitete Entzündungsreaktion auf Antigene der Darmflora (Mikrobiom), ausgelöst etwa durch eine gestörte Darmschleimhautbarriere oder eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Darmbakterien. Auch genetische Veranlagungen wurden gefunden, zum Beispiel bei Französischen Bulldoggen und Zwergdackeln; bei Deutschen Schäferhunden kann ein IgA-Mangel, das heißt das Fehlen eines schützenden Schleimhaut-Antikörpers, eine Rolle spielen.
Welche Hunderassen sind besonders anfällig für IBD?
Bestimmte Rassen sind eindeutig prädisponiert, also besonders anfällig. So tritt die lymphoproliferative Enteropathie bei Basenjis auf, die Proteinverlust-Enteropathie und Nephropathie bei Soft-Coated Wheaten Terriern und die histiozytäre ulzerative Kolitis bei Boxern. Eine offensichtliche geschlechtsspezifische Häufung gibt es dagegen nicht.
Wie wird eine IBD beim Hund diagnostiziert?
Zunächst müssen alle anderen Ursachen einer Darmentzündung ausgeschlossen werden, etwa Infektionserreger, Gifte, Nahrungsmittelallergien oder Parasiten wie Giardien. Blutuntersuchungen (unter anderem Leukozyten, Thrombozyten, C-reaktives Protein und Albumin), Kotmarker wie Calprotectin sowie Röntgen, Ultraschall und Endoskopie liefern weitere Hinweise. Der bestätigende Beweis ist die per Biopsie (Gewebeprobe) nachgewiesene entzündliche Infiltration der Darmschleimhaut.
Wie wird die IBD beim Hund behandelt?
Da die Ursache weitgehend unbekannt ist, zielt die Behandlung darauf, die Darmentzündung zu verringern. In vielen Fällen kann eine Ernährungsumstellung, etwa mit erhöhtem Ballaststoffgehalt, der Einsatz von Prä- und Probiotika oder eine Antibiotikabehandlung erfolgreich sein. Spricht ein Diätversuch nicht an, kann sich eine immunsuppressive Steroidbehandlung anschließen, also die Dämpfung der überschießenden Immunreaktion mit Kortison; auch eine immunologische Therapie erzielt interessante Behandlungsergebnisse.