Orale Tumoren bei Hund und Katze
Orale Tumoren — also Tumoren der Maulhöhle — machen beim Hund etwa 6 bis 7 % aller Tumorerkrankungen aus; die Maulhöhle ist damit die vierthäufigste Tumorlokalisation des Hundes. Bei der Katze entfallen etwa 3 % aller Tumoren auf die Maulhöhle. Rüden sind etwas häufiger betroffen als Hündinnen. Diese Seite stellt die wichtigsten oralen Tumorarten beider Tierarten mit ihren Kennzahlen gegenüber; die ausführliche Darstellung für den Hund findet sich auf der Seite zum Maulhöhlentumor beim Hund, für die Katze auf der Seite zum Maultumor bei der Katze.
Beim Hund sind die häufigsten bösartigen Formen das maligne Melanom, das Plattenepithelkarzinom und das Fibrosarkom; bei der Katze führt das Plattenepithelkarzinom mit weitem Abstand, gefolgt vom Fibrosarkom. Daneben wird eine weite Spanne seltenerer Tumorarten in der Maulhöhle beobachtet, unter anderem Osteosarkom, Chondrosarkom, Hämangiosarkom, Lymphom und Mastzelltumor.
- Kennzahlen der oralen Tumoren beim Hund
- Kennzahlen der oralen Tumoren bei der Katze
- Anzeichen eines oralen Tumors
- Einteilung der klinischen Stadien (TNM)
- Behandlung
- Quellen
Kennzahlen der oralen Tumoren beim Hund
Die Zusammenstellung folgt der Übersicht nach Liptak (Withrow & MacEwen’s, 6. Auflage); die Überlebenszeiten gelten für die chirurgische Behandlung:
| Malignes Melanom | Plattenepithelkarzinom | Fibrosarkom | Ameloblastom | |
|---|---|---|---|---|
| Häufigkeit an ges. Oraltumoren | 30 - 40 % | 17 bis 25 % | 8 - 25 % | 5 % |
| Mittl. Alter bei Erkrankung | 11 - 12 | 8 bis 10 | 7 - 9 | keine Häufung |
| Prädisposition Geschlecht | keine | keine | männlich | keine |
| Größe d. Tieres | Kleinere Rassen | Große Rassen | Große Rassen | keine |
| Bevorzugte Lokalisation | Schleimhaut im Lippen-, Backen- und Zahnhalsbereich | Vorderer Unterkiefer | Oberkiefer im Zahn- und harten Gaumenbereich | Unterkiefer vorne |
| Lymphknotenmetastasen | Oft (41-74 %) | Seltener (≤ 40 %) | Gelegentlich (9 - 28 %) | keine |
| Entfernte Metastasen | Oft (14 - 92 %) | selten | Gelegentlich | keine |
| Aussehen | Pigmentiert (67 %), amelanotisch (33 %), ulzeriert | Rot, blumenkohlartig, ulzeriert | Flach, hart, ulzeriert | Rot, blumenkohlartig, ulzeriert |
| Knochenbeteiligung | Oft (57 %) | Sehr oft (77 %) | Oft (60-72 %) | Fast immer |
| Lokales Wiederauftreten | Bis 59 % | Bis 50 % | 31 - 60 % | Bis 11 % |
| Medianes Überleben nach Chirurgie | 5 bis 17 Monate | 9 bis 26 Monate | 10 bis 12 Monate | 28 bis 64 Monate |
| 1-Jahres-Überlebensrate | 21 bis 35 % | 57 bis 91 % | 21 bis 50 % | 72 bis 100 % |
| Strahlenempfindlichkeit | gut | gut | gering | exzellent |
Zu den einzelnen Tumorarten informieren die verlinkten Seiten; das gutartige, aber lokal aggressive Ameloblastom hat eine eigene Seite. Zu Tumoren der Zunge siehe die Seite zum Zungentumor beim Hund, zu Tumoren der Tonsillen die Seite zu den Mandeln.
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Kennzahlen der oralen Tumoren bei der Katze
| Plattenepithelkarzinom | Fibrosarkom | |
|---|---|---|
| Häufigkeit an ges. Oraltumoren | 70 bis 80 % | 13 bis 17 % |
| Mittl. Alter bei Erkrankung | 10 bis 12 Jahre | 10 Jahre |
| Prädisposition Geschlecht | keine | keine |
| Bevorzugte Lokalisation | Zunge, Kehlkopf, Mandelbereich | Schleimhaut Zahnbereich |
| Lymphknotenmetastasen | selten | selten |
| Entfernte Metastasen | selten | selten |
| Aussehen des Tumors | Geschwollen, ulzeriert | fest |
| Knochenbeteiligung | Normalerweise immer | Normalerweise immer |
| Medianes Überleben | um 100 Tage | — |
| 1-Jahres-Überlebensrate | Weniger als 10 % | — |
| Strahlenempfindlichkeit | schlecht | schlecht |
Das orale Plattenepithelkarzinom der Katze gehört damit zu den prognostisch ungünstigsten Tumoren überhaupt; die Behandlung bleibt schwierig. Interessant ist — in Analogie zur Humanmedizin — die Frage, welche Rolle Papillomvirusinfektionen bei seiner Entstehung spielen; sie wird in der Forschung als Hypothese diskutiert (Altamura und Borzacchiello 2023).
Anzeichen eines oralen Tumors
Meist bemerkt der Besitzer Schwellungen der Mundschleimhaut, der Mundwinkel oder rund um die Zähne; Tumoren im hinteren Maul- und Rachenbereich fallen dagegen oft erst spät auf. Warnzeichen sind:
- sichtbare Anschwellungen oder Zubildungen im Mundbereich
- vermehrter Speichelfluss, Blutungen aus dem Maul, Nasenbluten
- (zum Teil starker) Mundgeruch
- Schmerzen bei der Futteraufnahme, Futterverweigerung, Schluckbeschwerden
- Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Öffnen des Mauls
- Vorquellen eines Auges (Exophthalmus) oder Anschwellungen im Gesichtsbereich
- lockere Zähne bei eigentlich zahngesunden Tieren
Die genaue Untersuchung der Mundhöhle erfolgt in der Regel in Narkose. Neben Zahnröntgen ist häufig eine Computertomographie (CT) angezeigt, um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen. Gewebeproben klären die Tumorart und legen damit die Behandlung fest.
Einteilung der klinischen Stadien (TNM)
1. Primärtumor (T)
| Tis | Tumor in situ |
| T1 | ≤ 2 cm Durchmesser an dickster Stelle |
| T1a | Ohne Knochenbeteiligung |
| T1b | Mit Nachweis der Knochenbeteiligung |
| T2 | 2 bis 4 cm Durchmesser an dickster Stelle |
| T2a | Ohne Knochenbeteiligung |
| T2b | Mit Nachweis der Knochenbeteiligung |
| T3 | ≥ 4 cm Durchmesser an dickster Stelle |
| T3a | Ohne Knochenbeteiligung |
| T3b | Mit Nachweis der Knochenbeteiligung |
2. Regionale Lymphknoten (N)
| N0 | Keine regionalen Lymphknotenmetastasen |
| N1 | Verschiebliche Lymphknotenvergrößerung auf der erkrankten Körperseite |
| N1a | Kein Hinweis auf Lymphknotenmetastase |
| N1b | Hinweis auf Lymphknotenmetastase |
| N2 | Verschieblicher Lymphknoten auf der anderen Körperseite |
| N2a | Kein Hinweis auf Lymphknotenmetastase |
| N2b | Hinweis auf Lymphknotenmetastase |
| N3 | Lymphknoten nicht mehr verschieblich |
3. Fernmetastasen (M)
| M0 | Keine Fernmetastasen |
| M1 | Fernmetastasen gefunden |
Daraus ergibt sich die Stadieneinteilung:
| Stadium | Tumor (T) | Lymphknoten (N) | Metastasen (M) |
|---|---|---|---|
| I | T1 | N0, N1a, N2a | M0 |
| II | T2 | N0, N1a, N2a | M0 |
| III | T3 | N0, N1a, N2a | M0 |
| IV | T1 - 3 T1 - 3 T1 - 3 | N1b N2b N0 - 3 | M0 M0 M1 |
Behandlung
Für Behandlung und Prognose ist entscheidend, das Ausmaß der Erkrankung früh zu erkennen — deshalb sollte schon bei Verdachtsfällen konsequent abgeklärt werden. Grundlage der Behandlung ist bei fast allen oralen Tumoren die chirurgische Entfernung; je nach Tumorart kommen Strahlentherapie und Elektrochemotherapie hinzu, während die klassische Chemotherapie eine untergeordnete Rolle spielt. Ergänzend kann nach der Operation die dendritische Zelltherapie eingesetzt werden, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit bei oralen Tumoren liegen bislang nicht vor.
Quellen
- Liptak JM (2020): Oral Tumors, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 432–448
- Cray M, Selmic LE, Ruple A (2020): Demographics of dogs and cats with oral tumors presenting to teaching hospitals: 1996–2017, J Vet Sci 21(5):e70, doi: 10.4142/jvs.2020.21.e70
- Goldschmidt S et al. (2023): The diagnostic yield of preoperative screening for oral cancer in dogs over 15 years, part 1 and part 2, J Am Vet Med Assoc 261(S2), doi: 10.2460/javma.23.05.0299 und 10.2460/javma.23.05.0300
- Altamura G, Borzacchiello G (2023): Feline oral squamous cell carcinoma and Felis catus papillomavirus: is it time to walk the path of human oncology?, Front Vet Sci 10:1148673, doi: 10.3389/fvets.2023.1148673
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