Alkalische Phosphatase (AP) beim Hund

Bei der alkalischen Phosphatase (AP, auf Laborbefunden auch ALP oder ALKP) handelt es sich um den Leberwert, der beim Hund am häufigsten erhöht ist — und zugleich um den, der am seltensten eine ernste Lebererkrankung bedeutet. Das Enzym stammt nämlich nicht nur aus der Leber, sondern auch aus dem Knochen, und es wird beim Hund durch Kortison angeregt, ob als Medikament gegeben oder vom Körper selbst gebildet. Eine erhöhte alkalische Phosphatase beim Hund ist deshalb ein häufiger, in vielen Fällen harmloser, aber immer erklärungsbedürftiger Befund. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.

Was misst der Wert?

Die alkalische Phosphatase ist ein Enzym, das an Zellmembranen verankert ist — unter anderem an der gallenseitigen Membran der Leberzellen, in den knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) sowie in Darm, Niere und Plazenta. Im Blut des Hundes finden sich im Wesentlichen drei Formen, sogenannte Isoenzyme: die Leber-AP, die Knochen-AP und eine kortisoninduzierte AP, die es in dieser Form nur beim Hund gibt. Die Darm- und Nierenform hat eine Halbwertszeit von Minuten und trägt zum Blutwert praktisch nichts bei.

Anders als ALT und AST ist die AP kein Leckage-Enzym, sondern ein Induktionsenzym: Sie steigt nicht, weil Zellen zerfallen, sondern weil die Zellen mehr davon herstellen — bei einem Gallestau (Cholestase), unter Kortison oder bei gesteigertem Knochenumbau. Daraus ergibt sich ihr träges Verhalten: Der Anstieg setzt mit einer Verzögerung von Tagen ein, und nach Wegfall der Ursache dauert es nach Literaturangaben Wochen, bis der Wert wieder abfällt. Wichtige Einflussfaktoren sind das Alter — junge Hunde im Wachstum haben durch die Knochen-AP physiologisch deutlich höhere Werte, bei großen Rassen bis über das erste Lebensjahr hinaus — sowie Medikamente: Kortison in jeder Form, also auch als Augentropfen, Ohrentropfen oder Hautsalbe, und Phenobarbital. Beim Scottish Terrier ist eine familiär gehäufte Erhöhung der AP ohne Krankheitswert beschrieben. Fütterung und Hämolyse spielen kaum eine Rolle.

Erhöhte Werte: typische Ursachen

Bei der AP lautet die entscheidende Frage nicht „wie hoch”, sondern „woher”. Von häufig zu selten kommen in Betracht:

  • Kortison: als Medikament oder körpereigen beim Cushing-Syndrom, einer Überfunktion der Nebennierenrinde. Auch der anhaltende Stress einer schweren Erkrankung kann die AP mäßig anheben.
  • Gutartige Altersveränderungen der Leber: knotige Umbauvorgänge (noduläre Hyperplasie) und eine Vakuolenbildung in den Leberzellen (vakuoläre Hepatopathie) sind beim älteren Hund häufig und meist ohne Krankheitswert.
  • Gallestau (Cholestase): innerhalb der Leber bei Hepatitis, Verfettung oder Tumoren; außerhalb der Leber durch einen Verschluss des Gallengangs bei Pankreatitis, durch eine Gallenblasenmukozele (Verschleimung der Gallenblase), Gallensteine oder Tumoren von Bauchspeicheldrüse, Gallengängen und Zwölffingerdarm.
  • Knochen: Wachstum (physiologisch), Frakturheilung, Knochenentzündung, Knochentumoren wie das Osteosarkom, seltener eine Überfunktion der Nebenschilddrüse.
  • Hormonelle Erkrankungen: neben Cushing auch Diabetes mellitus und die Schilddrüsenunterfunktion.
  • Phenobarbital und andere leberwirksame Medikamente.
  • Rasse: die erbliche Erhöhung beim Scottish Terrier.

Für die Einordnung zählt das Muster: Eine isoliert erhöhte AP bei normaler GGT und ALT, ohne Krankheitszeichen, bei einem älteren Hund ist häufig gutartig und wird kontrolliert. AP zusammen mit GGT und Bilirubin spricht für einen Gallestau. AP zusammen mit vermehrtem Trinken und Harnabsatz, Hecheln, Hängebauch und schütterem Fell lenkt den Verdacht auf Cushing. Beim jungen Hund erklärt sich eine alleinige AP-Erhöhung meist durch das Wachstum, bei Lahmheit oder einer Schwellung am Knochen gehört der Knochen selbst untersucht.

Erniedrigte Werte: typische Ursachen

Eine AP unterhalb des Referenzbereichs hat beim Hund keine klinische Bedeutung. Sie beschreibt die untere Streubreite gesunder Tiere und bedarf keiner weiteren Abklärung.

Was der Tierarzt daraufhin meist prüft

Der wichtigste Begleitwert ist die GGT: Sie steigt bei Gallestau und unter Kortison, nicht aber bei Knochenvorgängen. Eine erhöhte GGT bestätigt also die Herkunft aus Leber und Gallenwegen, eine normale GGT bei hoher AP spricht für den Knochen oder eine harmlose Altersveränderung. Gemeinsam betrachtet werden außerdem ALT, Bilirubin, die Funktionswerte Gallensäuren und Albumin sowie das Cholesterin, das bei Cushing und Gallestau erhöht ist. Manche Labore bestimmen die kortisoninduzierte AP gesondert; ihr Aussagewert ist begrenzt, weil diese Form auch bei anderen Erkrankungen ansteigt.

Bei Verdacht auf Cushing folgen ein Urintest als Ausschlussverfahren und anschließend ein ACTH-Stimulationstest oder ein niedrig dosierter Dexamethason-Suppressionstest — beides Funktionstests der Nebenniere. Die Ultraschalluntersuchung zeigt Leber, Gallenblase, Gallengang, Bauchspeicheldrüse und Nebennieren; bei Lahmheit oder Knochenschmerz wird geröntgt. Wegen der langen Halbwertszeit ist eine Kontrolle frühestens nach einigen Wochen sinnvoll, nach dem Absetzen von Kortison ebenfalls. Bleibt die AP dauerhaft hoch und kommen weitere Auffälligkeiten hinzu, sichert eine Leberbiopsie die Diagnose.

Bezug zu Tumorerkrankungen

Eine erhöhte AP ist weit häufiger Folge von Kortison, Alter oder Hormonen als eines Tumors, und sie beweist nie eine Krebserkrankung. Zwei Zusammenhänge sind dennoch wichtig. Beim Osteosarkom, dem häufigsten bösartigen Knochentumor des Hundes, setzt der Tumor selbst Knochen-AP frei; in der Literatur wird eine vor der Behandlung erhöhte AP als prognostisch ungünstiger Faktor beschrieben, der mit kürzeren Überlebenszeiten einhergeht — sie ersetzt aber weder Röntgenbild noch Gewebeprobe. Bei Lebertumoren und Lebermetastasen sind AP und ALT dagegen oft nur mäßig erhöht, und Tumoren der Bauchspeicheldrüse oder der Gallengänge fallen durch den Gallestau auf, den sie verursachen — dann steigen AP, GGT und Bilirubin gemeinsam.

Was bedeutet das für Ihren Hund?

Eine erhöhte alkalische Phosphatase auf dem Befund Ihres Hundes ist zunächst ein Hinweis, keine Diagnose — und bei keinem anderen Leberwert ist die Spanne zwischen harmlos und ernst so groß. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist, und bei einem jungen Hund gilt ohnehin ein anderer Maßstab. Der Verlauf über Wochen sagt mehr als der Einzelwert, und entscheidend ist, welche anderen Werte mit verändert sind. Das Gespräch mit Ihrem behandelnden Tierarzt ordnet die AP im Zusammenhang mit Alter, Medikamenten, Untersuchung und den übrigen Leberwerten ein.

Quellen

  • Center SA (2007): Interpretation of liver enzymes, Vet Clin North Am Small Anim Pract 37(2):297–333
  • Lawrence YA, Steiner JM (2017): Laboratory evaluation of the liver, Vet Clin North Am Small Anim Pract 47(3):539–553
  • Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
  • Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
  • Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (2020): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th ed., Elsevier, St. Louis, MO

Häufige Fragen

Was bedeutet eine erhöhte alkalische Phosphatase bei meinem Hund?

Die AP steigt, wenn Leberzellen unter einem Gallestau stehen, wenn Kortison einwirkt oder wenn Knochen umgebaut wird — sie ist der häufigste erhöhte Leberwert beim Hund und in vielen Fällen harmlos. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern die Herkunft, die der Tierarzt über GGT, ALT, Bilirubin und die Vorgeschichte klärt.

Mein Hund ist alt und hat nur eine erhöhte AP — muss ich mir Sorgen machen?

Eine isoliert erhöhte AP bei normaler GGT und ALT ohne Krankheitszeichen ist beim älteren Hund häufig auf gutartige knotige Umbauvorgänge der Leber (noduläre Hyperplasie) zurückzuführen. Sie wird in der Regel kontrolliert; bleibt sie allein und der Hund gesund, ist meist keine weitere Behandlung nötig.

Kann Kortison die alkalische Phosphatase meines Hundes erhöhen?

Ja, und zwar deutlich: Der Hund bildet unter Kortison eine eigene, kortisoninduzierte Form der AP. Das gilt für Tabletten und Spritzen ebenso wie für Augentropfen, Ohrentropfen oder Hautsalben, und nach dem Absetzen dauert es Wochen, bis der Wert wieder sinkt.

Warum ist die AP bei meinem Welpen so hoch?

Im Wachstum bilden die knochenbildenden Zellen große Mengen Knochen-AP, deshalb liegt der Wert bei jungen Hunden physiologisch deutlich über dem erwachsener Tiere — bei großen Rassen bis über das erste Lebensjahr hinaus. Ohne weitere Auffälligkeiten ist das kein Krankheitszeichen.

Deutet eine hohe AP auf Cushing bei meinem Hund hin?

Die AP ist beim Cushing-Syndrom fast immer erhöht, aber viele Hunde mit hoher AP haben kein Cushing. Kommen vermehrtes Trinken und Harnabsatz, Hecheln, Hängebauch und schütteres Fell hinzu, folgen ein Urintest und Funktionstests der Nebenniere wie der ACTH-Stimulationstest oder der Dexamethason-Suppressionstest.

Spielt die AP bei Knochenkrebs eine Rolle?

Beim Osteosarkom setzt der Tumor Knochen-AP frei; in der Literatur wird eine vor der Behandlung erhöhte AP als prognostisch ungünstiger Faktor beschrieben. Die Diagnose selbst wird jedoch durch Röntgenbild und Gewebeprobe gestellt, nicht durch den Blutwert.

Ist bei Ihrem Tier ein Tumor oder eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert?