GGT beim Hund
Bei der GGT (Gamma-Glutamyltransferase, auf Befunden auch γ-GT oder Gamma-GT) handelt es sich um einen Blutwert, der beim Hund vor allem einen gestörten Gallefluss anzeigt. Das Enzym sitzt in den Zellen, die die Gallengänge auskleiden, und steigt, wenn sich Galle staut oder wenn Kortison auf die Leber einwirkt. Auf dem Laborbefund steht die GGT meist neben der alkalischen Phosphatase, und aus dem Vergleich beider Werte gewinnt der Tierarzt einen wichtigen Teil der Aussage. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Die GGT ist ein membrangebundenes Enzym des Aminosäuretransports, das in hoher Konzentration im Epithel der Gallengänge — der Zellschicht, die die Gallenwege auskleidet — sowie an der gallenseitigen Membran der Leberzellen vorkommt. Auch die Nierenkanälchen und die Bauchspeicheldrüse enthalten viel GGT; deren Enzym gelangt jedoch in den Urin beziehungsweise in den Darm und nicht ins Blut. Der Blutwert spiegelt daher beim Hund praktisch ausschließlich die Leber und die Gallenwege wider. Wie die alkalische Phosphatase ist die GGT ein Induktionsenzym: Sie steigt nicht, weil Zellen zerfallen, sondern weil die Zellen unter dem Reiz eines Gallestaus (Cholestase) oder unter Kortison vermehrt Enzym bilden und in die Blutbahn abgeben. Der Anstieg setzt deshalb mit einigen Tagen Verzögerung ein und bildet sich nach Wegfall der Ursache nur langsam zurück.
Im Vergleich zur AP gilt die GGT beim Hund als weniger empfindlich, aber spezifischer: Sie reagiert später und schwächer, wenn sie aber erhöht ist, stammt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Leber oder Gallenwegen. Vor allem gibt es beim Hund keine nennenswerte Knochen-GGT — eine erhöhte AP bei normaler GGT spricht daher für den Knochen oder eine harmlose Altersveränderung, eine erhöhte GGT bestätigt den Gallestau. Ein physiologischer Sonderfall sind Welpen: Die erste Muttermilch (Kolostrum) ist reich an GGT, weshalb der Wert in den ersten Lebenstagen und -wochen stark erhöht sein kann, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Hämolyse und Lipämie (Trübung der Probe durch Fett) beeinflussen den Wert nur geringfügig.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Von häufig zu selten kommen in Betracht:
- Kortison: als Medikament — auch in Salben, Augen- oder Ohrentropfen — oder körpereigen beim Cushing-Syndrom, einer Überfunktion der Nebennierenrinde. Die GGT steigt dabei meist weniger stark als die AP.
- Gallestau außerhalb der Leber: Verschluss des Gallengangs durch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), eine Gallenblasenmukozele (Verschleimung der Gallenblase), Gallensteine oder Tumoren von Bauchspeicheldrüse, Gallengängen und Zwölffingerdarm.
- Gallestau innerhalb der Leber: Entzündungen der Gallengänge (Cholangitis) und der Leber (Cholangiohepatitis), chronische Hepatitis, Zirrhose (narbiger Umbau), Lebertumoren und Lebermetastasen.
- Medikamente: Phenobarbital und andere Wirkstoffe, die die Enzymbildung der Leber anregen.
- Welpen: vorübergehend nach der Aufnahme von Kolostrum.
- Hepatotoxine: seltener Gifte, die vor allem die Gallengänge schädigen.
Für die Einordnung gilt: Eine erhöhte GGT bei gleichzeitig erhöhter AP und erhöhtem Bilirubin spricht für einen Gallestau, der abgeklärt gehört — besonders, wenn der Hund erbricht, nicht frisst oder Gelbsucht zeigt. Eine geringgradig erhöhte GGT bei einem Hund, der Kortison erhält und dem es gut geht, ist dagegen eine erwartbare Medikamentenwirkung. Bleibt der Wert ohne erkennbare Ursache über Wochen erhöht, wird gesucht.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Eine GGT unterhalb des Referenzbereichs hat beim Hund keine klinische Bedeutung. Bei vielen gesunden Hunden liegt der Wert nahe der Nachweisgrenze des Labors; ein niedriger Wert bedarf keiner Abklärung.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Die GGT wird nie allein beurteilt. Zunächst wird sie mit AP, ALT und Bilirubin verglichen: Das Verhältnis der Werte zeigt, ob eher ein Gallestau, ein Leberzellschaden oder eine Kortisonwirkung vorliegt. Die Funktion der Leber prüfen die Gallensäuren, Albumin, Harnstoff, Glukose und Cholesterin; eine Lipase-Bestimmung grenzt eine Pankreatitis ab. Bei Verdacht auf Cushing folgen Funktionstests der Nebenniere, etwa der ACTH-Stimulationstest oder der niedrig dosierte Dexamethason-Suppressionstest.
Weil die GGT vor allem die Gallenwege abbildet, ist die Ultraschalluntersuchung des Bauches die wichtigste Folgeuntersuchung: Sie zeigt, ob der Gallengang erweitert ist, ob die Gallenblase eine Mukozele enthält, ob die Bauchspeicheldrüse entzündet oder ein Tumor vorhanden ist. Wegen der langsamen Rückbildung des Wertes ist eine Kontrolle erst nach einigen Wochen aussagekräftig. Bleibt die Ursache unklar, sichert eine Leberbiopsie mit feingeweblicher Untersuchung und Kultur der Galle die Diagnose; zuvor wird die Blutgerinnung geprüft.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Die GGT ist kein Tumormarker, und die meisten Erhöhungen haben mit einem Tumor nichts zu tun. Ein echter Zusammenhang besteht dort, wo ein Tumor den Gallefluss behindert: Karzinome der Gallengänge, Tumoren der Bauchspeicheldrüse, die den gemeinsamen Ausführungsgang einengen, sowie ausgedehnte Lebertumoren oder Lebermetastasen, die Gallengänge abdrücken. In diesen Fällen steigen GGT, AP und Bilirubin gemeinsam, und die Ultraschalluntersuchung führt meist rasch zur Ursache. Bei kleineren Lebertumoren ohne Gallestau bleibt die GGT dagegen oft normal.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Eine erhöhte GGT auf dem Befund Ihres Hundes ist ein Hinweis auf Leber und Gallenwege, keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist. Aussagekräftig ist die GGT erst gemeinsam mit AP, ALT und Bilirubin und im Verlauf — ein einzelner, geringgradig erhöhter Wert unter Kortison sagt etwas anderes als ein stetig steigender Wert bei einem Hund, der nicht frisst. Wie die Leberwerte zusammenspielen, erklärt die Seite Erhöhte Leberwerte beim Hund; das Gespräch mit Ihrem behandelnden Tierarzt ordnet den Wert im Zusammenhang mit Medikamenten, Untersuchung und Ultraschall ein.
Quellen
- Center SA (2007): Interpretation of liver enzymes, Vet Clin North Am Small Anim Pract 37(2):297–333
- Lawrence YA, Steiner JM (2017): Laboratory evaluation of the liver, Vet Clin North Am Small Anim Pract 47(3):539–553
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
Häufige Fragen
Was bedeutet eine erhöhte GGT bei meinem Hund?
Die GGT steigt, wenn sich Galle staut oder wenn Kortison auf die Leber einwirkt — sie stammt aus den Zellen, die die Gallengänge auskleiden. Eine erhöhte GGT weist daher auf Leber und Gallenwege hin; welche Ursache dahintersteckt, klärt der Vergleich mit AP, ALT und Bilirubin und meist eine Ultraschalluntersuchung.
Was ist der Unterschied zwischen GGT und alkalischer Phosphatase?
Beide Enzyme steigen bei Gallestau und unter Kortison, aber die AP stammt zusätzlich aus dem Knochen und reagiert empfindlicher. Die GGT ist spezifischer: Ist sie erhöht, liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit in Leber oder Gallenwegen; eine hohe AP bei normaler GGT spricht dagegen für den Knochen oder eine harmlose Altersveränderung.
Kann Kortison die GGT meines Hundes erhöhen?
Ja. Kortison regt die Leberzellen zur vermehrten Bildung von GGT an, ob als Tablette, Spritze, Salbe oder Augentropfen; auch das körpereigene Kortison beim Cushing-Syndrom wirkt so. Die GGT steigt dabei meist weniger stark als die alkalische Phosphatase.
Mein Welpe hat eine hohe GGT — ist das schlimm?
Bei Welpen in den ersten Lebenstagen und -wochen ist eine deutlich erhöhte GGT meist physiologisch: Die erste Muttermilch (Kolostrum) enthält große Mengen des Enzyms, das der Welpe über den Darm aufnimmt. Ohne weitere Auffälligkeiten ist das kein Krankheitszeichen.
Ist eine erhöhte GGT ein Hinweis auf Krebs bei meinem Hund?
Die GGT ist kein Tumormarker; die meisten Erhöhungen beruhen auf Kortison, Pankreatitis oder Gallenwegserkrankungen. Ein Tumor kommt vor allem dann in Betracht, wenn er den Gallefluss behindert, etwa ein Tumor der Bauchspeicheldrüse oder der Gallengänge — dann steigen GGT, AP und Bilirubin gemeinsam, und der Ultraschall zeigt die Ursache.