Cholesterin beim Hund
Bei Cholesterin handelt es sich um eine fettähnliche Substanz (ein Lipid), die jede Körperzelle als Baustein ihrer Zellwand benötigt; der Cholesterinwert beim Hund gibt an, wie viel davon im Blut zirkuliert. Auf Laborbefunden steht er als „Cholesterin”, „CHOL” oder „Gesamtcholesterin”, angegeben in mg/dl oder mmol/l. Anders als beim Menschen ist ein hoher Wert beim Hund kein Risikofaktor für Gefäßverkalkung, sondern vor allem ein Hinweis auf eine hormonelle oder organische Grunderkrankung. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Cholesterin stammt zum kleineren Teil aus der Nahrung, zum größeren Teil bildet es die Leber selbst. Es ist Ausgangsstoff für Gallensäuren, für die Steroidhormone der Nebenniere und der Keimdrüsen sowie für Vitamin D. Im Blut wird es an Transporteiweiße gebunden (Lipoproteine) befördert; beim Hund überwiegt dabei die HDL-Fraktion, weshalb sich Cholesterin bei ihm kaum in den Gefäßwänden ablagert. Ausgeschieden wird es über die Galle in den Darm.
Drei Einflussgrößen bestimmen den Wert wesentlich. Erstens die Schilddrüsenhormone: Sie beschleunigen Abbau und Ausscheidung des Cholesterins, sodass ein Mangel den Wert steigen lässt. Zweitens der Gallefluss: Staut sich die Galle (Cholestase), bleibt Cholesterin im Blut zurück. Drittens die Fütterung: Nach einer fettreichen Mahlzeit steigt der Wert für Stunden an, weshalb die Messung nach etwa zwölf Stunden Futterkarenz erfolgen sollte. Darüber hinaus heben Kortisonpräparate den Wert an, und bei einigen Rassen ist der Fettstoffwechsel erblich verändert.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Eine Hypercholesterinämie (erhöhtes Cholesterin) ist beim Hund ein häufiger Befund. Xenoulis und Steiner (2010) unterscheiden die sekundäre Form — Folge einer anderen Erkrankung — von der seltenen primären, erblichen Form. Geordnet von häufig zu selten:
- Mahlzeit vor der Blutentnahme: die häufigste harmlose Ursache; ein nüchtern wiederholter Wert klärt das.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): die klassische Ursache. In der Literatur wird angegeben, dass ein Großteil der betroffenen Hunde ein erhöhtes Cholesterin zeigt — oft noch bevor Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Fellveränderungen auffallen; siehe Schilddrüsenunterfunktion beim Hund.
- Cushing-Syndrom und Kortison: Glukokortikoide steigern den Fettabbau und die Freisetzung von Lipoproteinen aus der Leber; siehe Cushing-Syndrom beim Hund.
- Diabetes mellitus: Insulinmangel bremst das Enzym, das Fette aus dem Blut in die Gewebe schleust (Lipoproteinlipase).
- Eiweißverlust über die Niere (nephrotisches Syndrom): Die Leber versucht, den Albuminverlust auszugleichen, und produziert dabei auch mehr Lipoproteine; typisch ist die Kombination aus Eiweiß im Urin, niedrigem Albumin und hohem Cholesterin.
- Cholestase und Lebererkrankungen: Bei Gallestau, etwa durch Entzündung, Gallensteine oder eine Umfangsvermehrung, steigt Cholesterin gemeinsam mit alkalischer Phosphatase, GGT und Bilirubin.
- Pankreatitis: Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse geht häufig mit erhöhten Blutfetten einher.
- Primäre Hyperlipidämie: Bei Zwergschnauzer, Shetland Sheepdog und Briard ist eine erbliche Störung des Fettstoffwechsels beschrieben, bei der Cholesterin und Triglyceride ohne Grunderkrankung erhöht sind.
Ein geringgradig erhöhter Wert bei einem gesunden Hund, der nicht nüchtern war, ist in der Regel bedeutungslos. Ein deutlich erhöhter Nüchternwert dagegen gehört abgeklärt — nicht wegen des Cholesterins selbst, sondern wegen der Erkrankung, die dahinterstehen kann.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Eine Hypocholesterinämie (erniedrigtes Cholesterin) wird seltener beachtet, ist aber ein aussagekräftiger Befund, weil sie auf Verlust, Mangel oder Produktionsschwäche hinweist:
- Eiweißverlust über den Darm (Protein-losing Enteropathy): Bei Lymphangiektasie (Erweiterung und Undichtigkeit der Lymphgefäße der Darmwand) und chronischen Darmentzündungen gehen Eiweiß und fettreiche Lymphe in den Darm verloren. Niedriges Cholesterin neben niedrigem Albumin und Globulin ist hier ein typischer Begleitbefund; siehe Inflammatory Bowel Disease des Hundes.
- Leberinsuffizienz und portosystemischer Shunt: Eine Leber, die kaum noch Zellen hat oder — beim Shunt — vom Blutstrom umgangen wird, bildet weniger Cholesterin.
- Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennierenrinde): häufig mit niedrigem Cholesterin verbunden.
- Mangelernährung, Maldigestion, Kachexie: zu wenig Fett in der Nahrung, eine gestörte Fettverdauung oder schwerer Gewichtsverlust bei chronischer Erkrankung.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Der erste Schritt ist die Wiederholung nach zwölf Stunden Futterkarenz, meist zusammen mit den Triglyceriden, denn das Muster beider Blutfette grenzt die Ursachen ein. Bei bestätigter Erhöhung folgen die Schilddrüsenwerte, die Glukose und die Leberwerte, eine Urinuntersuchung mit Eiweiß-Kreatinin-Quotient (Maß für den Eiweißverlust über die Niere) und bei passenden Symptomen Funktionstests der Nebenniere. Ein niedriger Wert wird gemeinsam mit Albumin und Globulinen betrachtet; sind auch diese erniedrigt, richtet sich der Blick auf den Darm — mit Kotuntersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls Darmbiopsien — oder auf die Leberfunktion mittels Gallensäuren.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Für die Tumordiagnostik spielt Cholesterin keine wesentliche Rolle; ein erhöhter Wert hat fast immer eine hormonelle oder ernährungsbedingte Ursache. Ein niedriger Wert kann Begleiterscheinung einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung sein, wenn der Körper auszehrt (Tumorkachexie), oder — beim Darmlymphom — Folge eines Eiweißverlusts über die erkrankte Darmwand; in beiden Fällen ist er Ausdruck der Erkrankung, nicht ihr Beweis.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Ein einzelner Cholesterinwert ist keine Diagnose. War Ihr Hund vor der Blutentnahme nicht nüchtern, erklärt das eine leichte Erhöhung meist vollständig; erst ein wiederholt erhöhter Nüchternwert ist ein Grund, nach der Ursache zu suchen — und die ist häufig gut behandelbar, wie die Schilddrüsenunterfunktion zeigt. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Der Verlauf sagt mehr als der Einzelwert, und Ihr behandelnder Tierarzt ordnet ihn zusammen mit den übrigen Befunden ein.
Quellen
- Xenoulis PG, Steiner JM (2010): Lipid metabolism and hyperlipidemia in dogs, Vet J 183(1):12–21
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart
- Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO
Häufige Fragen
Ist ein erhöhtes Cholesterin bei meinem Hund gefährlich?
Anders als beim Menschen führt ein hohes Cholesterin beim Hund praktisch nicht zu Gefäßverkalkung. Bedeutsam ist der Wert vor allem als Hinweis auf eine Grunderkrankung wie Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom oder Diabetes, die abgeklärt und in der Regel behandelt werden kann.
Muss mein Hund für die Cholesterinmessung nüchtern sein?
Ja, nach einer fettreichen Mahlzeit steigt der Wert für Stunden an. Für eine aussagekräftige Messung sollte der Hund etwa zwölf Stunden kein Futter bekommen haben; ein erhöhter Wert ohne Futterkarenz wird zunächst nüchtern wiederholt.
Welche Krankheit steckt am häufigsten hinter einem hohen Cholesterin beim Hund?
Die klassische Ursache ist die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Fehlen Schilddrüsenhormone, wird Cholesterin langsamer abgebaut und ausgeschieden. Der Tierarzt prüft deshalb bei einem wiederholt erhöhten Nüchternwert zuerst die Schilddrüsenwerte.
Was bedeutet ein zu niedriges Cholesterin bei meinem Hund?
Ein niedriger Wert weist auf Verlust oder Produktionsschwäche hin: auf Eiweißverlust über den Darm bei chronischen Darmentzündungen oder Lymphangiektasie, auf eine Leberinsuffizienz oder einen Shunt, auf einen Morbus Addison oder auf Mangelernährung. Der Tierarzt betrachtet ihn gemeinsam mit Albumin und Globulinen.
Gibt es Rassen, bei denen hohes Cholesterin normal ist?
Bei Zwergschnauzer, Shetland Sheepdog und Briard ist eine erbliche Störung des Fettstoffwechsels beschrieben, bei der Cholesterin und Triglyceride ohne Grunderkrankung erhöht sind. Auch bei diesen Rassen schließt der Tierarzt zunächst die behandelbaren Ursachen aus.
Hat der Cholesterinwert etwas mit Krebs zu tun?
Für die Tumordiagnostik spielt Cholesterin keine wesentliche Rolle. Ein niedriger Wert kann allenfalls Begleiterscheinung einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung mit Auszehrung oder eines Darmlymphoms mit Eiweißverlust sein, beweist einen Tumor aber nicht.