Glukose (Blutzucker) beim Hund

Bei der Glukose handelt es sich um Traubenzucker, den wichtigsten kurzfristig verfügbaren Energieträger im Blut; der Glukosewert beim Hund gibt an, wie viel davon zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Blut gelöst war. Auf Laborbefunden steht er als „Glukose”, „GLU” oder „Blutzucker”, angegeben in mg/dl oder mmol/l, und zeigt sowohl eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) als auch eine gefährliche Unterzuckerung (Hypoglykämie) an. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.

Was misst der Wert?

Glukose stammt aus den Kohlenhydraten der Nahrung und aus der Leber, die zwischen den Mahlzeiten Zucker aus ihren Speichern (Glykogen) freisetzt oder neu bildet. Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse schleust Glukose in die Zellen und senkt den Wert; Glukagon, Kortisol und Adrenalin wirken ihm entgegen. Jede Störung dieses Gleichgewichts — zu wenig Insulin, zu viel Insulin, zu viel Kortisol — schlägt sich im Blutzucker nieder. Darüber hinaus wirken Mahlzeit, Aufregung und Kortisonpräparate auf den Wert ein.

Besonders wichtig ist die Behandlung der Probe: Die Blutzellen verbrauchen auch im Röhrchen weiter Glukose. Wird das Blut nicht rasch zentrifugiert oder in einem Fluorid-Röhrchen (das den Zuckerabbau hemmt) abgenommen, sinkt der Wert Stunde für Stunde — ein niedriger Befund kann allein durch verzögerte Verarbeitung entstehen.

Erhöhte Werte: typische Ursachen

Ein erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie) hat beim Hund wenige, dafür klar umrissene Ursachen — geordnet von häufig zu selten:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): die wichtigste Ursache einer deutlichen, dauerhaften Erhöhung; beim Hund meist ein Insulinmangel, weil die insulinbildenden Zellen — häufig immunvermittelt — zugrunde gegangen sind. Siehe Diabetes mellitus beim Hund.
  • Kortison und Cushing-Syndrom: Glukokortikoide — als Medikament oder bei einem Cushing-Syndrom im Übermaß gebildet — machen die Zellen unempfindlicher gegen Insulin (Insulinresistenz).
  • Aufregung, Stress, Mahlzeit: Die Stress-Hyperglykämie ist beim Hund schwächer ausgeprägt als bei anderen Tierarten, aber bei Schmerz oder Angst messbar; nach dem Fressen steigt der Blutzucker nur geringfügig.
  • Diöstrus und Trächtigkeit: Bei nicht kastrierten Hündinnen führt das Gelbkörperhormon Progesteron nach der Läufigkeit zu einer Insulinresistenz, die bis zu einem Diabetes gehen kann.
  • Pankreatitis: Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann die insulinbildenden Zellen in Mitleidenschaft ziehen — siehe Pankreatitis beim Hund.

Für die Einordnung ist die Höhe entscheidend: Aufregung, Mahlzeit und Kortison heben den Blutzucker meist nur mäßig an; ein Diabetes erhöht ihn so weit, dass die Niere die Glukose nicht mehr zurückhalten kann und Zucker im Urin erscheint.

Erniedrigte Werte: typische Ursachen

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist ernster zu nehmen als eine mäßige Erhöhung, weil das Gehirn auf ständige Glukosezufuhr angewiesen ist: Anzeichen sind Schwäche, Zittern, Taumeln und im schweren Fall Krampfanfälle.

  • Verzögerte Probenverarbeitung: die mit Abstand häufigste Erklärung; bei Verdacht wird mit einem Fluorid-Röhrchen oder sofort aus frischem Blut nachgemessen.
  • Welpen, Zwergrassen, Arbeitshunde: geringe Zuckerreserven, die Hunger, Kälte, Durchfall oder — bei Jagdhunden — eine lange, intensive Anstrengung erschöpfen.
  • Insulinom: ein Tumor der insulinbildenden Zellen, der unkontrolliert Insulin abgibt; typisch sind wiederkehrende Schwächeanfälle beim älteren Hund — siehe Insulinom beim Hund.
  • Sepsis (schwere bakterielle Allgemeininfektion): hoher Verbrauch bei verminderter Nachlieferung durch die Leber.
  • Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennierenrinde): Der Kortisolmangel drosselt die Zuckerneubildung — siehe Morbus Addison beim Hund.
  • Leberinsuffizienz und portosystemischer Shunt: Die Leber kann keine Glukose mehr bereitstellen.
  • Xylit-Vergiftung: Der Zuckeraustauschstoff (in zuckerfreien Kaugummis und Backwaren) löst beim Hund eine massive Insulinausschüttung aus.
  • Insulinüberdosierung beim behandelten Diabetiker, etwa wenn der Hund nach der Insulingabe nicht gefressen hat.
  • Große Tumoren außerhalb der Bauchspeicheldrüse: selten; beschrieben sind Lebertumoren und Tumoren der glatten Muskulatur, die insulinähnliche Botenstoffe abzugeben scheinen (paraneoplastische Hypoglykämie).

Fruktosamin: der Langzeitwert

Fruktosamin entsteht, wenn sich Glukose dauerhaft an Eiweiße im Blut — vor allem an Albumin — anlagert (Glykierung). Weil diese Eiweiße nur eine begrenzte Lebensdauer haben, spiegelt der Wert den mittleren Blutzucker der zurückliegenden ein bis drei Wochen wider. Reusch et al. (1993) bestätigten seine Eignung zur Diagnose und Therapiekontrolle des Diabetes beim Hund. Sein großer Vorteil: Aufregung oder eine Mahlzeit verfälschen ihn nicht. Ist der Blutzucker erhöht, das Fruktosamin aber normal, war die Erhöhung wahrscheinlich kurzfristig; sind beide erhöht, besteht der hohe Blutzucker schon seit Wochen. Beim behandelten Diabetiker zeigt ein sinkendes Fruktosamin, dass die Einstellung gelingt. Bei niedrigem Eiweißgehalt des Blutes (Hypoproteinämie) scheint der Wert allerdings zu niedrig auszufallen.

Was der Tierarzt daraufhin meist prüft

Ein auffälliger Glukosewert wird zunächst bestätigt: nüchtern (nach etwa zwölf Stunden ohne Futter), in Ruhe und mit sofort verarbeiteter Probe. Bei erhöhtem Wert folgen eine Urinuntersuchung auf Glukose und Ketonkörper (Abbauprodukte des Fettstoffwechsels bei entgleistem Diabetes) und das Fruktosamin. Da Cushing-Syndrom, Pankreatitis und Diabetes häufig gemeinsam auftreten, werden zugleich Lipase, Cholesterin und Triglyceride betrachtet.

Bei bestätigter Unterzuckerung wird zum Zeitpunkt des niedrigen Wertes zusätzlich Insulin gemessen: Ein normales oder hohes Insulin bei niedrigem Zucker spricht für ein Insulinom. Ergänzend kommen Leberwerte und Gallensäuren, ein Blutbild, ein Stimulationstest der Nebenniere und ein Ultraschall des Bauchraums hinzu.

Bezug zu Tumorerkrankungen

Ein veränderter Blutzucker ist kein Tumormarker; die meisten Abweichungen haben andere Ursachen. Bedeutsam ist vor allem die wiederkehrende Unterzuckerung beim älteren Hund als Leitsymptom des Insulinoms — der niedrige Glukosewert ist hier oft der erste Hinweis. Seltener lösen große Tumoren außerhalb der Bauchspeicheldrüse eine Unterzuckerung aus. Ein erhöhter Blutzucker hat für die Tumordiagnostik keine Bedeutung.

Was bedeutet das für Ihren Hund?

Ein einzelner Glukosewert ist keine Diagnose. Ein leicht erhöhter Wert nach einer aufregenden Autofahrt oder ein niedriger Wert aus einer Probe, die lange unterwegs war, sagt über Ihren Hund wenig aus — erst Wiederholung und Zusammenschau mit Urin und Fruktosamin ergeben ein Bild. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Zeigt Ihr Hund Schwäche, Zittern oder Krampfanfälle, gehört ein niedriger Wert umgehend abgeklärt. Ihr behandelnder Tierarzt ordnet den Wert im Gespräch ein.

Quellen

  • Reusch CE et al. (1993): Fructosamine. A new parameter for diagnosis and metabolic control in diabetic dogs and cats, J Vet Intern Med 7(3):177–182
  • Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
  • Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
  • Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart
  • Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO

Häufige Fragen

Mein Hund hat einen erhöhten Glukosewert. Hat er Diabetes?

Nicht zwangsläufig. Aufregung, eine Mahlzeit vor der Blutentnahme, Kortison oder ein Cushing-Syndrom heben den Blutzucker meist nur mäßig an. Für einen Diabetes sprechen ein deutlich und dauerhaft erhöhter Wert, Glukose im Urin, ein erhöhtes Fruktosamin und Anzeichen wie vermehrtes Trinken und Gewichtsverlust.

Warum ist der Blutzucker meines Hundes zu niedrig, obwohl er gesund wirkt?

Die häufigste Erklärung ist ein Messartefakt: Die Blutzellen verbrauchen auch im Röhrchen weiter Glukose, sodass der Wert in einer nicht sofort zentrifugierten Probe Stunde für Stunde sinkt. Der Tierarzt wiederholt die Messung dann mit einem Fluorid-Röhrchen oder direkt aus frischem Blut.

Welche Anzeichen hat eine Unterzuckerung beim Hund?

Typisch sind Schwäche, Zittern und Taumeln; im schweren Fall kommt es zu Krampfanfällen, weil das Gehirn auf eine ständige Glukosezufuhr angewiesen ist. Solche Anzeichen gehören umgehend abgeklärt.

Was sagt der Fruktosaminwert bei meinem Hund aus?

Fruktosamin ist Eiweiß, an das sich Glukose angelagert hat, und spiegelt den mittleren Blutzucker der letzten ein bis drei Wochen wider. Er unterscheidet eine kurzfristige Erhöhung durch Aufregung von einem echten Diabetes und zeigt beim behandelten Diabetiker, ob die Einstellung gelingt.

Kann die Aufregung beim Tierarzt den Blutzucker meines Hundes erhöhen?

Ja, Adrenalin und Kortisol lassen den Wert vorübergehend steigen; beim Hund ist dieser Effekt zwar schwächer ausgeprägt als bei anderen Tierarten, aber messbar. Ein normales Fruktosamin zeigt in diesem Fall, dass der Blutzucker in den Wochen davor unauffällig war.

Ist ein niedriger Blutzucker ein Zeichen für einen Tumor?

Meist nicht, doch wiederkehrende Unterzuckerungen beim älteren Hund sind das Leitsymptom des Insulinoms, eines Tumors der insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Der Tierarzt misst dann zum Zeitpunkt der Unterzuckerung gleichzeitig das Insulin: Ein unangemessen hoher Insulinspiegel spricht für ein Insulinom.

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