Eosinophile Granulozyten beim Hund
Bei den eosinophilen Granulozyten beim Hund handelt es sich um weiße Blutkörperchen, deren Hauptaufgabe die Abwehr von Parasiten ist und die zugleich an allergischen Reaktionen beteiligt sind. Ihren Namen verdanken sie dem Farbstoff Eosin, der ihre Körnchen (Granula) im Ausstrich leuchtend rot färbt. Auf dem Laborbefund stehen sie als „Eosinophile”, „Eos” oder „EOS”, als absolute Zahl je Liter Blut und als Prozentanteil der Leukozyten; maßgeblich ist die absolute Zahl. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Eosinophile entstehen im Knochenmark, kreisen nur wenige Stunden im Blut und halten sich dann vor allem dort auf, wo der Körper mit der Außenwelt in Berührung kommt: in Haut, Darmwand und Atemwegen. Ihre Granula enthalten Eiweiße, die Parasitenlarven schädigen, aber auch körpereigenes Gewebe reizen können — deshalb sind Eosinophile sowohl Helfer als auch Mitverursacher allergischer Entzündungen. Gesteuert wird ihre Bildung von Botenstoffen, die T-Lymphozyten und Mastzellen freisetzen; wo Mastzellen aktiv sind, sammeln sich in der Regel auch Eosinophile.
Der Wert im Blut ist ein Spiegel dieser Gewebevorgänge. Er steigt, wenn Parasiten oder Allergene das Immunsystem über längere Zeit reizen, und er fällt unter dem Einfluss von Kortisol — körpereigen bei Stress und Krankheit oder als Kortison gegeben. Eine Eosinopenie gehört deshalb zum Stress-Leukogramm, zusammen mit erhöhten Neutrophilen und verminderten Lymphozyten. Auch die Rasse spielt eine Rolle: Rottweiler haben häufig höhere Eosinophilenzahlen als andere Hunde, ohne krank zu sein; für den Deutschen Schäferhund wird Ähnliches beschrieben. Die Gesamtzahl der Leukozyten ändert sich durch die Eosinophilen meist kaum, weil sie nur einen kleinen Anteil stellen.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Eine Vermehrung heißt Eosinophilie. Ursachen, von häufig zu selten:
- Parasiten. Würmer im Darm (Spul-, Haken-, Peitschenwürmer), Lungenwürmer, der Herzwurm und ein Flohbefall sind die klassischen Auslöser — vor allem, wenn die Parasiten Gewebe durchwandern oder Kontakt zur Blutbahn haben. Ein reiner Darmbefall ohne Gewebewanderung erhöht den Wert oft gar nicht.
- Allergien. Die atopische Dermatitis (Umweltallergie), Futtermittelallergien und die Flohspeichelallergie gehen häufig mit einer leichten bis mäßigen Eosinophilie einher — nicht immer; ein normaler Wert schließt eine Allergie nicht aus.
- Eosinophile Erkrankungen. Bei der eosinophilen Bronchopneumopathie wandern Eosinophile in Bronchien und Lungengewebe ein und verursachen Husten; bei der eosinophilen Gastroenteritis geschieht dasselbe in Magen und Darm mit Erbrechen und Durchfall. Beide gelten als überschießende Immunreaktionen ohne nachweisbaren Erreger.
- Morbus Addison. Fehlt das Kortisol, fehlt auch dessen dämpfende Wirkung: Ein kranker Hund mit normalen oder erhöhten Eosinophilen — statt der erwarteten Eosinopenie — sollte an Morbus Addison denken lassen.
- Paraneoplastisch. Mastzelltumoren setzen Botenstoffe frei, die Eosinophile anlocken; eine Eosinophilie im Blut ist dabei möglich, aber nicht die Regel. Auch bei einzelnen Lymphomen, vor allem T-Zell-Lymphomen, wird sie beschrieben.
- Hypereosinophiles Syndrom. Sehr selten: eine anhaltende, sehr hohe Eosinophilie mit Einwanderung in mehrere Organe ohne erkennbare Ursache; es wird angenommen, dass Rottweiler häufiger betroffen sind.
Eine Eosinophilie tritt oft zusammen mit vermehrten Basophilen auf, besonders bei Parasiten und Allergien. Der Wert selbst sagt nicht, welche Ursache vorliegt — das leisten Vorbericht, Untersuchung und gezielte Tests.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Eine Verminderung heißt Eosinopenie. Weil Eosinophile beim gesunden Hund ohnehin nur in kleiner Zahl im Blut kreisen, liegt der Wert oft nahe null, und viele Labore geben gar keine untere Grenze an. Als Befund bedeutet die Eosinopenie fast immer dasselbe: Kortisol ist im Spiel — durch Stress, Krankheit, Schmerz oder eine Kortison-Behandlung. Eine eigenständige Erkrankung steckt praktisch nie dahinter, eine Abklärung ist nicht nötig. Von Interesse ist der niedrige Wert nur als Baustein des Stress-Leukogramms, das dem Tierarzt zeigt, dass der Hund tatsächlich unter Belastung steht.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Am Anfang stehen Vorbericht und Untersuchung: Entwurmungsstatus, Auslandsaufenthalte, Juckreiz, Husten, Durchfall, Flohkot im Fell. Der häufigste nächste Schritt ist die Kotuntersuchung — eine Anreicherung (Flotation) für Wurmeier und das Baermann-Verfahren für Lungenwurmlarven — sowie bei Hunden aus Herzwurmgebieten ein Bluttest auf den Herzwurm. Häufig wird zunächst entwurmt und der Wert nach einigen Wochen kontrolliert. Bei Husten folgen Röntgen des Brustkorbs und gegebenenfalls eine Spülprobe aus den Atemwegen, bei Magen-Darm-Beschwerden Ultraschall und Darmbiopsien, bei Juckreiz eine Ausschlussdiät. Ein tastbarer Hautknoten wird punktiert, um einen Mastzelltumor auszuschließen; bei einem kranken Hund ohne Stress-Leukogramm wird die Nebennierenfunktion geprüft. Sehr hohe Werte werden im Ausstrich beurteilt und bei Bedarf mit einer Knochenmarkuntersuchung abgeklärt.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Ein erhöhter Eosinophilenwert ist kein Tumormarker; Parasiten und Allergien sind um ein Vielfaches häufiger. Zwei Tumorarten können ihn dennoch beeinflussen. Beim Mastzelltumor locken die Botenstoffe der Tumorzellen Eosinophile an — im Tumorgewebe selbst regelmäßig, im Blut nur bei einem Teil der Hunde. Beim malignen Lymphom, vor allem bei T-Zell-Lymphomen, wird eine paraneoplastische Eosinophilie beschrieben, also eine vom Tumor ausgelöste Begleitreaktion; sie ist selten und beweist für sich genommen nichts. Umgekehrt senkt Kortison, das bei beiden Tumorarten häufig Teil der Behandlung ist, den Wert rasch — ein normaler Eosinophilenwert unter Kortison sagt daher wenig aus.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Ein erhöhter Eosinophilenwert ist bei Ihrem Hund in den allermeisten Fällen ein Hinweis auf Parasiten oder eine Allergie — beides lässt sich finden und behandeln. Ein niedriger Wert bedeutet in der Regel nur, dass der Körper unter Stress steht. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor, und Rottweiler haben von Natur aus oft höhere Werte; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Der Verlauf nach einer Entwurmung oder Diät sagt mehr als der Einzelwert, und das Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt ordnet ihn ein.
Quellen
- Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Lilliehöök I, Tvedten H (2003): Investigation of hypereosinophilia and potential treatments, Vet Clin North Am Small Anim Pract 33(6):1359–1378
- Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (2020): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th ed., Elsevier, St. Louis, MO
Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn die Eosinophilen bei meinem Hund erhöht sind?
Die häufigsten Ursachen sind Parasiten — Würmer, Lungen- oder Herzwürmer, Flöhe — und Allergien wie die atopische Dermatitis oder eine Futtermittelallergie. Seltener stecken eosinophile Erkrankungen von Atemwegen oder Darm, Morbus Addison oder ein Tumor dahinter.
Mein Hund ist entwurmt – warum sind die Eosinophilen trotzdem hoch?
Nicht jede Entwurmung erfasst alle Parasiten; Lungenwürmer, Herzwürmer und Flöhe brauchen eigene Nachweise und Mittel. Bleibt der Wert nach einer Kontrolle hoch, kommen Allergien, eosinophile Erkrankungen oder — bei einem kranken Hund ohne Stress-Leukogramm — Morbus Addison in Betracht.
Sind erhöhte Eosinophile ein Zeichen für einen Mastzelltumor?
Selten. Mastzelltumoren locken zwar Eosinophile an, im Blut ist eine Eosinophilie aber nur bei einem Teil der betroffenen Hunde zu sehen, und Parasiten oder Allergien sind um ein Vielfaches häufiger. Ein tastbarer Hautknoten wird deshalb punktiert, der Blutwert allein beweist nichts.
Mein Hund hat null Eosinophile – ist das schlimm?
Nein. Eosinophile kreisen ohnehin nur in kleiner Zahl im Blut, und ein Wert nahe null bedeutet fast immer nur, dass Kortisol im Spiel ist — durch Stress, Krankheit, Schmerz oder eine Kortison-Behandlung. Eine Abklärung ist nicht nötig.
Haben Rottweiler von Natur aus mehr Eosinophile?
Ja, Rottweiler haben häufig höhere Eosinophilenzahlen als andere Hunde, ohne krank zu sein; für den Deutschen Schäferhund wird Ähnliches beschrieben. Ein leicht erhöhter Wert bei einem gesunden Rottweiler ist deshalb oft ein Normalbefund.
Was hat Morbus Addison mit den Eosinophilen zu tun?
Bei Morbus Addison fehlt das Kortisol, das die Eosinophilen normalerweise senkt. Zeigt ein kranker Hund normale oder erhöhte Eosinophile statt der erwarteten Eosinopenie, ist das ein Hinweis, dem der Tierarzt mit einem Test der Nebennierenfunktion nachgeht.