Hund erbricht Schaum
Erbricht ein Hund Schaum, handelt es sich um Speichel und Schleim aus Speiseröhre und Magen, die beim Würgen mit Luft aufgeschäumt werden. Schaum erbricht ein Hund vor allem dann, wenn der Magen leer ist — es kommt also kein Futter nach oben, sondern nur Flüssigkeit. Die Farbe des Schaums gibt einen ersten Hinweis auf die Ursache; entscheidend sind aber die Häufigkeit, die Begleitzeichen und das Allgemeinbefinden Ihres Hundes.
Weißer oder gelber Schaum: Was der Unterschied bedeutet
| Aussehen | Woher es stammt | Was es meist bedeutet |
|---|---|---|
| Weißer, klarer Schaum | Speichel und Schleim aus Speiseröhre und Mageneingang | Leerer, übersäuerter Magen; Reizung der Speiseröhre durch Grashalm oder Fremdkörper; Husten mit Auswurf (Zwingerhusten) |
| Gelber Schaum | Magensaft mit Galle aus dem Zwölffingerdarm | Lange leerer Magen, typisch morgens (Early Morning Vomiting) — siehe Hund erbricht gelb |
| Rosa oder rötlicher Schaum | Speichel mit Blut aus Maul, Rachen oder Speiseröhre | Verletzung oder Blutung — zeitnah zum Tierarzt, siehe Hund erbricht Blut |
| Schaumig-rosa Flüssigkeit aus Maul und Nase bei Atemnot | Lunge | Kein Erbrechen, sondern ein Lungenödem — Notfall |
| Bräunlicher, übel riechender Schaum | Rückfluss aus dem Darm | Verdacht auf Darmverschluss — Notfall |
Erbrechen, Würgen oder Husten?
Nicht alles, was wie das Erbrechen von Schaum aussieht, kommt aus dem Magen. Vier Vorgänge sollten Sie auseinanderhalten, weil sie den Tierarzt auf ganz unterschiedliche Spuren führen:
- Erbrechen: Die Bauchmuskulatur zieht sich kräftig zusammen; vorher ist der Hund unruhig, speichelt und schmatzt. Der Schaum kommt aus dem Magen.
- Regurgitieren: Flüssigkeit oder Futter gleitet ohne Anstrengung aus der Speiseröhre zurück, oft kurz nach dem Fressen. Das deutet auf eine Erkrankung der Speiseröhre hin.
- Husten mit Auswurf: Typisch beim Zwingerhusten — der Hund hustet anfallsartig und würgt am Ende weißen Schaum hoch. Dieser Schaum stammt aus den Atemwegen, nicht aus dem Magen.
- Würgen ohne Erfolg: Der Hund versucht wiederholt zu erbrechen, es kommt aber nichts oder nur wenig Schaum. Zusammen mit Unruhe, starkem Speicheln und einem sich aufblähenden Bauch ist das ein Alarmzeichen für eine Magendrehung — fahren Sie sofort in die nächste Tierklinik.
Ursachen: Warum erbricht ein Hund Schaum?
- Leerer, übersäuerter Magen: Liegt die letzte Mahlzeit lange zurück, reizen Magensäure und zurückgeflossene Galle die Schleimhaut. Der Hund erbricht weißen oder gelben Schaum, meist in den Morgenstunden. Das ist die häufigste und zugleich harmloseste Ursache.
- Reizung von Rachen und Speiseröhre: Grashalme, die im Rachen hängen bleiben, sowie Stöckchen, Knochensplitter oder andere Fremdkörper lösen Würgen und schaumiges Erbrechen aus.
- Zwingerhusten und andere Atemwegsinfekte: Der Hustenreiz endet häufig mit dem Hochwürgen von weißem Schaum.
- Magenreizung durch Futter: verdorbenes Futter, Unrat vom Spaziergang, ein abrupter Futterwechsel, eine Futterunverträglichkeit oder hastiges Schlingen.
- Stress und Aufregung: Umzug, Reisen, Autofahren oder Angst wirken über das vegetative Nervensystem auf den Magen.
- Medikamente: vor allem entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAID (zum Beispiel Meloxicam) und Kortison, die die Magenschleimhaut angreifen.
- Vergiftungen und Erkrankungen innerer Organe: eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Nieren- oder Lebererkrankungen sowie Vergiftungen — etwa durch Schokolade — gehen meist mit weiteren Zeichen wie Mattigkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen einher.
- Tumoren im Magen-Darm-Trakt oder in der Milz — selten und vor allem beim älteren Hund (siehe unten).
Wann muss mein Hund zum Tierarzt?
Erbricht Ihr Hund einmal Schaum, ist danach munter und frisst normal, reicht es, ihn zu beobachten. Zum Tierarzt gehört er, wenn eines der folgenden Zeichen dazukommt:
- Er erbricht mehr als zwei- bis dreimal innerhalb von 24 Stunden oder an mehreren Tagen hintereinander.
- Er frisst länger als 24 Stunden nicht oder behält auch Wasser nicht bei sich.
- Durchfall, Fieber (über 39,5 °C), Husten oder deutliche Mattigkeit kommen hinzu.
- Er zeigt Bauchschmerzen: gekrümmter Rücken, „Gebetsstellung” mit gestreckten Vorderbeinen, Abwehr beim Anfassen des Bauchs.
- Er würgt immer wieder, speichelt stark oder kratzt sich am Maul — Hinweis auf einen Fremdkörper im Rachen.
- Es handelt sich um einen Welpen, einen sehr alten Hund oder einen Hund mit Vorerkrankung.
Sofort in die Notfallpraxis gehört Ihr Hund in diesen Fällen:
- Wiederholtes Würgen ohne Erbrochenes, Unruhe, starkes Speicheln und ein dicker, harter Bauch — Verdacht auf Magendrehung, die unbehandelt innerhalb weniger Stunden tödlich verläuft.
- Rosa, rötlicher oder blutiger Schaum.
- Schaum aus Maul und Nase zusammen mit Atemnot.
- Kollaps, blasses Zahnfleisch, Apathie.
Was Sie selbst tun können
- Beobachten und notieren: Ist der Schaum weiß oder gelb? Wann erbricht Ihr Hund — morgens vor dem Fressen, nach dem Fressen, nach dem Spaziergang? Hustet er vorher? Ein Foto vom Erbrochenen erleichtert dem Tierarzt die Einordnung.
- Öfter füttern: Erbricht Ihr Hund vor allem morgens, teilen Sie die Tagesration auf zwei bis drei Mahlzeiten auf und geben Sie spät am Abend eine kleine Portion, damit der Magen über Nacht nicht leer ist.
- Ins Maul schauen: Wenn Ihr Hund es zulässt, prüfen Sie Rachen und Gaumen auf einen Grashalm oder Fremdkörper. Versuchen Sie aber nicht, etwas tief im Rachen selbst zu entfernen.
- Wasser in kleinen Mengen anbieten und bei akutem Erbrechen erwachsene Hunde für einige Stunden nüchtern lassen, anschließend Schonkost — gekochtes Hühnchen ohne Haut mit Reis — in kleinen Portionen.
- Keine Medikamente aus der Hausapotheke: Schmerzmittel für Menschen wie Ibuprofen oder Paracetamol sind für Hunde giftig.
Diagnose beim Tierarzt
Der Tierarzt beginnt mit dem Vorbericht — hier helfen Ihre Notizen — und einer gründlichen Untersuchung von Maul, Rachen, Lymphknoten, Lunge und Bauch. Je nach Befund folgen eine Blutuntersuchung (Entzündungswerte, Nieren-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte), eine Kotuntersuchung sowie bildgebende Verfahren: Röntgen von Brustkorb und Bauch, um Fremdkörper, eine Erkrankung der Speiseröhre, einen Darmverschluss oder eine Magendrehung zu erkennen, und Ultraschall, um Magenwand, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Milz zu beurteilen. Bei chronischem Erbrechen kann eine Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme von Schleimhautproben notwendig sein.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Beim leeren, übersäuerten Magen genügt meist die veränderte Fütterung; bei anhaltender Reizung verordnet der Tierarzt Mittel gegen Übelkeit und Medikamente, die die Magensäure reduzieren oder die Schleimhaut schützen. Grashalme und Fremdkörper werden je nach Lage aus dem Rachen entfernt, endoskopisch geborgen oder operativ entfernt. Beim Zwingerhusten steht die Behandlung der Atemwege im Vordergrund — mit dem Husten verschwindet auch der Schaum. Eine Magendrehung wird sofort operiert. In den meisten Fällen ist das Erbrechen von Schaum nach wenigen Tagen überstanden.
Wenn ein Tumor die Ursache ist
Selten steckt hinter wiederholtem Erbrechen ein Tumor — vor allem beim älteren Hund und dann meist zusammen mit Gewichtsverlust, wechselndem Appetit, Durchfall oder Leistungsabfall. Am häufigsten sind dabei Tumoren der Milz und des Magens: Ein Milztumor verdrängt Magen und Darm und löst dadurch Erbrechen aus; je nach Größe nimmt der Bauchumfang zu. Solche Tumoren werden in der Regel im Ultraschall entdeckt und durch eine Gewebeprobe gesichert.
Behandlung der Wahl ist meist die Operation. Nach der bestmöglichen Entfernung des Tumors ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung: Sie aktiviert das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen, ist gut verträglich und wird ohne Narkose beim Haustierarzt durchgeführt. Die Diagnose Tumor ist für Sie als Halter eine schwere Nachricht — sie bedeutet aber nicht, dass für Ihren Liebling nichts mehr getan werden kann.
Quellen
- Erkrankungen des Verdauungsapparates. In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017.
- Erbrechen. In: Schrey C, Hrsg. Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze. 4., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
- Sigrist N, Hrsg. Notfallmedizin für Hund und Katze. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2017. ISBN 978-3-13-205281-9.
Häufige Fragen
Warum erbricht mein Hund weißen Schaum?
Weißer Schaum besteht aus Speichel und Schleim aus Speiseröhre und Mageneingang, die beim Würgen mit Luft aufgeschäumt werden. Die häufigste Ursache ist ein leerer, übersäuerter Magen; daneben kommen ein Grashalm oder Fremdkörper im Rachen sowie Husten mit Auswurf — etwa beim Zwingerhusten — infrage. Bleibt es bei einem Mal und ist der Hund danach munter, genügt Beobachtung.
Was ist der Unterschied zwischen weißem und gelbem Schaum?
Weißer Schaum stammt aus Speiseröhre und Mageneingang und zeigt eine Reizung an; gelber Schaum enthält zusätzlich Galle, die aus dem Zwölffingerdarm in den leeren Magen zurückgeflossen ist. Gelber Schaum bedeutet also fast immer, dass der Magen lange leer war — typisch morgens vor der ersten Fütterung. Rosa oder rötlicher Schaum enthält Blut und gehört zum Tierarzt.
Mein Hund würgt, aber es kommt nur Schaum — was bedeutet das?
Kommt beim Husten am Ende weißer Schaum hoch, spricht das für Zwingerhusten oder einen anderen Atemwegsinfekt; der Schaum stammt dann aus den Atemwegen. Würgt der Hund dagegen wiederholt ohne Erfolg, ist unruhig, speichelt stark und der Bauch wird dick und hart, ist das ein Alarmzeichen für eine Magendrehung — fahren Sie sofort in die nächste Tierklinik, denn unbehandelt verläuft sie innerhalb weniger Stunden tödlich.
Was kann ich tun, wenn mein Hund Schaum erbricht?
Notieren Sie Farbe, Zeitpunkt und Häufigkeit des Erbrechens und ob Ihr Hund vorher hustet; ein Foto hilft dem Tierarzt. Erbricht er vor allem morgens, teilen Sie die Tagesration auf zwei bis drei Mahlzeiten auf und geben Sie spät am Abend eine kleine Portion. Bieten Sie Wasser in kleinen Mengen an und geben Sie keine Medikamente aus der Hausapotheke — Schmerzmittel für Menschen sind für Hunde giftig.
Wann muss ich mit meinem Hund zum Tierarzt?
Wenn Ihr Hund mehr als zwei- bis dreimal innerhalb von 24 Stunden oder an mehreren Tagen hintereinander Schaum erbricht, länger als einen Tag nicht frisst oder Durchfall, Fieber, Husten, Mattigkeit oder Bauchschmerzen hinzukommen. Sofort in die Notfallpraxis gehört er bei rosa oder blutigem Schaum, Schaum mit Atemnot, Kollaps oder Verdacht auf Magendrehung.
Kann das Erbrechen von Schaum ein Zeichen für einen Tumor sein?
Selten, vor allem beim älteren Hund: Tumoren der Milz oder des Magens können Erbrechen auslösen — meist zusammen mit Gewichtsverlust, wechselndem Appetit oder Leistungsabfall. Sie werden in der Regel im Ultraschall entdeckt und durch eine Gewebeprobe gesichert. Behandlung der Wahl ist meist die Operation; ergänzend kann die dendritische Zelltherapie das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen aktivieren.