Kalium beim Hund

Bei Kalium beim Hund handelt es sich um den Blutwert für den wichtigsten Mineralstoff im Inneren der Zellen: Kalium steuert zusammen mit Natrium die elektrische Erregbarkeit von Nerven, Muskeln und Herz. Auf dem Laborbefund steht der Wert als Kalium oder K, angegeben in mmol/l. Weil nur ein winziger Teil des Körperkaliums im Blut zirkuliert, wirken sich schon kleine Verschiebungen aus — ein deutlich erhöhtes Kalium kann das Herz gefährden, ein niedriges macht den Hund schwach. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.

Was misst der Wert?

Der weitaus größte Teil des Kaliums liegt in den Zellen, nur ein kleiner Rest im Blut — und genau diesen misst das Labor. Geregelt wird der Spiegel von den Nieren, die überschüssiges Kalium ausscheiden, gesteuert durch das Hormon Aldosteron aus der Nebennierenrinde. Insulin und ein Anstieg des pH-Werts (Alkalose) treiben Kalium in die Zellen hinein, eine Übersäuerung (Azidose) treibt es heraus. Daraus ergeben sich drei Wege zu einem veränderten Wert: eine Verschiebung zwischen Zellen und Blut, Verluste über Darm oder Niere und eine verminderte Ausscheidung.

Hinzu kommt ein Laborartefakt, das man kennen muss: die Pseudohyperkaliämie. Bei der Gerinnung im Serumröhrchen geben Blutplättchen und weiße Blutkörperchen Kalium ab; sind Thrombozyten oder Leukozyten stark vermehrt, erscheint das Kalium erhöht, obwohl es im Hund normal ist. Auch eine Hämolyse (der Zerfall roter Blutkörperchen in der Probe) hebt den Wert an — beim Hund weniger als beim Menschen, weil seine roten Blutkörperchen kaliumarm sind; Ausnahme sind der Akita, der Shiba und andere japanische Rassen, deren Erythrozyten viel Kalium enthalten. Langes Stehen der Probe verstärkt den Effekt.

Erhöhte Werte: typische Ursachen

  • Morbus Addison: Die Unterfunktion der Nebennierenrinde ist die klassische Ursache einer Hyperkaliämie beim Hund. Ohne Aldosteron hält die Niere Kalium zurück und verliert Natrium; ein Natrium/Kalium-Quotient unter etwa 27 gilt als Hinweis, beweist die Erkrankung aber nicht. Betroffen sind meist junge bis mittelalte Hunde mit wechselnden, unspezifischen Beschwerden wie Schwäche, Erbrechen und Durchfall. Mehr dazu auf der Seite Morbus Addison beim Hund.
  • Harnabflussstörung und Blasenruptur: Kann Urin nicht abfließen oder läuft er nach einem Unfall in die Bauchhöhle, wird Kalium nicht mehr ausgeschieden — ein Notfall, oft mit stark erhöhtem Kreatinin.
  • Akute Nierenschädigung mit geringer Harnmenge; bei der chronischen Nierenerkrankung ist das Kalium dagegen meist normal oder niedrig.
  • Azidose: etwa bei einer diabetischen Ketoazidose, der Entgleisung eines Diabetes mellitus. Kalium verlässt die Zellen, obwohl der Gesamtbestand oft sogar vermindert ist.
  • Medikamente: ACE-Hemmer und Spironolacton (Herzmedikamente), Trimethoprim-haltige Antibiotika, kaliumhaltige Infusionen.
  • Peitschenwurm-Befall: Ein starker Befall mit Trichuris vulpis kann Durchfall mit niedrigem Natrium und hohem Kalium auslösen und einen Morbus Addison vortäuschen („Pseudo-Addison”).
  • Gewebezerfall: ausgedehnte Muskelverletzungen oder der rasche Zerfall von Tumorzellen unter Chemotherapie.
  • Pseudohyperkaliämie: Hämolyse, stark erhöhte Thrombozyten oder Leukozyten, japanische Rassen.

Ein stark erhöhtes Kalium verlangsamt den Herzschlag und kann Rhythmusstörungen bis zum Herzstillstand auslösen; es wird deshalb umgehend behandelt.

Erniedrigte Werte: typische Ursachen

  • Verluste über den Magen-Darm-Trakt: Erbrechen und Durchfall sind die häufigste Ursache eines niedrigen Kaliums.
  • Zu geringe Aufnahme: längere Appetitlosigkeit, vor allem bei kranken und alten Hunden.
  • Chronische Nierenerkrankung: Die kranke Niere verliert Kalium über den vermehrten Urin, und die Hunde fressen schlecht.
  • Medikamente: Entwässerungsmittel (Diuretika) wie Furosemid, kaliumfreie Infusionen, Insulin — auch bei der Behandlung der diabetischen Ketoazidose, wenn Kalium in die Zellen zurückströmt.
  • Alkalose: ein Anstieg des pH-Werts, etwa nach anhaltendem Erbrechen von Magensaft.
  • Selten: ein Aldosteron-bildender Tumor der Nebennierenrinde (Hyperaldosteronismus), Cushing-Syndrom, Refeeding nach langem Hungern.

Ein Kaliummangel äußert sich in Muskelschwäche — die Hunde wirken matt, tragen den Kopf tief, ermüden rasch —, in Verstopfung und bei ausgeprägtem Mangel ebenfalls in Herzrhythmusstörungen. Leicht erniedrigte Werte nach einem Magen-Darm-Infekt sind dagegen häufig und normalisieren sich, sobald der Hund wieder frisst.

Was der Tierarzt daraufhin meist prüft

  • Kontrolle aus frischer, hämolysefreier Probe: bei hohen Werten aus Heparin-Plasma statt Serum, um eine Pseudohyperkaliämie auszuschließen; dazu der Blick auf Thrombozyten- und Leukozytenzahl.
  • Natrium und der Natrium/Kalium-Quotient: Ein niedriges Natrium bei hohem Kalium lenkt den Verdacht auf Morbus Addison.
  • Nierenwerte und Blutzucker: Kreatinin, Harnstoff und Glukose, dazu bei kranken Hunden der Säure-Basen-Status aus einer Blutgasanalyse.
  • EKG: bei deutlich erhöhtem Kalium, weil die Herzveränderungen über die Dringlichkeit entscheiden.
  • Bestätigungstests: ein ACTH-Stimulationstest bei Verdacht auf Addison, eine mehrfache Kotuntersuchung auf Peitschenwurmeier, Röntgen oder Ultraschall der Harnwege bei Verdacht auf eine Abflussstörung — und immer die Frage nach Medikamenten.

Bezug zu Tumorerkrankungen

Für die Tumordiagnostik spielt das Kalium keine Rolle. Drei Randbereiche sind erwähnenswert: Unter einer Chemotherapie kann der rasche Zerfall vieler Tumorzellen (Tumorlyse) Kalium und Phosphat freisetzen — beim Hund selten, aber zu Beginn einer Behandlung im Blick; weitere Wirkungen der Behandlung beschreibt die Seite Chemotherapie und Nebenwirkungen. Aldosteron-bildende Tumoren der Nebennierenrinde können das Kalium senken, sind beim Hund aber eine Rarität. Und bei stark erhöhten Thrombozyten- oder Leukozytenzahlen, wie sie bei Leukämien oder als Begleitreaktion auf Tumoren vorkommen, täuscht die Pseudohyperkaliämie einen hohen Wert vor, den der Hund nicht hat.

Was bedeutet das für Ihren Hund?

Ein einzelner Kaliumwert ist keine Diagnose. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist. Ein leicht erniedrigter Wert nach Erbrechen oder Durchfall ist häufig und gleicht sich in der Regel aus, sobald Ihr Hund wieder frisst und trinkt; ein leicht erhöhter Wert aus einer gestandenen oder hämolytischen Probe verschwindet bei der Kontrolle. Aussagekräftig wird das Kalium erst zusammen mit Natrium, Nierenwerten und dem Zustand Ihres Hundes. Ihr Tierarzt ordnet den Wert im Gespräch ein und entscheidet mit Ihnen, ob eine Kontrolle genügt oder ein Bestätigungstest sinnvoll ist.

Quellen

  • Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
  • Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
  • Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO
  • Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart

Häufige Fragen

Ist ein erhöhtes Kalium bei meinem Hund gefährlich?

Ein stark erhöhtes Kalium kann den Herzschlag verlangsamen und Rhythmusstörungen auslösen und wird deshalb umgehend behandelt. Ein leicht erhöhter Wert stammt dagegen häufig aus einer gestandenen oder hämolytischen Probe und verschwindet bei der Kontrolle.

Was hat Kalium mit Morbus Addison zu tun?

Bei der Unterfunktion der Nebennierenrinde fehlt das Hormon Aldosteron, die Niere hält Kalium zurück und verliert Natrium. Ein hohes Kalium bei niedrigem Natrium — mit einem Natrium/Kalium-Quotienten unter etwa 27 — ist deshalb ein typischer Hinweis, den der Tierarzt mit einem ACTH-Stimulationstest bestätigt.

Kann ein hohes Kalium ein Probenfehler sein?

Ja. Bei der Gerinnung im Röhrchen geben Blutplättchen und weiße Blutkörperchen Kalium ab; sind sie stark vermehrt oder zerfallen rote Blutkörperchen in der Probe, erscheint das Kalium erhöht, obwohl es im Hund normal ist. Bei Akita, Shiba und anderen japanischen Rassen ist dieser Effekt besonders ausgeprägt; eine Kontrolle aus Heparin-Plasma klärt das.

Warum ist das Kalium meines Hundes nach Erbrechen und Durchfall zu niedrig?

Mit Erbrochenem und Durchfall geht Kalium verloren, und ein kranker Hund nimmt zugleich weniger davon mit dem Futter auf. Leicht erniedrigte Werte gleichen sich in der Regel aus, sobald der Hund wieder frisst; bei stärkerem Mangel gleicht der Tierarzt das Kalium über Infusionen aus.

Welche Anzeichen macht ein Kaliummangel beim Hund?

Vor allem Muskelschwäche: Die Hunde wirken matt, tragen den Kopf tief und ermüden rasch; dazu kommen Verstopfung und bei ausgeprägtem Mangel Herzrhythmusstörungen.

Hat ein verändertes Kalium etwas mit Krebs zu tun?

In der Regel nicht; Kalium ist kein Tumormarker. Unter einer Chemotherapie kann der rasche Zerfall vieler Tumorzellen das Kalium ansteigen lassen, und stark erhöhte Blutplättchen oder weiße Blutkörperchen, wie sie bei Leukämien vorkommen, können einen hohen Wert vortäuschen.

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